zur Navigation springen

Schleswig : Stadt will ihre alten Häuser loswerden

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Immobilienverkäufe sollen den Schuldenstand der Stadt Schleswig senken. Unter anderem stehen der ZOB, der Plessenhof und die Seniorenbegegnungsstätte auf der Verkaufsliste.

von
erstellt am 09.Sep.2014 | 08:13 Uhr

19 Millionen Euro Schulden drücken die Stadt Schleswig. Wenigstens ein kleiner Teil dieser Verbindlichkeiten könnte bald abgebaut werden, indem die Stadt ihre Häuser verkauft, die sie nicht mehr benötigt. Zaghafte Versuche in diese Richtung gibt es schon seit Jahren, doch Bürgermeister Arthur Christiansen hatte nach seinem Amtsantritt Anfang des Jahres angekündigt, dieses Thema erneut anzugehen. Nun steht es auf der Tagesordnung der nächsten Finanzausschuss-Sitzung (Mittwoch, 17. September, um 16 Uhr im Rathaus). Wie viel Geld das Vorhaben in die Stadtkasse spülen könnte, ist unklar. Im günstigsten Fall könnten es drei bis vier Millionen Euro sein.

Ein Überblick über die Gebäude, die demnächst zum Verkauf stehen könnten, macht aber jedoch deutlich: Es wird trotz steigender Immobilienpreise nicht in jedem Fall einfach werden. Manche Häuser sind in einem Zustand, der die Interessenten nicht unbedingt magnetisch anziehen wird. Andere sind seit vielen Jahren an wichtige Institutionen vermietet oder an Vereine, die in Schleswig verwurzelt sind und sich als Mieter bei der Stadt gut aufgehoben fühlen.

Letzteres gilt zum Beispiel für den Tanzclub Grün-Gold und dessen Räume im Wikingcenter. Im Verein beobachtet man die Verkaufs-Bestrebungen der Stadt mit Sorge. Die übrigen Teile des Wikingcenters am Fuße des Wikingturms mit Bowlingbahn, Chinarestaurant und zahlreichen Wohnungen sind ohnehin in Privatbesitz.

Nicht ganz so hart würde es den TSV Schleswig treffen. Die Bellmann-Sporthalle steht aktuell nicht zur Diskussion, wohl aber die benachbarte ehemalige Landwirtschaftsschule in der Bellmannstraße. Hier hat sich das Kreisveterinäramt eingemietet, aber auch der TSV nutzt einen Teil des Gebäudes.

Die Kreisverwaltung zählt auch zu den Mietern im Zob-Gebäude. Von außen macht es einen eher bescheidenen Eindruck. Es ist unklar, was ein möglicher Käufer damit anfangen würde. Er könnte es als Geldanlage verwenden, einfach weiterhin Miete kassieren, modernisieren oder gar abreißen und etwas Neues bauen. Mit einem Verkauf könnte sich die Stadt möglicher Handlungsoptionen berauben, wenn sie demnächst ihr Großprojekt Innenstadt-Sanierung in Angriff nimmt, zu dessen Kernpunkten es gehört, die Königstraße neu zu gestalten.

Völlig unklar ist auch, was aus dem verwaisten früheren Bauhof und der Stadtgärtnerei am Holmer Noor werden könnte. Beide Einrichtungen sind seit Jahren in die Umweltdienste der Stadtwerke integriert und am Ilensee untergebracht.

Über den Verkauf der Seniorenbegegnungsstätte in der Langen Straße 6 wird im Rathaus schon seit Jahren geredet. Es wird nur noch wenig genutzt, seit sich der Schleswiger Seniorenkreis vor zehn Jahren auflöste. Zwischenzeitlich gab es Planspiele, hier eine Kinderkrippe einzurichten, um den Rechtsanspruch auf Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren zu erfüllen. Einige Vereine, die das Haus lange Zeit nutzten, mussten deshalb bereits ausziehen – darunter der Schachclub und der Verein Kulturzentrum. Spätestens seitdem der dänische Schulverein mit dem Bau zweier neuer Krippen in der Stadt begonnen hat, ist der Krippen-Plan nicht mehr aktuell. Im Dachgeschoss lagert das Landestheater alte Akten.

Neu in der öffentlichen Diskussion um einen Verkauf ist der Plessenhof. Noch bis vor zehn Jahren hat die Stadt den repräsentativen Bau selbst vielfältig genutzt. Hier tagten die städtischen Ausschüsse, hier war das Stadtarchiv beheimatet und die städtische Tourist-Information. Letztere befindet sich hier noch immer, wird nun aber von der Ostseefjord Schlei GmbH betrieben, die auch große Teile des Obergeschosses nutzt. Auch die Industrie- und Handelskammer und die Wireg haben sich im Plessenhof eingemietet, ebenso wie seit vielen Jahren der ADS-Kindergarten. Während für manche der Immobilien nur noch schwer nachzuvollziehen ist, wie sie einst in städtisches Eigentum gelangten, ist dies für den Plessenhof genau erforscht. In den „Beiträgen zur Schleswiger Stadtgeschichte“ aus dem vergangenen Jahr beschreibt Falk Ritter, wie nach dem Ersten Weltkrieg ein nach Amerika ausgewanderter Schleswiger der Stadt Geld für ein Erholungsheim für unterernährte Kinder schickte.

Im Portfolio der Stadt befinden sich auch diverse Mehrfamilien- und Reihenhäuser. Offenbar gestaltet es sich nicht ganz einfach, sie loszuwerden. Schon vor über zwei Jahren schaltete man einen Makler ein. Seine Rückmeldung war ernüchternd. Manche Häuser, befand er, seien „wegen Bauschäden zur Zeit nicht marktfähig“. Zunächst müsse der Sanierungsaufwand ermittelt werden.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen