Schleswig : Stadt lässt Hesterberg-Ruine abreißen

Hesterberg-Anwohner um Helge Lehmkuhl (2.v.re.) freuen sich über die gute Botschaft aus dem Rathaus: das Schrott-Haus wird abgerissen.
Hesterberg-Anwohner um Helge Lehmkuhl (2.v.re.) freuen sich über die gute Botschaft aus dem Rathaus: das Schrott-Haus wird abgerissen.

Anwohner zeigen sich erleichtert. Denn seit über 15 Jahren sucht die Verwaltung den Eigentümer der Schrott-Immobilie.

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20. Juli 2015, 13:02 Uhr

Nach langen Jahren der Proteste und Ärgernisse: die Hesterberger können aufatmen. Endlich tut sich was in Sachen Schrott-Immobilie Hesterberg Nr. 6. „Die Stadt strebt an, dieses Gebäude abreißen zu lassen“, sagte Rathaussprecherin Antje Wendt auf SN-Anfrage. Mehr als 15 Jahre lang haben die Anwohner auf diese Nachricht aus dem Rathaus gewartet. Denn Tag für Tag mussten sie den Ausblick auf die gruseligste aller Bauruinen in Schleswig ertragen.

Die Stadt will also handeln. Im nicht-öffentlichen Teil der letzten Bauausschuss-Sitzung war der Abriss und dessen Finanzierung ein Thema. Denn die Wahrscheinlichkeit beträgt 99,9 Prozent, dass der ominöse Eigentümer der Ruine weiterhin unauffindbar ist – und die Stadt auf den Kosten sitzen bleiben wird. Dennoch: eine Behörde arbeitet den Vorgang Punkt für Punkt ab. Bevor der Abrissbagger tatsächlich die große Keule schwingt, sind einige juristische Formalien zu erledigen. So werde der Besitzer zunächst eine schriftliche Ordnungsverfügung erhalten, in der er dazu aufgefordert wird, „das Gebäude aus Sicherheitsgründen abzureißen“, sagte Wendt. Sollte er dem nicht nachkommen, würde die Stadt tätig werden und selbst den Abrissunternehmer rufen. Ob die Sicherheit jedoch tatsächlich gefährdet sei, müsse zuvor durch „eine Beweisaufnahme einer externen Firma geprüft sein“. Der nächste Schritt dann: Weil der Besitzer der Ruine nicht greifbar ist, muss die Zustellung der Ordnungsverfügung öffentlich gemacht werden, und zwar durch eine amtliche Bekanntmachung in der Zeitung.

Die Bauruine Hesterberg Nr. 6 verschwindet demnach bald von der Bildfläche. Was sagen die Anwohner dazu? Helge Lehmkuhl, CDU-Ortsvorsitzender und selbst Hesterberg-Anwohner, hatte sich in den vergangenen Monaten stark gemacht für den Abriss durch die Stadt. Gleichzeitig auch dafür, dass nach einer Lösung für die Beseitigung anderer Schrott-Immobilien in Schleswig gefunden wird, wie etwa im Domziegelhof. „Ich bin natürlich hocherfreut, dass der Schandfleck, der eine Zumutung für den Hesterberg war, endlich verschwindet“, betonte Lehmkuhl gegenüber den SN. Nach dem Abriss könne dort nun etwas Neues entstehen. Er freue sich darüber, dass die Stadt in Vorleistung gehe und dabei das Risiko nicht scheue, auf den Kosten sitzen zu bleiben. Andererseits, meinte Lehmkuhl: „Dies könnte man auch als späte Wiedergutmachung für die Hesterberger ansehen. Denn erst vor einigen Monaten haben wir ja den von der Stadt verschuldeten Fehler entdeckt, durch den die Anlieger hier vor einigen Jahren deutlich zu hohe Ausbaubeiträge für ihre Straße hatten zahlen müssen.“ Es sei jetzt ein „gutes Signal für alle“, dass die Stadt bereit sei zu handeln, wenn durch extreme Nachlässigkeiten von Hauseigentümern eine unzumutbare Belastung für die Umwelt entstehe. Die CDU wolle sich ebenfalls um ähnlich gelagerte Fälle in der Stadt kümmern, sagte Lehmkuhl.

Unter den Anwohnern zeigen sich auch die beiden Ehepaare Sylvie und Dr. Dietrich Buske sowie Birgit und Christian Hoppe erleichert über die Entwicklung in ihrer Straße: „Gut, dass eine Lösung in Sicht ist.“ Der Hesterberger Michael Omilian sieht gar eine „potentielle Gefahr“ für die umliegenden Anwohner durch die Ruine. Sein Nachbar Wilfried Pirschel hat beobachtet: „Immer wieder haben sich dort Gestalten herum getrieben und randaliert. Es wird Zeit, dass sich nach über 15 Jahren endlich was tut.“ Etwas Geduld werden die Hesterberg-Anwohner allerdings noch aufbringen müssen. Bis alle juristischen Dinge geklärt sind, werden einige Monate vergehen. Das Geld für den Abriss aber will die Stadt bereits in den kommenden Haushalt für 2016 einbringen.

Und: In der Welt der Ratten, in der die Ruine Hesterberg Nr. 6 seit Langem als Top-Adresse gehandelt wird, muss man sich wohl bald umorientieren.


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