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Schleswiger Ratsversammlung : Stadt kauft das „Heimat“-Konzept

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Varieté-Macher Mario Hoff erhält 150 000 Euro – und wird künstlerischer Leiter des Kulturhauses auf der Freiheit.

von
erstellt am 18.Mai.2016 | 08:01 Uhr

Nach dem Etappenerfolg wich die Anspannung aus dem Gesicht von Mario Hoff. „Es ist uns wirklich eine große Freude, dass wir mit dem Programm der ‚Heimat‘ in Schleswig bleiben können“, sagte der Macher des Varietétheaters auf der Freiheit. Zuvor hatten die Ratsmitglieder gestern am späten Nachmittag in einer Sondersitzung mehrheitlich dafür gestimmt, sein „Heimat“-Konzept für 150  000 Euro zu kaufen. Später votierten die Politiker im nichtöffentlichen Teil erwartungsgemäß auch noch dafür, dass Hoff als künstlerischer Leiter in dem künftigen Kulturhaus am Ufer der Schlei fungieren wird.

Stadtwerke-Geschäftsführer Wolfgang Schoofs hatte zuvor dafür geworben, dass die von ihm geleitete Kommunalbetriebe GmbH nach dem Kauf des ehemaligen Bundeswehr-Mannschaftsheimes, in dem die „Heimat“ ansässig ist, nun auch das dazugehörige Konzept erwirbt. Die „Heimat“ sei wirtschaftlich erfolgreich. „Beim Neuaufbau eines Konzeptes hätten wir mehr Risiken“, sagte Schoofs und wies darauf hin, dass man dann in Konkurrenz zu Hoff treten würde, der mit seinem Netzwerk in eine andere Stadt abwandern würde.

Die Fraktionen folgten Schoofs’ Argumentation grundsätzlich. „Alle anderen denkbaren Lösungen wären teurer“, sagte etwa CDU-Fraktionschef Holger Ley. Sein SPD-Kollege Stephan Dose unterstrich: „Das Konzept der ‚Heimat‘ hat bewiesen, dass es Einnahmen generiert.“

Uneinig zeigten sich die Grünen. Während Steffen Hempel für den Kauf stimmte, war Babette Tewes der Meinung, dass die öffentliche Hand nicht ein kommerzielles Comedy-Programm kaufen sollte. Grünen-Fraktionschef Johannes Thaysen wiederum befand, dass 75  000 Euro als Preis ausreichend wären. SSW-Ratsherr Rainer Wittek bemängelte, dass ein „Heimat“-Konzept in schriftlicher Form gar nicht vorliege.

Das „Heimat“-Gebäude, das die Kommunalbetriebe im Auftrag der Stadt für eine Million Euro von der Entwicklungsgesellschaft Team Vivendi gekauft hatte, soll ab nächstem Jahr zu einem multifunktionalen Kultur- und Veranstaltungshaus umgebaut werden, in dem auch das Landestheater spielen soll. Unklar ist, was in der zweijährigen Bauphase geschieht. Der sogenannte Lenkungskreis Kulturhaus hatte sich eigentlich für ein Theaterzelt als Übergangslösung ausgesprochen. Landestheater-Generalintendant Peter Grisebach hatte jedoch bekundet, nicht im Zelt spielen zu wollen (wir berichteten). Daraufhin hatten sich SPD und SSW in der vergangenen Woche dafür ausgesprochen, dass das Landestheater zwei weitere Jahre im Slesvighus bleibt – für 200  000 Euro pro Spielzeit. Damit wäre die Zeltlösung hinfällig geworden. Als Alternative stünde für Hoffs Varieté-Programm eine Fahrzeughalle auf dem Stadtwerke-Gelände zur Verfügung. Für rund 50  000 Euro könnte diese hergerichtet werden. Allerdings wäre die Halle für einige von Hoffs Veranstaltungen zu klein. Auch fehlen Foyer und Backstage-Bereich. Das Thema Übergangsspielstätte wurde gestern kurzerhand von der Tagesordnung gestrichen. Mit Ausnahme der SPD hatten sich die Fraktionen kurz vor der Ratssitzung entsprechend abgestimmt.

Stadtwerke-Chef Schoofs soll nun in den nächsten drei Wochen die Vor- und Nachteile der jeweiligen Lösungen abwägen. Für den CDU-Fraktionsvorsitzenden Ley gibt es keinen Grund, von der Zeltvariante abzuweichen. „Das Zelt ist die einzige Lösung, mit der wir zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen würden.“

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