Schleswig : Stadtmuseum auf Erneuerungskurs

So präsentierten sich die Schleswiger Beamten  in der Preußenzeit um 1900. In der Vitrine links zeigt das Stadtmuseum eine Uniform für „Räte der IV. und V. Klasse sowie für höhere Subaltern-Beamte“. Rechts, neben dem Bild von Kaiser Wilhelm II., eine prächtige Husaren-Uniform.
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So präsentierten sich die Schleswiger Beamten in der Preußenzeit um 1900. In der Vitrine links zeigt das Stadtmuseum eine Uniform für „Räte der IV. und V. Klasse sowie für höhere Subaltern-Beamte“. Rechts, neben dem Bild von Kaiser Wilhelm II., eine prächtige Husaren-Uniform.

In den nächsten Jahren sollen im Stadtmuseum ein Café und eine „Kulturwerkstatt“ als Bürger-Treffpunkt entstehen.

shz.de von
12. Mai 2018, 07:41 Uhr

Wer wie die Stadt Schleswig schon weit über zwölfhundert Jahre alt ist, braucht ein wirklich gutes Gedächtnis. Nämlich ein Museum, das bedeutende Ereignisse in Erinnerung bewahrt, sie bewertet und darstellt. Keine leichte Aufgabe für das Stadtmuseum, das stets den Spagat schaffen muss, das Publikum für die Vergangenheit zu begeistern, ohne selbst in die verstaubte Ecke zu geraten. So feilen seit gut zwei Jahren Bürgermeister Arthur Christiansen und Fachbereichsleiterin Julia Pfannkuch gemeinsam mit Museumsleiterin Dörte Beier an einem neuen Masterplan für das Stadtmuseum, das sich künftig stärker in Richtung Bürgermuseum entwickeln soll – mit einem breiter aufgestellten Kultursortiment für alle, insbesondere auch für Familien.

Tatsächlich beinhaltet das Zukunftskonzept einschneidende Veränderungen für das Stadtmuseum. Durch sie könnte es sich vom Image der Tristesse, das manche Besucher streckenweise empfinden, befreien.

In mehreren, zeitlich versetzten Schritten will man bei der Reform vorgehen. Und diese müssen jeweils von den städtischen Gremien abgesegnet werden.

Schritt 1 ist bereits getan: Die Hausmeisterwohnung im historischen Torhaus, das direkt von der Friedrichstraße zum Museums-Hauptgebäude im Gründerothschen Hof führt, wird vermietet an den Landesverband der „Verwaisten Eltern“, für monatlich 400 Euro Kaltmiete.

Schritt 2: Aus der historischen Druckerei, die sich auf dem hinteren Areal des Museumsgeländes befindet, soll eine „Kulturwerkstatt“ werden. Für die mächtigen alten Setzmaschinen, die hier in den lichtdurchfluteten Räumen thronen, werden Abnehmer gesucht. Museumsleiterin Dörte Beier nennt den Grund: „Es gibt niemanden mehr, der diese Maschinen bedienen könnte, und leider locken sie nur wenige Besucher an.“ Die Kulturwerkstatt soll dann aufwarten etwa mit Gesundheitskursen und Bildungsurlaubsangeboten der Volkshochschule, aber auch andere Gruppen wie Fotoclub, Kunst- und Kulturvereine, Schulen, Kitas oder das Stadtmuseum selbst werden die multifunktionale Kulturstätte nutzen.

Schritt 3 betrifft den Ausbau der Museums-Gastronomie: Die Idee ist, ein neues „Café Friedrich“ im Stallgebäude auf der Südseite einzurichten. Dafür würde ein geeigneter Pächter gesucht. Um die Wirtschaftlichkeit dieses Unternehmens abzuklären, wird nun eine externe Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, wie in der jüngsten Ratsversammlung beschlossen wurde. Denn die Fachexpertisen sind Voraussetzung dafür, EU-Fördergelder für das Konzept einzuwerben. Damit einher geht der Plan, die Spielzeugsammlung Gunkel mit ins Teddybärhaus nebenan zu verlegen, um hier ein attraktives Kinderhaus mit vielen Mitmach-Aktionen zu schaffen.

Damit würde im Haupthaus Platz geschaffen, um eine neu überarbeitete stadtgeschichtliche Ausstellung zu präsentieren. Beier: „Diese möchte ich gern erweitern um die Zeit nach 1945.“

Im Stadtbauamt errechnet man derzeit die Kosten für das Museumskonzept, was dann die Höhe der Fördergelder sowie auch den Zeitplan bestimmen wird. Schon jetzt zeigt sich Julia Pfannkuch „felsenfest überzeugt“, wie sie sagt, dass sich die „ohnehin erfreulichen Besucherzahlen von durchschnittlich 18 000 im Jahr noch steigern lassen werden“.

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