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Blind auf der Bühne : Spielerisch Grenzen überwinden

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Blinde und sehbehinderte Schüler zeigten gestern in zwei Aufführungen das Stück „Das Leben ist nichts für Feiglinge“.

von
erstellt am 12.Feb.2014 | 11:35 Uhr

Es dauert keine zwei Minuten, da hat man es schon vergessen. Man sitzt im Publikum und sieht sich ein Theaterstück an – erstklassig in Szene gesetzt von insgesamt 21 jungen Menschen. Alles ganz normal, oder? Ja. Dass diese Jugendlichen allesamt sehbehindert oder gar blind sind, spielt – wenn überhaupt – nur am Rande eine Rolle.

„Das Leben ist nichts für Feiglinge“, heißt das Stück, das die Gruppe gestern in der Aula des „Landes-Förderzentrums Sehen“ in zwei Vorführungen präsentierte. Eine Woche lang – täglich von morgens bis abends – hatten die Jugendlichen, die zwischen 13 und 23 Jahren alt sind, dort fleißig geübt. Um an dem Theaterprojekt teilzunehmen, waren sie aus dem ganzen Land nach Schleswig gekommen. „Schön ist, dass wir hier einen richtigen Mix zusammen bekommen haben. Jüngere und Ältere, Studenten und geistig Behinderte“, erklärte Kursleiter Karl Elbl. Sie alle hätten sehr konstruktiv und harmonisch miteinander gearbeitet. „Dieses soziale Lernen steht bei so einem Theaterprojekt natürlich im Vordergrund. Und es geht auch darum, Grenzen zu überschreiten und sich zu trauen, vor Menschen aufzutreten“, fügte Elbl an.

Das wiederum gelang den 21 Nachwuchs-Schauspielern hervorragend. Sie alle waren fest eingebunden in das Theaterstück, das sie selbst nach einem Roman von Gernot Gricksch erarbeitet hatten. Im Mittelpunkt steht dabei die 15-jährige Kim. Sie, selbst eine Außenseiterin, muss den Tod ihrer Mutter verkraften, verliebt sich parallel dazu aber in den Draufgänger Alex. Kims Vater hingegen steckt selbst fest in der Trauer um seine Frau. Eine schlechte Kombination, wie sich herausstellt. Denn Kim und Alex brennen schließlich durch. „In den Vorjahren haben wir immer Stücke gezeigt, in denen das Blindsein thematisiert wurde. Diese Geschichte zeigt, dass man auch aus anderen Gründen ausgegrenzt werden und ins Strudeln geraten kann“, sagte Elbl.

Tatsächlich bekamen die Zuschauer einen ganzen Mix an Emotionen geboten. Liebe, Trauer, Selbstzweifel, Wut: Alles war dabei. Und die Jugendlichen zeigten nicht nur ihr Talent in der Schauspielerei, sondern sie sangen auch und spielten dazu Instrumente. „Das war eine rührende, spannende, aber auch witzige Aufführung. Wir gehen hier bereichert raus“, lobte am Ende Lehrerin Silvia Doerwald, die mit einer Klasse von angehenden Erziehern vom Berufsbildungszentrum (BBZ) selbst an einem Theaterprojekt arbeitet und mit ihren Schülern gestern die Morgenvorstellung besuchte.

Als Bereicherung empfanden auch alle Schauspieler die Teilnahme an dem Theaterprojekt. „Auch wenn kleine Krisen dazu gehören. Es macht einfach Spaß. Wichtig ist, dass man sich immer gegenseitig auffängt und miteinander spricht. Das hat sehr gut geklappt“, sagte Eva Maria Dubil. Den Spaß und die Gemeinschaft betonte auch ihre Mitstreiterin Katharina Tiepelmann, die noch einen Tipp für die BBZ-Schüler parat hatte: „Egal ob auf der Bühne oder im Beruf als Erzieher: Euch sollte nichts peinlich sein.“ Es gehe immer darum, Grenzen zu überwinden.

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