Schleswig : Stadt kauft die östliche Freiheit

Blick auf den östlichen Teil des ehemaligen Kasernengeländes: Die beiden sogenannten Panzerhallen im Vordergrund, die Mühle und das dahinter angrenzende Grundstück, das der Unternehmerin Susanne Schöning gehört, fallen nicht unter den Verkauf. Vier ehemalige Mannschaftsgebäude im linken Bereich sollen nach Möglichkeit erhalten bleiben. Der dort querstehende Block, in dem sich das FKKZ befand, ist in Teilen bereits abgerissen. Ebenfalls weichen sollen die übrigen Hallen. Nicht auf dem Foto zu sehen ist das „Heimat“-Gebäude.
Blick auf den östlichen Teil des ehemaligen Kasernengeländes: Die beiden sogenannten Panzerhallen im Vordergrund, die Mühle und das dahinter angrenzende Grundstück, das der Unternehmerin Susanne Schöning gehört, fallen nicht unter den Verkauf. Vier ehemalige Mannschaftsgebäude im linken Bereich sollen nach Möglichkeit erhalten bleiben. Der dort querstehende Block, in dem sich das FKKZ befand, ist in Teilen bereits abgerissen. Ebenfalls weichen sollen die übrigen Hallen. Nicht auf dem Foto zu sehen ist das „Heimat“-Gebäude.

Die Stadt zahlt 6,8 Millionen Euro für ein Sahne-Grundstück am Ufer der Schlei. Was aus dem Gelände werden soll, ist noch offen.

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30. März 2017, 07:53 Uhr

Es geht um 12,4 Hektar in zum Teil „exponiertester Lage“, wie Bürgermeister Arthur Christiansen betont. Mit dem Kauf des östlichen Teils der Freiheit hat die Stadt nun die planerische Hoheit über das Areal erlangt. Am Montag wurde der Kaufvertrag unterzeichnet. 6,8 Millionen Euro fließen an die Betriebsgesellschaft Team Vivendi.

„Ich bin glücklich, dass uns das gelungen ist. Mit dem Kulturhaus waren die Karten gelegt worden. Es wäre nicht sinnvoll gewesen, wenn das Areal rundherum Brachfläche geblieben wäre“, sagt Christiansen. Die Stadt hatte Ende 2015 das Gebäude des Varietétheaters „Heimat“ durch die städtischen Kommunalbetriebe für eine Million Euro erworben. Es soll mit einem Anbau für einen Theatersaal zu einem „Kulturhaus“ erweitert werden. Nun kann das gesamte Gelände nördlich und südlich der „Heimat“ bis zur östlichen Grenze der früheren Kaserne überplant werden. Ausgenommen davon bleiben die Mühle „Nicola“ sowie das angrenzende Grundstück, das der Unternehmerin Susanne Schöning gehört und wo sie ursprünglichen Plänen zufolge ein Zen-Kloster errichten will. Auch die beiden sogenannten Panzerhallen in unmittelbarer Nähe der „Heimat“, die sich ebenfalls in Privatbesitz befinden, bleiben von dem Grundstücksgeschäft ausgeklammert.

Abgewickelt hat den Deal die Schleswiger Grundstücksgesellschaft mbH, eine Tochter der Stadtwerke. „Uns bot sich die einmalige Gelegenheit, das Gelände von Team Vivendi zu kaufen“, sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Wolfgang Schoofs. „Wir haben aber nur in der Rolle des Vermittlers gehandelt“, fügt er hinzu. Die Grundstücksgesellschaft soll nun in die direkte Obhut der Stadt überführt werden. Geplant ist, dass mit der Nord-Ostsee-Sparkasse ein finanzkräftiger Partner als weiterer Gesellschafter einsteigt. „Wir prüfen die Sache“, teilte Nospa-Sprecher Burkhard Lauritzen gestern auf SN-Nachfrage mit.

Schoofs weist darauf hin, dass zum Kaufpreis noch Erschließungskosten in Höhe von rund drei Millionen Euro kämen. So müssten einige Gebäude abgerissen, Straßen gebaut sowie Ver- und Entsorgungsleitungen verlegt werden. Ziel sei es, vier frühere Mannschaftsunterkünfte nach Möglichkeit zu erhalten. „Die Blöcke machen einen soliden Eindruck“, ergänzt Bürgermeister Christiansen.

Was auf genau auf den 12,4 Hektar entstehen soll, ist derweil noch unklar. Von Wohnbebauung bis Dienstleistungen sei Vieles möglich, erklärt der Verwaltungschef. Der Fachdienst Stadtentwicklung im Bauamt sei bereits damit beschäftigt, ein Konzept für die zukünftige Nutzung zu erstellen. Dieses werde Mitte April mit dem Referat für Städtebau in Kiel abgesprochen. Überhaupt steht das Grundstücksgeschäft unter dem Vorbehalt, dass die Kommunalaufsicht des Landes innerhalb von fünf Monaten ihre Zustimmung erteilt. Dass es bei der Umsetzung des Konzepts zu Problemen in Bezug auf Lärmschutz kommen könnte, weil sich die „Heimat“ in einem Sondergebiet „Kultur“ befindet, erwartet Christiansen nicht.

Die Politik steht derweil einmütig hinter dem Deal. „Es ist kein Geheimnis, dass wir mit dem derzeitigen Entwicklungsstand auf dem Gelände nicht zufrieden sind. Es ist daher richtig, die Grundstücke wieder in städtische Hand zu bekommen und dabei auch einen starken Partner ins Boot zu holen“, sagt der Bauausschussvorsitzende und SPD-Fraktionschef Stephan Dose. „Wir erwarten nun eine zügige Entwicklung der Flächen im Interesse der Stadt Schleswig.“

Auch der CDU-Fraktionsvorsitzende Holger Ley ist „froh, dass wir die Flächen in städtische Hand bekommen und entwickeln können“. Die Kaufsumme ist aus seiner Sicht „ein realistischer Preis“. Grünen-Amtskollege Johannes Thaysen sieht das ähnlich: „Wir erwarten, dass das für die Stadt wirtschaftlich positiv ausgeht und die investierte Summe innerhalb kürzester Zeit wieder reinkommt.“ Thaysen drängt zugleich aber auf ein „transparentes Planungsverfahren“.

Ob die Ratsversammlung dem Flächenkauf noch zustimmen muss – eventuell in einer Sondersitzung – ist indes noch unklar. Während etwa Ley diese Auffassung vertritt, geht Schoofs davon aus, dass die Zustimmung durch den Aufsichtsrat der Stadtwerke ausreichend sei, zumal das Thema zuvor bereits im Haupt- und im Finanzausschuss der Stadt behandelt worden sei.

Unterdessen hat sich der Stadtwerke-Chef von seinen Plänen verabschiedet, den Schiffskran vom Stadthafen hin zum neu erworbenen Areal auf der Freiheit zu verlegen. In der Nähe zum vorgesehenen Kranplatz befänden sich Sommerfanggründe der Holmer Fischer, die man nicht stören möchte, so Schoofs. Stattdessen würde er den Kran gerne im mittleren Teil des Konversionsgeländes installieren, wo der Uferbereich bereits mit Spundwänden versehen sei. Über den Kauf der notwendigen Fläche stehe man bereits in Verhandlungen mit Team Vivendi.

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