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Rettungshundestaffel der Johanniter : Spezialisten mit Spürnase

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Wenn Menschen vermisst werden und in Gefahr sind, kommt die Rettungshundestaffel der Johanniter im Kreis Schleswig-Flensburg zum Einsatz.

Schleswig | Sie kommen zum Einsatz, wenn Personen vermisst werden, Kinder sich verlaufen haben, Sportler im Gelände verunglückt sind, Unfallopfer im Schockzustand davonlaufen oder suizidgefährdete Personen gefunden werden müssen – die Rettungshunde der Johanniter im Kreis Schleswig-Flensburg. Die aus ehrenamtlichen Mitgliedern bestehende Gruppe verfügt derzeit über 19 Hunde, von denen sieben bereits geprüfte Flächensuchhunde sind. Neun befinden sich noch in der Ausbildung und drei werden zu so genannten Mantrailern ausgebildet.

Der Mantrailer sucht gezielt nach einer ganz bestimmten Person. Er bekommt eine Geruchsprobe und folgt der Spur. Flächensuchhunde dagegen spüren Personen in weitläufigem Gelände auf. Sie schauen nach einer „unnatürlichen Körperhaltung“ – wer sitzt, liegt, kriecht oder rennt, wird dem Hundeführer gemeldet. „Ein solcher Hund kann etwa 40 bis 50 Helfer ersetzen und in 15 Minuten bis zu 30  000 Quadratmeter absuchen, erklärt Jörg Oestreich, der Leiter der Rettungshundestaffel. Die Flächensuchhunde suchen mit „halbhoher“ Nase nach menschlicher Witterung, Personen im Rollstuhl sind für den Hund ein Muster, welches auf eine Hilfsbedürftigkeit hinweist und auch diese werden dem Hundeführer dann angezeigt.

Bis ein Hundeführer mit seinem Tier in einen echten Einsatz kann, müssen Mensch und Hund zunächst eine langwierige Ausbildung durchlaufen und Prüfungen absolvieren. Vor Beginn der Ausbildung müssen beide einen Eignungstest bestehen. Hier wird geprüft, ob die Hunde Angst vor Menschen oder Gegenständen haben. Die Tiere müssen sich in unterschiedlichen Situationen bewähren, es wird unter anderem geschaut, wie sie mit Feuer, Rauch und Lärm umgehen. „Die anschließende Ausbildung dauert bei uns zwei bis drei Jahre, am Ende findet eine zentrale Prüfung statt, die alle 18 Monate wiederholt werden muss“, erklärt Oestreich. Dadurch soll garantiert werden, dass eine Fläche tatsächlich frei ist, wenn der Hund ohne Ergebnis zurückkehrt. „Darauf müssen wir uns verlassen können“, sagt Oestreich.

Um den so wichtigen Nachwuchs für die ehrenamtliche Aufgabe zu generieren, entschied sich die Rettungshundestaffel der Johanniter 2012, eine Art Casting zu veranstalten. Franz-Xaver Bründl und seine Labrador-Hündin „Amy“ waren damals eines von 28 Teams, die Interesse bekundeten. Nach der ersten Sichtung blieben 13 Teams übrig, heute sind nur noch Bründl und seine „Amy“ dabei – die anderen schieden nach und nach aus Zeitgründen aus. In der Ausbildung sind nicht nur die Hunde gefordert – die Herrchen müssen sich mit Karten-­ und Kompasskunde, Kynologie (die Lehre von Rassen, Zucht, Pflege, Verhalten, Erziehung und Krankheiten der Haushunde), Erster Hilfe am Hund, Sprechfunkverkehr, Einsatztaktik und Unfallverhütung beschäftigen. Hinzu kommt eine Sanitätshelferausbildung.

Zu etwa 50 Einsätzen wird die Rettungshundestaffel der Johanniter im Jahr alarmiert. „Der Ablauf ist in der Regel immer der gleiche“, erläutert
Oestreich, „am Einsatzort sammeln wir zunächst so viele Informationen wie möglich über die vermisste Person: Ist der Gesuchte dement, suizidgefährdet, welche Kleidung trägt er, werden Medikamente benötigt, gibt es Fotos? Je mehr wir wissen, desto genauer können wir die Suche ausarbeiten.“

Bevor die Hunde losgelassen werden, wird mit Hilfe von Karten ein Einsatzgebiet abgesteckt „Möglich wäre dann, dass der Einsatzleiter zunächst einen Mantrailer einsetzt, um zu schauen, ob die Fährte aufgenommen werden kann. Es ist auch möglich, mehrere Hunde bei der Suche gleichzeitig einzusetzen und zu kombinieren“, so Oestreich.

Die derzeit 14 Mitglieder der Hundestaffel arbeiten ehrenamtlich, meist zusätzlich zu ihrem Berufsalltag. Auch die Kosten für die Ausbildung und die vielen Übungsstunden im Laufe der Jahre zahlen sie aus eigener Tasche. Alle Mitglieder verbindet der Wunsch, sich zu engagieren und die Liebe zum Hund. „So wie das Spielzeug oder die Leckerlis unsere Hunde motivieren, so motiviert uns der Gedanke. Menschenleben zu retten“, sagt Jörg Oestreich.

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erstellt am 23.Mär.2015 | 07:17 Uhr

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