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Schleswiger Nachrichten

19. August 2017 | 04:10 Uhr

Schleswig : Stadtmanager im Gegenwind

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Mit seiner Kritik am Tempo der Innenstadt-Sanierung hat sich Stadtmanager Rüdiger Knospe nicht nur Freunde gemacht.

Es war eine kühne Idee, mit der Stadtmanager Rüdiger Knospe Anfang November an die Öffentlichkeit ging: Eine 16 Meter hohe Fontäne in der Schlei – zwischen Königswiesen, Möweninsel und Wikingturm. Ein spektakuläres Schauspiel für jeden Spaziergänger auf der Uferpromenade an der Schleistraße. Ein bisschen wie auf dem Genfer See – oder zumindest wie auf der Hamburger Binnenalster.

Der Haken: Die Fontäne wird nicht kommen. Jedenfalls nicht so, wie Knospe sie sich vorgestellt hatte. Inzwischen nämlich hat er von Fachleuten erfahren: Die Schlei ist an dieser Stelle viel zu flach für eine solche Fontäne. Mindestens zweieinhalb Meter Wassertiefe wären nötig für einen reibungslosen Betrieb.

Knospe erwähnte das beiläufig, als er in der vergangenen Woche vor den Mitgliedern des Hauptausschusses den jährlichen Bericht über seine Arbeit vorlegte. Das Thema droht ihm jetzt auf die Füße zu fallen. Als er das Rathaus verließ, ahnte er schon, dass er nicht nur Schulterklopfer ernten würde. Aber nicht wegen des Reinfalls mit der Schlei-Fontäne. Er hatte ein anderes Thema angesprochen, das einigen der Anwesenden spürbar nicht behagte: Der Stadtmanager kritisierte, dass viele Entscheidungen in Schleswig zu viel Zeit bräuchten. Außerdem würde es die Entwicklung der Stadt oft hemmen, wenn man Projekte über Fördergelder finanziere – wegen der damit verbundenen Auflagen und der Ungewissheit, ob ein Förderantrag bewilligt wird. Als Beispiel hatte Knospe die Innenstadt-Sanierung genannt. Die Stadt bekommt dafür 6,7 Millionen Euro Städtebau-Fördergelder. Fast zehn Jahre nach den ersten Vorplanungen soll es 2017 endlich losgehen und 15 Jahre dauern. Es sei zu hoffen, dass „der Patient bis dahin nicht tot ist“, sagte Knospe. Bürgermeister Arthur Christiansen hatte bei Knospe nachgefragt, ob seine Äußerungen als Kritik an der Verwaltung zu verstehen sei. Knospe verneinte zwar, was aber offenbar nicht alle Anwesenden überzeugte.

Als jetzt im Finanzausschuss der Haushaltsposten Stadtmanagement beraten wurde, griff SPD-Fraktionschef Stephan Dose Knospes Vortrag noch einmal auf. Auf SN-Nachfrage konkretisierte er seine Kritik:„Herr Knospe ist rührig und fleißig, keine Frage.“ Wenn die Arbeit des Stadtmanagements sich jedoch darauf ausrichte, die Stadtverwaltung zu kritisieren und Projekte vorzuschlagen, die die Stadt zusätzliches Geld kosten und zudem gar nicht umsetzbar seien – zum Beispiel die Wasserfontäne auf der Schlei – „dann sind wir natürlich nicht zufrieden“. Knospe selbst räumt inzwischen ein, dass er seine Anliegen anders hätte vortragen können. „Ich bin kein Politiker. Ich sage einfach, was ich denke.“

Der Stadtmanager hat eine ungewöhnliche Zwitterrolle. Er arbeitet gleichzeitig im Dienst der Stadt Schleswig und der privaten Wirtschaft. Die Stadtmarketing GmbH gehört zu 40 Prozent der Stadt, zu 40 Prozent den „Schleswig-Paten“, einem Zusammenschluss von Unternehmern, und zu 20 Prozent den Gewerbevereinen. Sie finanzieren anteilig die Arbeit des Stadtmanagements, die im Jahr 100  000 Euro kostet.

Aus der Wirtschaft erhält Knospe, der sein Amt vor zwei Jahren antrat, ausdrücklich Unterstützung. Als Sprecher der Wirtschaftsvereinigungen verweist IHK-Geschäftsstellenleiter Stefan Wesemann auf die Erfolge des Stadtmanagements in den vergangenen Jahren wie den Weihnachtsmarkt und die Etablierung der Wikingerscheck-Gutscheine. Knospe persönlich habe Investoren nach Schleswig gelotst – allen voran den Spielwaren-Händler Pfeifer im früheren Nootbaar-Haus – und mit dem „Wikinger-Tampentrecken“ auf dem Capitolplatz Akzente gesetzt. In der Position des Stadtmanagers gehe es vor allem darum, gute Ideen zu haben, meint Wesemann. „Wenn sich von zehn Ideen zwei umsetzen lassen, ist das eine gute Quote.“ Auch die Kritik am langsamen Tempo der Innenstadt-Sanierung teilen die Wirtschaftsvertreter. „Jetzt muss es wirklich losgehen, damit Knospes Befürchtungen nicht wahr werden“, sagt Klaus-Peter Jeß von der Interessengemeinschaft Ladenstraße (IGL).

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erstellt am 09.Dez.2016 | 11:15 Uhr

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