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Schülerschwund : SPD will größere Grundschulen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Rückgang der Schülerzahlen im Kreisgebiet ist deutlich rasanter als prognostiziert. Ein Arbeitskreis der Sozialdemokraten regt jetzt als Lösungsansatz eine stärkere Zentralisierung an.

Vielen Grundschulen im Kreisgebiet gehen die Schüler aus. Das war zwar schon vor Jahren erwartet worden, die Wucht, mit der der demografische Wandel zuschlägt, überrascht die Bildungspolitiker aber doch. Zwar reagieren viele Schulträger, indem sie kleine Schulen zu Außenstellen machen, um sie in die Zukunft zu retten. Doch auch diese Lösung wird möglicherweise nicht ausreichen. Bildungspolitiker der SPD in der Kreisarbeitsgemeinschaft für Bildung (AfB) jedenfalls gehen in der Diskussion jetzt einen Schritt weiter: Mehrzügige Grundschulen auf Amtsebene, zentral im Verbund mit Kitas und weiterführenden Schulen, sollen langfristig den Flickenteppich kleiner und kleinster Einheiten ersetzen.

AfB-Vorsitzender Hans-Werner Johannsen, ehemals Schulleiter, Kreisschulausschuss-Vorsitzender und aktuell Vorsteher des Schulverbands Tarp-Jerrishoe, weiß, dass er mit seinen Mitstreitern politischen Sprengstoff anmischt. Selbst die Träger kleinster Schulen würden wohl auf deren Existenz beharren, doch für derartiges „Kirchturmdenken“ werde die Zeit bald ablaufen, sagt er.

Schleswig-Flensburg zeichne sich als zweitgrößter Flächenkreis im Land durch eine sehr kleinteilige Grundschulstruktur aus, erläutert Johannsen. An 56 Standorten gibt es Grundschulen, davon sind noch 42 eigenständig, 14 sind bereits in den vergangenen Jahren aufgrund des Schülerschwunds zu Außenstellen geworden.

Dieser Schwund in Zahlen: Von 2004 bis 2011 ist die Schülerzahl an den Grundschulen von 8906 auf 6973 gesunken (minus 21,7 Prozent). Bis 2025 wird ein weiterer Rückgang um 19 Prozent auf dann nur noch rund 5300 Schüler prognostiziert.

Die Schulträger im Kreis – sechs Ämter, neun Schulverbände, sechs Gemeinden und zwei Städte – hätten mit der Einrichtung von Außenstellen bisher sehr verantwortungsbewusst auf die demographische Entwicklung reagiert. Allerdings sei zu befürchten, dass in den kommenden Jahren vermutlich zehn der noch eigenständigen Grundschulen in den Gefährdungsbereich von nur noch 80 Kindern (siehe Infokasten) geraten, und zwar inklusive Außenstellen. „Dieser Aspekt wird bislang in der Diskussion noch gar nicht berücksichtigt“, betont Johannsen.

Zwar werde im Zuge der Schulgesetz-Novellierung auch über die Flexibilisierung der starren 80er-Regelung nachgedacht, so dass auch kleinere Grundschulen mit kreativen Konzepten eine Bestandsgarantie erhalten könnten, um beispielsweise neue pädagogische Konzepte wie der jahrgangsübergreifende Unterricht über vier Jahrgangsstufen oder den Einsatz neuer Medien zu erproben. Positive Beispiele sieht Johannsen beispielsweise in Langballig oder Sieverstedt.

Generell überwiegen nach Ansicht des Arbeitskreises aber die Nachteile kleiner Schulen. Bei Erkrankung einer Lehrkraft sei es schwer, eine Vertretung zu organisieren und die Verlässlichkeit sicherzustellen. Aufgrund der wenigen Lehrkräfte müsse der Unterricht auch in Hauptfächern häufig fachfremd unterrichtet werden. Schließlich könne die Versorgung mit sonderpädagogischen Angeboten im Zuge der Inklusion aufgrund der geringen Schülerzahl nur stundenweise erfolgen.

Dass andererseits der mögliche Verlust des oft einzig noch verbliebenen kulturellen Mittelpunktes in den Dörfern befürchtet wird und für Kinder ein längerer Schulweg entstehe, seien berechtigte Kritikpunkte. „Ich kann die Gemeinden verstehen, die sich bei diesem Abwägungsprozess schwer tun und möglichst lange an ihrer kleinen Grundschule festhalten“, unterstreicht der SPD-Kreisvorsitzende Ralf Wrobel. Dennoch müsse bereits jetzt über Alternativen gesprochen werden.

„Deshalb muss auch über eine Schaffung größerer Einheiten nachgedacht werden“, sagt Karsten Stühmer, seit Sommer Vorsitzender des Kreis-Kulturausschusses, „von Denkverboten halte ich gar nichts“. Wenn Schulträger, Schulen und Eltern es wollten, könne nach Auffassung der AfB auch in der Errichtung einer größeren Grundschule auf Amtsebene eine tragfähige Lösung liegen. Eine solche mehrzügige Grundschule wäre auf Grund ihrer Schülerzahl zukunftssicher, erweitere die pädagogischen Möglichkeiten und sichere die sonderpädagogische Grundversorgung.

Sollten vorhandene Gebäude für eine derartige Lösung nicht ausreichen, müsse auch über Neubauten nachgedacht werden, so die Position der SPD. Diese sollten nach Möglichkeit in der Nachbarschaft einer Kindertagesstätte oder einer weiterführenden Schule errichtet werden, um Synergien wie einen gemeinsamen Hausmeister oder die vorhandene Sporthalle zu nutzen. Um Schulträgern eine Entscheidung zu erleichtern, sollte die Landesregierung nach Auffassung der Sozialdemokraten ein Programm mit finanziellen Anreizen auflegen. Für Johannsen steht fest: „Eine vernünftige Grundschule müsste 100 bis 200 Schüler haben.“


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erstellt am 09.Jan.2014 | 07:45 Uhr

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