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Schleswig : Stadt will Hertie-Gebäude bald abreißen – CDU, Grüne und FDP sind dagegen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Seit dem Frühjahr ist die Stadt Schleswig Eigentümerin des leer stehenden Hertie-Kaufhauses. Aber was nun?

von
erstellt am 23.Jun.2016 | 07:32 Uhr

Wieso eigentlich Abriss?, fragt CDU-Fraktionschef Holger Ley und kritisiert den Bürgermeister: „Ich verstehe nicht, warum er jetzt das Hertie-Gebäude abreißen lassen will. Wir jedenfalls wollen das nicht!“ Leys Ärger bezieht sich darauf, dass während eines Rundgangs durch das ehemalige „Hertie“-Kaufhaus mit den SN der Abbruch dieses gesamten Gebäudekomplexes von Seiten der Stadt mitgeteilt worden war. „Wer hat das beschlossen? Es wurde nicht einmal in den Gremien besprochen“, moniert Ley.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende findet die Vorgehensweise von Bürgermeister Arthur Christiansen nicht in Ordnung: „Zuerst sollte die Stadt einen Investor für das Hertie-Haus ausfindig machen, zumal der Bürgermeister selbst sagt, er habe drei bis vier Bewerber an der Hand. Der neue Besitzer sollte dann entscheiden, was er mit der Immobilie anfangen will – ob abreißen oder sanieren.“

Das in den 60er Jahren gebaute Hertie-Haus sei stabil und ausbaufähig, betont Ley und bringt die Wohnungsbaugenossenschaft Gewoba Nord ins Spiel, die sich derzeit um den Erwerb des alten Martin-Luther-Krankenhauses bemüht. Was aktuell das Hertie-Projekt angeht, teilte Gewoba-Vorstand Steffan Liebscher gestern auf SN-Anfrage mit: „Wir wären durchaus interessiert, an der Entwicklung des Gebäudes mitzuwirken – allerdings nicht als Haupt-Investor, sondern für einen kleinen Anteil wohnwirtschaftlicher Bebauung.“ Die Stadt hatte das 3400 Quadratmeter große Hertie-Grundstück im Frühjahr für 1,7 Millionen Euro gekauft. Damit sollte aus dem verwahrlosten Areal eine neue Belebung für Ladenstraße und Innenstadt entstehen.

Der rote „Hertie“-Schriftzug ist schon weg.
Der rote „Hertie“-Schriftzug ist schon weg. Foto: ac
 

Abriss-Gedanken hält Ley jedoch für abwegig, weil „das Ganze wieder viel teurer würde als zuvor gedacht“. So habe schon der Abbruch des Stadttheaters über eine Million Euro gekostet, „und ich möchte nicht mit ansehen, dass bei Hertie mindestens eben so viel Geld draufgeht. Nämlich Fördergeld, das gebraucht wird für die Innenstadt-Sanierung“, sagt er.

Warum die Stadt sich hingegen im Recht sieht bei ihrer Handlungsweise, erläutert Rathaus-Sprecherin Antje Wendt. „Der Rückbau des Hertie-Gebäudes ist in den Maßnahmenkatalog für die Innenstadtsanierung als Projekt aufgenommen. Deshalb kann der vorgesehene Abriss zu zwei Dritteln mit Fördermitteln finanziert werden.“ Das restliche Drittel an Eigenmitteln sei im Haushalt 2016 bereits verankert. Daher sei die Abriss-Maßnahme nicht den Ausschüssen zur Entscheidung vorgelegt worden. Bürgermeister Christiansen führt ins Feld, dass ein Grundstück ohne Bebauung in der Regel deutlich besser zu vermarkten sei. „Und nachdem wir durch den Kauf endlich wieder die Handlungshoheit über die Grundstücke Stadtweg 66-68 erhalten haben, könnte sich ein Verkauf ohne vorherigen Abriss kontraproduktiv auswirken. Wir wollen aber alle eine Aufwertung in diesem Bereich der Ladenstraße erreichen“, meint Christiansen und teilt mit, dass es „derzeit Nachfragen nach dem Grundstück“ gebe. „Diese Interessenten erhalten Auskunft über den Zeit- sowie über den Rahmenplan. Denn der muss übereinstimmen mit der künftigen Nutzung durch den Investor.“ Die SPD pflichtet dem Bürgermeister bei. Fraktionschef Stephan Dose: „Es ist sinnvoll, das Hertie-Haus und die angrenzenden Gebäude Richtung Moltkestraße unter städtischer Regie abzureißen. Das eröffnet der Stadt für die Neugestaltung in dem Ladenstraßen-Bereich größtmöglichen Handlungs- und Gestaltungsspielraum.“ Durch die Fördermittel sei es „eine sehr günstige Möglichkeit, diesen Schandfleck endlich zu beseitigen“. Zudem sei „eine freie Fläche für mögliche Investoren wesentlich interessanter als eine Fläche mit Schrott-Immobilie“, meint Dose.

Jürgen Wenzel, FDP-Einzelkämpfer im Rathaus, stimmt der CDU zu: „Die Stadt sollte das Ziel verfolgen, das Hertie-Grundstück ohne vorherigen Abriss an Investoren zu verkaufen.“ Denn auch beim Kauf der Hertie-Immobilie habe es sich ausgezahlt, dass man mehrmals hart geblieben sei und nicht zu viel Geld in die Hand genommen habe. „Jetzt sollte man auch Beharrlichkeit beweisen. Zeitdruck besteht nach so langem Stillstand nicht mehr“, sagt Wenzel.

Ebenfalls gegen einen Abriss durch die Stadt spricht sich Grünen-Fraktionschef Johannes Thaysen aus. „Ohne Kenntnisse über Investoren und deren Pläne lehnen wir dies ab, weil die Abriss-Kosten ja von der Gesamtsumme der Fördermittel für die Innenstadtsanierung abgehen.“ Aber „zumindest in nicht-öffentlicher Sitzung sind Informationen über Investorenabsichten vom Bürgermeister unerlässlich“.

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