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Kropp - Schleswig - Ellund : Spektakuläre Funde an der Gas-Trasse

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Bei den Arbeiten für die Pipeline zwischen Ellund und Fockbek entdeckten Archäologen an unerwarteten Orten Zeugnisse früherer Siedlungen. In Unaften fanden sie Reste von Grubenhäusern aus der Wikingerzeit.

shz.de von
erstellt am 23.Apr.2014 | 07:45 Uhr

Die Geest war in grauer Vorzeit nahezu unbesiedelt. Das galt unter Experten lange Zeit als gesetzt. Doch jetzt wissen es die Archäologen definitiv besser. In der Eisenzeit gab es auch dort viele Siedlungen, und vor allem die Eisenverhüttung scheint eine wahre Blüte erlebt zu haben. Insgesamt haben Mitarbeiter des Archäologischen Landesamtes in den vergangenen Wochen rund 100 Fundstellen ausgemacht – bei Bodenuntersuchung im Akkord.

Die waren möglich, weil noch in diesem Jahr zwischen Fockbek im Kreis Rendsburg-Eckernförde und Ellund an der dänischen Grenze eine neue Gaspipeline in den Boden gelegt werden soll. Dafür wird der Boden auf einer Länge von 64 Kilometern aufgebrochen, an zahlreichen Stellen gleichzeitig und in für Archäologen bahnbrechendem Tempo. Die waren unter Leitung der Archäologin Cornelia Lübke mit zahlreichen Teams im Dauereinsatz – gewissermaßen im Schlepptau der Bautrupps der ARGE Fockbek-Ellund, die die Arbeiten für den Gasnetz-Betreiber Gasunie erledigt. Kaum hatten die 20 Bagger auf der Trasse den Mutterboden abgetragen, begannen die Archäologen mit ihren Untersuchungen. Dabei landeten sie ausgerechnet dort, wo sie es niemals erwartet hätten, einen Volltreffer. Bei Unaften an der B 199 stießen sie auf die Reste wikingerzeitlicher Grubenhäuser und eines Langhauses. „Mitten im Nirgendwo – das ist für uns Archäologen ein spektakulärer Fund“, freut sich Martin Segschneider, zuständiger Dezernatsleiter im Archäologischen Landesamt in Schleswig.

Hinzu kamen viele weitere Fundstellen – vor allem bei Owschlag, aber auch kleinere bei Eggebek, Jerrishoe, Schuby und Kropp. Zurzeit wird eine weitere bedeutendere Strecke bei Langstedt untersucht. Dort haben Lübke und ihre Kollegen die Holzfundamente eines Hauses entdeckt, rund herum Schlackegruben, die auf die Verhüttung von Eisenerz hinweisen.

Eine Tätigkeit, die in grauer Vorzeit nur von Experten beherrscht wurde. Und davon gab es auf der Geest offenbar einige. Wie ein Flickenteppich erscheint der Unterboden auf dem Grabungsabschnitt, wenn die Baggerschaufel die Deckschicht vorsichtig entfernt hat. Eine runde Verdunkelung reiht sich an die nächste – Hinweise auf die Gruben, in denen sich bei der Verhüttung des Erzes die Schlacke sammelte und noch heute im Boden liegt.

Ist der Grabungsabschnitt bei Langstedt untersucht, geht es zum nächsten, unter anderem ans Danewerk, wo eine Strecke von 600 Metern auf die Experten wartet. Lediglich zwei von 64 Kilometern der Gastrasse sind noch nicht von Mutterboden befreit. Die Akkordarbeit der Archäologen neigt sich dem Ende, das Fazit steht bereits heute fest. „Man merkt, das man sehr wenig weiß“, sagt Martin Segschneider angesichts der Vielzahl an unerwarteten Funden. „Wir kommen für die ganze Region zu neuen Erkenntnissen.“ Und das alles dank der größten Flächenbaustelle Schleswig-Holsteins. Segschneider: „Das war für uns eine einmalige Chance. Ein 64 Kilometer langer Suchgraben – für die Wissenschaft wäre so etwas unbezahlbar.“

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