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Branchenführer aus Schleswig : Sport-Tiedje weiter auf Wachstumskurs

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Händler von Heimfitnessgeräten kooperiert ab sofort mit Karstadt – und knackt in diesem Jahr erstmals die 100-Millionen-Euro-Marke beim Umsatz.

Was bitteschön ist das denn? Die Mitarbeiter der britischen Filialen von Sport-Tiedje sollen nicht schlecht gestaunt haben, als sie Ende vergangenen Monats Pakete vom Stammsitz in Deutschland zugeschickt bekommen haben. Der Inhalt: Adventskalender. „Das kennen sie da drüben offenbar nicht, deshalb mussten wir erst einmal Aufklärungsarbeit leisten, wie dieser Brauch funktioniert“, erzählt Inhaber und Geschäftsführer Christian Grau. Aber was alle anderen Mitarbeitern regelmäßig in der Adventszeit bekommen, das stehe natürlich auch den Angestellten der neun Filialen in Großbritannien zu, die das Schleswiger Unternehmen gut ein Jahr zuvor übernommen hat. Das Gleiche gelte für die monatlichen Obst- und Müslitage oder all die anderen Aktionen und Extras, die es für die Sport-Tiedje-Mitarbeiter immer mal wieder gibt. „Das macht einfach Spaß – und es schweißt zusammen. Wir sind im Bereich Sport unterwegs, da wird Teamgeist groß geschrieben“, sagt Grau. Und vielleicht ist all das zusammen auch eines von vielen Details, die dazu führen, dass Europas größter Fach- und Onlinehändler für Heimfitnessgeräte nach Jahren des stetigen Wachstums weiterhin auf der Überholspur unterwegs ist.

Der neuste Coup, den die Schleswiger jetzt gelandet haben, ist eine Kooperation mit Karstadt. Denn ab sofort hat Sport-Tiedje in 21 Filialen der Kaufhauskette den Verkauf von Fitness-Großgeräten übernommen und auch mit eigenem Fachpersonal ausgestattet. Dazu zählen unter anderem die Häuser in Kiel und Lübeck, in der Hamburger Mönckebergstraße, am Berliner Kanzler-Eck, in Dresden, Düsseldorf und München. Damit hat sich das Filialnetz von Sport-Tiedje, das sich inzwischen über halb Europa erstreckt, nun auf 66 erhöht. „Und wir planen, weitere Standorte zu erschließen“, sagt Grau. So befinde man sich zurzeit in neun weiteren Städten in Verhandlungen. Neben London, Manchester, Salzburg und Antwerpen steht dabei auch Warschau auf der Liste, um von dort aus den polnischen Markt zu erobern.

Ob ihm bei dieser rasanten Entwicklung nicht auch mal schwindelig wird? „Nein, überhaupt nicht“, sagt Christian Grau voller Überzeugung. Als er 1999 die Homepage des Unternehmens, bei dem er drei Jahre zuvor angefangen hatte, entwickelte und daraufhin vier Wochen später die erste Bestellung aus China ins Haus flatterte, „das hat mich damals schon überrascht“. Seitdem aber sei das Unternehmen Schritt für Schritt und „immer mit Weitsicht“ gewachsen. In diesem Jahr wird Sport-Tiedje erstmals beim Umsatz die 100-Millionen-Euro-Marke knacken. Dafür sorgen rund 550 Mitarbeiter. Etwa 120 davon sind am Schleswiger Hauptsitz an der Flensburger Straße beschäftigt, 35 weitere sitzen in Büdelsdorf. Dort befindet sich auch das firmeneigene, rund 18  000 Quadratmeter große Hochlager, von dem aus täglich bis zu 14 Lkw die Waren zu den Kunden bringen. Hinzu kommen 75 Techniker, die über ganz Europa verteilt sind und – sollte es Probleme geben – die Geräte vor Ort aufbauen und reparieren. „Wir haben sogar schon Leute ins Flugzeug gesetzt, die dann auf einer Yacht eines russischen Milliardärs, die in Brasilien lag, im Einsatz waren“, erzählt Grau, der noch eine ganze Reihe mehr Anekdoten auf Lager hat. Etwa die vom Dalai Lama, der in Hamburg zu Gast war und für den Sport-Tiedje ein Laufband in seinem Hotelzimmer aufbauen ließ. Oder von George W. Bush, der für seinen Aufenthalt beim G8-Gipfel 2008 in Heiligendamm eigene Geräte orderte. „Wir haben inzwischen rund 180 Botschaften in vielen Ländern der Erde mit unseren Produkten ausgestattet. Das spricht sich immer weiter herum. So kommt man dann an diese Aufträge“, erklärt Grau und kann gleich noch mit Tom Cruise, Hugh Jackman und Michelle Pfeiffer als weitere Kunden aufwarten.

Aber egal ob Promi oder Otto Normalverbraucher: Die Nachfrage nach Fitnessgeräten ist allgemein ungebrochen groß. „Die Menschen werden immer älter und haben gleichzeitig eine immer größere Eigenverantwortung. Man möchte etwas für sich und seinen Körper tun“, sagt Grau. Sport-Tiedje liefere dafür die passenden Geräte, egal ob Eigenprodukte oder fremde Marken. „Das ist in meinen Augen etwas sehr Positives. Viel besser, als wenn man Zigaretten verkauft.“ Dabei setze das Unternehmen auf eine hohe Kundenzufriedenheit und entsprechenden Service. „Wir machen zwar auch viel Werbung, aber ein zufriedener Käufer ist das Beste, was uns passieren kann. Wenn dieser als Multiplikator auftritt und uns weiterempfiehlt, dann haben wir unser Ziel erreicht.“

Deshalb sind in erster Linie die Mitarbeiter gefragt. Denn sie sorgen dafür, dass das Unternehmen wächst und dabei mit der Zeit geht. „Man muss immer offen für Neues sein. Für Innovationsallergiker ist das hier nichts“, sagt Christian Grau. Kern ist und bleibt dabei das Haupthaus in Schleswig. „Hier sind unsere Wurzeln und unser Stamm. Das wird auch künftig so bleiben“, betont der 40-jährige Familienvater, der in Schleswig geboren und aufgewachsen ist. Dass viele Bewohner seiner Heimatstadt noch immer nicht mitbekommen hätten, welch rasante Entwicklung das 1984 von Ulrich Tiedje (im November 2015 verstorben) gegründete Unternehmen in den vergangenen Jahren genommen hat, ändert auch nichts daran, dass Grau ausgesprochener Lokal-Patriot ist. Er wisse viele Dinge an Schleswig, wie etwa die kurzen Wege und die gute Infrastruktur, sehr zu schätzen. Und das gehe auch vielen Mitarbeitern so, die teilweise aus großen Metropolen an die Schlei gekommen sind, um bei Sport-Tiedje Karriere zu machen.

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erstellt am 06.Dez.2016 | 06:45 Uhr

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