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Improvisations-Theater : Spielen, was einem in den Sinn kommt

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Improvisations-Künstler der Gruppe „Szenenexpress“ begeistern ihr Publikum im Freien Kulturzentrum auf der Freiheit.

Kein Vorhang, keine Texte, keine Kostüme, keine Requisiten. Die fünf Schauspieler der Gruppe „Szenenexpress“ aus Kiel mussten sich am Donnerstagabend auf der Bühne des Freien Kultur- und Kommunikationszentrums ganz auf sich selbst verlassen – und auf die Kreativität und Spontaneität ihres Publikums. Denn davon lebt das Improvisationstheater, dem sich die Fünf verschrieben haben.

„Alles, was wir heute auf der Bühne zeigen werden, wird es nur ein einziges Mal geben, danach nie wieder“, rief Moderator Claus Bill zu Beginn des interaktiven Bühnenspektakels in den mit rund 25 Gästen voll besetzen Raum. Vor jeder Szene ließ Bill das Publikum die Eckpfeiler der nächsten Situation setzen: einen Ort, Namen, Konsonanten, Gegenstand. Aus diesen, häufig abstrusen Vorgaben ließen seine Kollegen dann innerhalb weniger Sekunden und ohne vorherige Absprache Geschichten entstehen. Sie erdachten Charaktere und Zusammenhänge, reagierten auf das Spiel des Gegenübers und wussten nie, was als nächstes passiert.

So bekam Gwendolyne Groth vom Moderator die Aufgabe, ein Produkt im Laden umzutauschen, von dem sie nicht wusste, was es ist. Zuvor hatte sich das Publikum in ihrer Abwesenheit darauf geeinigt, dass sie einen positiven Schwangerschaftstest reklamieren sollte. Groth spielte munter drauf los. Ihr Kollege Thies Wels mimte den Verkäufer, durfte aber nur in Gesten antworten, so dass Groth einzig aus seinen wortlosen Reaktionen und denen des Publikums erahnen konnte, in welche Richtung sie weiterspielen musste, bis sie schließlich erriet, um welchen imaginären Gegenstand es ging.

Für andere Szenen mussten die Akteure Gedichte reimen, die Handlung von Comics einflechten oder frei erfundene Lieder intonieren. Letzteres wurde durch die ebenso spontan gespielten Melodien des Gitarristen Gordeon Wittembecher zum Highlight – besonders, weil das Publikum nach Belieben zu jeder Zeit ein Ständchen einfordern konnte. Mit dem lauten Zwischenruf „Das klingt nach einem Lied“ wurde von der einen auf die andere Sekunde aus dem Improtheater ein Impromusical. Besungen wurde, was gerade Thema war: Der Onkel mit Nazi-Vergangenheit, der Ausflug in Rio de Janeiro oder die romantische Liebesszene zwischen Cousine und Cousin.

Im Laufe des Abends ergab es sich, dass die einzige Schleswigerin im Impro-Team, Lena Kirchschläger, zusammen mit Thies Wels den ersten Kuss ihrer Arbeitskollegin Sigrid Endler nachspielen sollte, die im Publikum saß. Mehr als die Namen der Beteiligten wussten Kirchschläger und Wels natürlich nicht, bevor sie sich in die Szene stürzten. Sie spielten, was ihnen in den Sinn kam, Sigrid Endler signalisierte dann mit einem Glöckchen, wenn die beiden auf der richtigen Spur waren, wenn sie in eine falsche Richtung schauspielerten, ließ sie eine Klapper hören. Nicht nur das Publikum war zufrieden, auch die Künstler: „Die Show steht und fällt mit den Zuschauern. Das hier war ein tolles Publikum“, lobte Kirchschläger.

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erstellt am 09.Feb.2014 | 16:56 Uhr

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