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Schleswig : Stadtwerke investieren Millionen in Blockheizkraftwerk

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die alten BHKW-Motoren an der Schleswiger Schwimmhalle haben ausgedient.

von
erstellt am 29.Apr.2017 | 15:14 Uhr

Hans-Joachim Rahn fiel es nicht leicht, aufs Knöpfchen zu drücken. „Es ist richtig Wehmut dabei“, erklärte der Stadtwerke-Mitarbeiter, nachdem er gestern Nachmittag um kurz nach 13 Uhr die beiden letzten laut ratternden Maschinen des Blockheizkraftwerks (BHKW) an der Schwimmhalle heruntergefahren hatte. „Wenn ich morgens zur Arbeit gefahren bin, habe ich schon von weitem immer den Schornstein rauchen gesehen. Dann wusste ich: Alles ist klar“, sagte der Leiter der Anlage. Doch nach 26 Jahren haben die insgesamt fünf Motoren nun ausgedient. Zwei waren bereits vor etwa einem Jahr abgeschaltet worden, eine weitere Anfang dieser Woche. Die notwendigen Reparaturen lohnen sich nicht mehr.

Die Schleswiger Stadtwerke investieren stattdessen 3,8 Millionen Euro in die Modernisierung des Kraftwerks. Effizientere Motoren werden eingebaut, die Elektrotechnik erneuert und eine Abgasreinigung installiert. Dazu wird das Gebäude zunächst entkernt und anschließend aufgestockt. „Im Dezember soll die neue Anlage im Keller eingeschaltet werden“, kündigte Stadtwerke-Geschäftsführer Wolfgang Schoofs an. In der Zwischenzeit wird Strom zusätzlich eingekauft, und die betroffenen Fernwärme-Abnehmer wie zum Beispiel auch mehrere Schulen werden über die Kesselanlagen am Stadtfeld sowie am Hesterberg versorgt.

Wie Hans-Joachim Rahn erinnert sich auch Jürgen Augustin, Technischer Leiter der Stadtwerke, noch sehr genau an den November 1991, als das für 6,8 Millionen D-Mark errichtete BHKW am Schwimmbad seinen Betrieb aufnahm. „Damals waren wir Vorreiter. Dieses Blockheizkraftwerk war lange Zeit das größte in Schleswig-Holstein.“ Bei den fünf Aggregaten mit einer elektrischen Leistung von jeweils 960 kW handelt es sich um Schnellbootmotoren, die auf die Verbrennung von Erdgas umgerüstet wurden. Seit Inbetriebnahme habe das Kraftwerk durchschnittlich 20,3 Millionen Kilowattstunden Strom und 33,5 Millionen Kilowattstunden Wärme pro Jahr produziert. Die Motoren seien mit weit über 120  000 Stunden wesentlich länger gelaufen als erwartet, erklärte Augustin. „Normal sind 60  000 Stunden.“

Die neuen Aggregate, vier moderne Erdgasmotoren, sollen Ende August angeliefert werden. Sie haben zusammengerechnet die gleiche elektrische Leistung wie die fünf Vorgängermodelle.

Trotz der großen Investition könnten die Wärmepreise stabil gehalten werden, versprach Schoofs. Hintergrund ist, dass die Stadtwerke bei dem Bauvorhaben von einer öffentlichen Förderung profitieren und auch die Verluste des Hallenbades (1,5 Millionen Euro im Jahr) steuerlich weiter mit den Erträgen des BHKW verrechnet werden können. Allerdings sei es nach der Anfang dieses Jahres in Kraft getretenen Änderung des Kraft-Wärme-Kopplungsgesetzes notwendig geworden, dafür ein zusätzliches kleineres Blockheizkraftwerk nur für die Versorgung der Schwimmhalle zu errichten, erläuterte Schoofs. Diese Anlage in Größe einer Doppelgarage soll auf einem Grundstück hinter der Schwimmhalle gebaut werden – für weitere 300  000 Euro. Schoofs: „Dieser technisch-wirtschaftliche Verbund gibt uns die Sicherheit, dass wir die Verluste des Hallenbades weiter verrechnen dürfen.“ Dabei gehe es um einen Steuervorteil von 450  000 Euro im Jahr.

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