zur Navigation springen
Schleswiger Nachrichten

11. Dezember 2017 | 12:42 Uhr

Schleswig : Stadt will das Luisenbad freikaufen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Streit um Förderrichtlinien könnte bald ein Ende haben. Ein neuer Gastronomie-Betreiber soll die Außenterrasse mitnutzen können.

von
erstellt am 26.Jan.2016 | 07:42 Uhr

Gestern Nachmittag konnte man von der Terrasse des Luisenbades aus die Schlei gerade noch erahnen. Der Nebel war so dicht, dass er selbst die wenigen Meter über den Strand bis zum Ufer in einen grau-weißen Schleier gehüllt hatte. Kaum zu glauben, dass dieser Platz im Sommer einer der beliebtesten in ganz Schleswig ist. Aber genau das ist der Fall. Denn sein einzigartiges Strandbar-Flair macht das Luisenbad zu einem besonderen Ort innerhalb der Stadtgrenzen.

Seit 2010 schlürfen die Besucher hier mit Blick auf die Möweninsel ihren Cappuccino, trinken ein Bier oder schlecken ein Eis. Allerdings wurden dabei schon genauso lange Förderrichtlinien des Landes Schleswig-Holstein verletzt. Damit aber soll nun Schluss sein. Denn parallel zum Wechsel des Betreibers will die Stadt endlich auch für Rechtssicherheit sorgen.

Zum Hintergrund: Das Luisenbad wurde zur Landesgartenschau 2008 aufwändig renoviert und ausgebaut – und zwar mit bis zu 70 Prozent Fördermitteln des Landes. Die dafür festgelegten Richtlinien schließen allerdings eine kommerzielle Nutzung des Außenbereichs für die Dauer von 20 Jahren aus. Damit wiederum ist dort auch das Betreiben einer Gastronomie unzulässig. Dass dies dennoch in den vergangenen Jahren der Fall war, sorgte in der Kommunalpolitik immer wieder für Diskussionen. Denn insbesondere im Kieler Innenministerium war man wenig begeistert davon, dass man besagte Förderrichtlinien in Schleswig offenbar nicht so ernst nahm. Schon 2012 ließ die zuständige Referentin Sabine Kling deshalb verlauten: Entweder Tische, Stühle und Außentresen der Terrasse verschwinden, oder die Stadt zahlt einen Anteil der Fördergelder ans Land zurück.

Genau das könnte nun passieren. Zumindest steht das Thema Luisenbad bei der Sitzung des Kulturausschusses am kommenden Donnerstag wieder auf der Tagesordnung. Die Verwaltung will den Politikern dabei empfehlen, dass die Stadt geschätzte 50  000 Euro nach Kiel zurücküberweist. Und zwar „vor dem Hintergrund, das Luisenbad in seiner Attraktivität zu steigern und den Standort zu beleben“, wie es in der entsprechenden Vorlage heißt. Gleichzeitig solle der künftige Betreiber für das Café samt Terrasse einen „entsprechenden Pachtzins“ zahlen, über den die Ausgaben nach etwa 15 Jahren wieder eingespielt werden sollen.

Bereits 2012 hatte der damalige Bürgermeister Thorsten Dahl diesen Vorschlag gemacht – war allerdings am Widerstand der Ratsfraktionen gescheitert. Man wolle nicht für einen Privatunternehmer Geld ausgeben, hieß es damals. Also verharrte man seitdem in einem „Schwebezustand“, wie Rathaussprecherin Antje Wendt auf SN-Nachfrage erklärt. Denn der Vertrag zwischen Stadt und Gastronom Paul Sindram, der das Luisenbad von 2010 bis Ende vergangenen Jahres betrieb, erlaubte ihm sehr wohl eine Nutzung der Terrasse. „Mein ganzes Konzept war von Anfang an darauf ausgerichtet. Alles andere würde auch gar keinen Sinn machen“, sagt Sindram im Rückblick. Er hatte sogar einen Verkaufstresen direkt an der Terrasse angebaut. Eine laut Förderrichtlinien ebenfalls unzulässige Erweiterung, die zusätzlich für Diskussionen sorgte – und die Sindram kurz vor Ende seiner Vertragslaufzeit wieder entfernte.

Die Zeichen stehen derweil gut, dass ein neuer Betreiber des Strandcafés bereits in den Startlöchern steht. Schon im vergangenen Sommer hatte Paolo Mercurio als Partner von Paul Sindram die Bewirtung des Luisenbades übernommen. Der Italiener war gestern zwar nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Sowohl die Stadt als auch Sindram machten aber deutlich, dass sich Mercurio gut vorstellen könne, den Betrieb dauerhaft zu übernehmen. „Zuerst muss aber die Situation am Luisenbad endgültig geklärt werden. Erst dann kann mit dem neuen Betreiber der Pachtvertrag abgeschlossen werden“, sagt Antje Wendt. Sie hofft, dass man schnell zu einer Lösung kommt. „Bis Saisoneröffnung sollte das in trockenen Tüchern sein.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen