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Kriegsgräberfürsorge : Spenden für Frieden und Verständigung

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge beginnt seine Haus- und Straßensammlung.

shz.de von
erstellt am 18.Okt.2017 | 13:33 Uhr

In den nächsten Wochen beginnt wieder die Saison der Haus- und Straßensammlungen des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Zahlreiche freiwillige Helfer, darunter engagierte Bürger, Soldaten, Reservisten, Schüler, Vereine und Verbände gehen bis Anfang Dezember auf die Straße und klingeln an den Türen, um Geld zu sammeln. Verwendet werden die Mittel für die Pflege von Gräbern im In- und Ausland.

Diese Arbeit sei wichtig, sagt Konstantin Henkel, der Geschäftsführer des Vereins im Kreis Schleswig-Flensburg. Noch wichtiger aber sei der Sinn, der dahinter steht: Es geht um ein würdiges Gedenken, aber auch um Friedensarbeit. Konstantin Henkel beschreibt seine Motivation mit eigenen Worten: „Wenn junge Menschen zusammen Gräber von Kriegstoten pflegen, kommen sie sich näher. Und da kommt auch der Gedanke auf, dass sich so etwas nie wiederholen darf“, sagt der ehemalige Marineflieger.

Der Volksbund wurde 1954 per Gesetz mit der Aufgabe betraut, die Gräber von deutschen Kriegstoten zu erhalten und zu pflegen. Dafür gibt es Geld vom Staat. Inzwischen hat der Verein sein Aufgabenspektrum jedoch erheblich erweitert. Und diese zusätzlichen Tätigkeiten werden aus Spenden finanziert. Die Suche nach Gräbern und die Umbettung der Toten in würdevolle Sammelgräber gehört ebenso dazu wie die internationale Jugend- und Friedensarbeit, die Identifizierung von Toten und die Betreuung von Angehörigen.

Zur Einstimmung auf die Sammlung und zum Erfahrungsaustausch waren nun zahlreiche Helfer zusammengekommen. „Für die Arbeit des Volksbundes zu sammeln, das ist uns ein Bedürfnis. Wenn wir noch ein paar mehr Menschen finden, wäre das eine tolle Sache“, sagt Friedrich Martens aus Sörup.

Dankbar zeigt sich Henkel über das Engagement, das die freiwilligen Helfer in ihrer ehrenamtlichen Arbeit seit vielen Jahren entgegenbringen, denn ohne sie geht es schließlich nicht. Eine Summe von 29  000 Euro kam im Kreis Schleswig-Flensburg im vergangenen Jahr zusammen. Mit 13  000 Euro stellten die Soldaten des Taktischen Luftwaffengeschwaders 51 „Immelmann“ wieder einen neuen Rekord auf. Ein Jahr zuvor waren mithilfe der Soldaten 9700 Euro zusammengekommen.

„Ein mächtiger Anstieg. Dass so viel Motivation dahinter steckt, finde ich richtig toll. Der Ehrgeiz bei den Soldaten ist groß“, sagt Henkel. Auch in diesem Jahr haben sich die „Immelmänner“ wieder mit 20 Soldaten freiwillig zum Sammeln angemeldet, berichtet Stabsfeldwebel Martin Schroer. 88 Arbeitseinsätze in der Kriegsgräberpflege im Ausland wurden im vergangenen Jahr von Soldaten und freiwilligen Helfern geleistet, darunter beteiligte sich wieder eine Abordnung von 13 Soldaten des Taktischen Luftwaffengeschwaders aus Kropp und Jagel an der Instandsetzung eines Friedhofes in Frankreich.

„Abgesehen von den aktiven Soldaten sind es vornehmlich ältere Menschen, die sammeln gehen“, sagt der Kreisgeschäftsführer. Zwar finden sich immer wieder einmal Schüler, die mit den Dosen des Vereins losziehen, aber das ist längst keine Selbstverständlichkeit mehr.

Henkel ist inzwischen 70 und arbeitet seit 14 Jahren ehrenamtlich für den Verein. Und er wird es auch weiter tun. „Ich fühle mich fit und habe hier eine sinnvolle Aufgabe gefunden.“ Außerdem ist es nicht so leicht, einen Nachfolger zu finden.

Die Haus- und Straßensammlung des Volksbundes beschränkt sich auf jeweils zwei Wochen vor und nach dem Volkstrauertag. Der Bund kümmert sich weltweit um etwa 2,6 Millionen Gräber deutscher Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft. 827 Kriegsgräberstätten in der ganzen Welt werden erhalten und gepflegt. Vor allem in Osteuropa werden immer noch Kriegstote gesucht, geborgen und identifiziert. Im vergangen Jahr wurden 26  000 Exhumierungen von Kriegstoten vorgenommen. Identifiziert und namentlich erfasst, wurden die sterblichen Überreste auf zentrale Sammelfriedhöfe umgebettet. Die größte Kriegsgräberstätte im Kreis befindet sich auf dem Karberg am Haddebyer Noor. Dort haben 1124 Opfer des Nationalsozialismus ihre letzte Ruhestätte gefunden.

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