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Schleswiger Nachrichten

19. November 2017 | 22:23 Uhr

Schleswig : Stadt annulliert Wehrführer-Wahl

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Ob Sönke Schloßm,acher nach seinem hauchdünnen Sieg noch einmal antritt, ist offen.

shz.de von
erstellt am 04.Apr.2014 | 08:03 Uhr

Die Runde aus Stadtverwaltung und Feuerwehr-Führung tagte gestern Mittag im Rathaus nur eine knappe halbe Stunde, dann stand fest: Die Wahl von Schleswigs Wehrführer Sönke Schloßmacher muss wiederholt werden. Die Verwaltung schloss sich damit der ausdrücklichen Empfehlung des Kreises an, der als oberste Feuerwehr-Aufsichtsbehörde für eine Annullierung der umstrittenen Abstimmung plädiert hatte (wir berichteten).

Ob Schloßmacher erneut antreten wird, ließ er gestern offen. „Ich muss zwei, drei Nächte darüber schlafen und will mich erst mit meinem Vorstand beraten“, sagte er auf SN-Nachfrage. „Die Vorstandsmitglieder sind neben meiner Familie diejenigen, die mir am nächsten stehen.“

Herausforderer Michael Ramm, der bei der Wehrführer-Wahl am 28. Februar dem Amtsinhaber mit 42 zu 43 Stimmen denkbar knapp unterlegen war, wird beim neuen Urnengang auf jeden Fall wieder kandidieren. „Das bin ich all denen schuldig, die mich beim letzten Mal gewählt haben.“ Dass es zu einer Neuwahl kommt, habe er erwartet, sagte Ramm. „Das ist zur Klärung der Situation auch vernünftig.“

Zum Hintergrund: Bei der Jahreshauptversammlung hatten fünf Anwärter nicht mitwählen dürfen. Sie hätten aber möglicherweise mit ihren Stimmen dafür sorgen können, dass statt Schloßmacher sein Gegenkandidat zum neuen Feuerwehr-Chef gekürt worden wäre. Insider rechnen die betreffenden Kameraden eher dem Ramm-Lager zu.

Was folgte, war ein Streit darüber, welche Rechte Anwärter in der Schleswiger Feuerwehr genießen. Der Vorstand berief sich auf die Satzung, wonach er offiziell über die Aufnahme der neuen Kameraden entscheide. Da der Vorstand dies aber noch nicht getan hätte, seien die Anwärter auch nicht wahlberechtigt gewesen. Sie seien vom Status her erst „Aspiranten“. Der Kreis hatte hingegen unmissverständlich erklärt: „Alle Anwärter sind als aktive Mitglieder im Sinne des Brandschutzgesetzes wahlberechtigt.“

Die Stadt stellte gestern klar, dass die Schleswiger Wehrsatzung inhaltlich der Mustersatzung des Landes entspreche. „Letztendlich war es eine Interpretationsfrage“, so Bürgermeister Arthur Christiansen. „Die Stadtverwaltung trägt die Verantwortung. Die Stadt hätte die seit Jahren ausgeübte Praxis in Frage stellen können, dies war uns als Problematik jedoch nicht bewusst.“

Die Feuerwehrkameraden werden nun in Kürze eine Einladung zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung erhalten. „Wir streben als Termin Mitte/Ende Mai an“, sagte Schloßmacher. Neben der Wahl zum Wehrführer müssen dann auch die Abstimmungen über alle anderen Posten wiederholt werden.

Die Stimmung in der Schleswiger Feuerwehr ist derweil alles andere als gut. „Schloßmacher lässt sich nie im Altstadtzug sehen“, beklagt ein Mitglied, das dem seit sechs Jahren amtierenden Wehrführer einen „autoritären bis diktatorischen Führungsstil“ vorwirft. Schloßmacher ist nicht nur Wehrführer, sondern steht zugleich an der Spitze des Friedrichsberger Löschzuges. „Jede Diskussion soll im Keim erstickt werden“, sagt ein anderer Kamerad, der moniert, dass eine von Feuerwehrleuten privat eingerichtete Facebook-Gruppe vom Vorstand verboten worden sei. Um wiedergewählt zu werden, habe Schloßmacher zudem alle Register gezogen. Ein Feuerwehrmann habe mitwählen dürfen, obwohl er seinen ersten Wohnsitz gar nicht mehr in Schleswig habe. Auch habe Schloßmacher dafür gesorgt, dass ein weibliches Mitglied direkt aus dem Krankenhaus zur Jahreshauptversammlung im „Waldschlößchen“ gefahren worden sei – die Frau hatte kurz zuvor ein Kind bekommen.

Der Wehrführer nimmt die Vorwürfe nach außen hin mit Gelassenheit. „Es sind einzelne Kritiker. Es ist nicht die Masse“, meinte Schloßmacher. Von fehlender Lust am Job wolle er nichts wissen. Auch empfinde er den gestrigen Neuwahl-Beschluss keineswegs als persönliche Niederlage. Sähe er sich denn in der Lage, künftig für Ruhe in der Wehr sorgen zu können? Schloßmacher: „Mit dem bestehenden Vorstand würden wir das hinkriegen.“

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