Schleswig : Stadt will Hertie-Gebäude zwangsversteigern

Im Grundbuch für das Hertie-Grundstück steht eine Briefkastenfirma in Holland. Foto: Jensen
Im Grundbuch für das Hertie-Grundstück steht eine Briefkastenfirma in Holland. Foto: Jensen

Nach der Hertie-Schließung bleibt Schleswig auf einer Rechnung von 60.000 Euro sitzen. Der Eigentümer hat seit Jahren keine Grundsteuer gezahlt.

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19. August 2011, 09:20 Uhr

Schleswig | Das ehemalige Hertie-Kaufhaus im Stadtweg kommt möglicherweise unter den Hammer. Die Stadtverwaltung hat beim Amtsgericht Schleswig die Zwangsversteigerung der Immobilie beantragt. Das bestätigte Bürgermeister Thorsten Dahl am Dienstag gegenüber dem sh:z. Dieser Schritt war schon seit Monaten diskutiert worden - vor allem als Mittel, die abgetauchten Eigentümer der Immobilie aus der Reserve zu locken.
Die Stadt Schleswig verlangt von ihnen 60.000 Euro. Dabei geht es überwiegend um die Grundsteuer, aber auch um Straßenreinigungsgebühren und andere Abgaben. Nach Dahls Angaben haben sich diese Außenstände über einen Zeitraum von vier Jahren angesammelt. Hertie schloss im August 2009. Dass das Hertie-Grundstück ein Vielfaches mehr wert sein dürfte als 60.000 Euro spielt für das Vorgehen keine Rolle. Eine Zwangsversteigerung kann unabhängig von der Höhe der ausstehenden Forderungen angeordnet werden.
Holländische Briefkastenfirma im Grundbuch
Ob es tatsächlich so weit kommt, ist völlig offen. Möglich ist auch, dass der Eigentümer seine ausstehenden Steuern doch noch zahlt - oder dass sich der Eigentümer bei der Stadt Schleswig meldet, zum Beispiel um einen Zahlungsaufschub zu erbitten. "Dann hätten wir wenigstens endlich wieder einen Ansprechpartner", sagt Dahl. Einen solchen nämlich suchte man zuletzt vergebens. Ein Schreiben an den letzten bekannten Eigentümer, den britischen Finanzdienstleister Dawnay Day, kam als "unzustellbar" zurück ins Rathaus. Bei Dawnay Day handelt es sich um ein verschachteltes Konstrukt, das kaum jemand durchschaut. Im Grundbuch ist für das Grundstück im Stadtweg eine holländische Briefkastenfirma eingetragen.
Nicht ausgeschlossen, dass bei der Stadtverwaltung von dieser Firma oder einem anderen Teil des Dawnay-Day-Imperiums schon sehr bald eine Überweisung über 60.000 Euro eingehen wird. So geschah es jedenfalls in Elmshorn, als die dortige Stadtverwaltung im vergangenen Jahr das dortige Hertie-Haus ebenfalls zwangsversteigern lassen wollte.
Kaufinteressenten gibt es genug
Vom Einreichen des Antrages bis zur Zwangsversteigerung können sechs bis zwölf Monate vergehen. Zunächst prüft das Amtsgericht die Rechtmäßigkeit des Titels, und Grundbucheintragungen werden hinterfragt. Beim Katasteramt fordert das Gericht Unterlagen an, und beim Finanzamt gibt es eine Wertanfrage. Ist alles ordnungsgemäß hinterfragt und geprüft, wird ein Sachverständiger bestellt, der das Gebäude begutachtet. Dann erst gibt das Amtsgericht den Termin für die Zwangsversteigerung bekannt und nennt ein Mindestgebot.
Kaufinteressenten, meint Dahl, gibt es genug. "Bei uns melden sich immer wieder mögliche Investoren." Keiner von ihnen wurde sich mit den Eigentümern einig - sofern überhaupt ein Kontakt zu Stande kam. Ansprechpartner für Interessenten ist ein Immobilien-Ableger der französischen Großbank BNP Paribas in Berlin. Dieser hat bereits für 37 von insgesamt 64 ehemaligen Hertie-Häusern in Deutschland Käufer gefunden. Darunter war bisher keines der sieben Häuser in Schleswig-Holstein.
(oje, shz)

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