Langballig : SPD-Frau Kerstin Hansen verliest Brief ihres AfD-Mannes – Rüge vom Kreisvorstand

„Die Freiheit der Andersdenkenden“: Kerstin und Frank Hansen sind trotz ihrer unterschiedlichen politischen Ausrichtung glücklich verheiratet.
„Die Freiheit der Andersdenkenden“: Kerstin und Frank Hansen sind trotz ihrer unterschiedlichen politischen Ausrichtung glücklich verheiratet.

Langballigs SPD-Ortsvorsitzende Kerstin Hansen nutzt eine Sitzung, um AfD-Positionen ihres Mannes wiederzugeben.

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04. Juli 2018, 17:51 Uhr

Langballig | Es war ein ungewöhnlicher Vorgang, als die Gemeindevertreterin und SPD-Ortsvereinsvorsitzende Kerstin Hansen bei der konstituierenden Sitzung in Langballig plötzlich das Wort ergriff und einen Brief ihres Mannes verlas. Schließlich ist Frank Hansen Kreisvorsitzender der Alternative für Deutschland (AfD). Nicht nur, dass Kerstin Hansens Worte an jenem 13. Juni im lauten Unmut der Zuhörer untergingen – nun ist auch der SPD-Kreisvorstand mit ihrer Genossin hart ins Gericht gegangen und hat einstimmig eine „politische Missbilligung“ ausgesprochen. Weitere Schritte behalte man sich vor, heißt es in einer Pressemitteilung, die der Kreisvorstand am Mittwoch verschickte.

Demnach haben sich die Parteigranden in einer Sitzung am Montag dieser Woche intensiv mit ihrem ehemaligen Vorstandsmitglied befasst. Dass Kerstin Hansen als Genossin mit einem AfD-Mann verheiratet ist, das sei Privatsache, heißt es einleitend. „Wenn dieses Paar sich jedoch in die Öffentlichkeit begibt und wenn die Provokationen des Frank Hansen aktiv durch seine Frau Kerstin verlesen werden, dann verlässt das Paar den privaten Schutzraum und wird auch für die SPD relevant.“

Der ehemalige Gemeindevertreter Frank Hansen war bei der besagten Sitzung nicht anwesend, weil sich zeitgleich der Kreistag in Schleswig konstituierte, in den der AfD-Politiker bei der Kommunalwahl Anfang Mai gewählt worden war. In dem von seiner Frau verlesenen Brief bedankte er sich für die vergangenen fünf Jahre bei seinen Mitstreitern von der Wählergemeinschaft in Langballig. „Allein dieses Vorlesen des Briefes der SPD-Genossin Kerstin Hansen war schon sehr kurios und ist für den SPD-Kreisvorstand Schleswig-Flensburg schwer nachzuvollziehen“, schreibt Pressesprecher Torge Johannsen in der Mitteilung.

AfD-Mann klagt erneut über Ausgrenzung

Besonders anstößig findet der SPD-Kreisvorstand jedoch, dass Frank Hansen in seinem Brief formulierte, dass es in Langballig die höchste Dichte von AfD-Mitgliedern in ganz Schleswig-Holstein gebe, die Mitglieder sich aber aus Furcht vor Stigmatisierung und Ausgrenzung schweigend verhielten. Es gebe in diesem Land keine Meinungsfreiheit, schloss der AfD-Politiker. „All dies verlesen von der Genossin Kerstin Hansen“, wettern die Sozialdemokraten. „Wir lehnen die rechtspopulistischen Parolen der AfD ab und treten denen, die spalten und hetzen, entschieden entgegen.“

Schon seit Längerem sorgt das Ehepaar Hansen für mächtigen Ärger in der SPD. Bereits als Kerstin Hansen vor zwei Jahren als Beisitzerin für Pressearbeit in den Kreisvorstand gewählt wurde, gab es etliche kritische Stimmen, die die besondere familiäre Konstellation als Problem erkannten. Dieses Problem wuchs sich aus, als Frank Hansen als Kandidat im Bundestagswahlkampf 2017 zur Zielscheibe von Farbanschlägen wurde und Unbekannte auch die Scheiben seines Autos zertrümmerten. Seine Frau beklagte nach diesen Vorfällen mangelnden Rückhalt in der eigenen Partei – und trat als SPD-Kreissprecherin zurück.

„Den Brief hätte auch ein Roboter verlesen können“

Längst waren bundesweit Medien auf die politisch brisante Konstellation im Hause Hansen aufmerksam geworden. Im Oktober wurde das Ehepaar in die ARD-Talkshow „Maischberger“ eingeladen – um zum Teil gemeinsame politische Positionen zu vertreten. Für viele in der Kreis-SPD war da schon die Grenze des Erträglichen erreicht. Nun fordert der Kreisvorstand Kerstin Hansen auf, „sich endlich klar zu bekennen und nicht als Steigbügelhalter für die AfD zu agieren“.

Kerstin Hansen zeigte sich am Mittwoch auf Nachfrage der Schlesiwger Nachrichten überrascht von den Vorwürfen. „Bevor sie eine Pressemitteilung rausgeben, sollen sie mir das vorher sagen“, meinte die Tierärztin. Die Aufregung um den von ihr verlesenen Brief könne sie nicht verstehen. „Er war klar gekennzeichnet als Meinung meines Mannes. Den Brief hätte auch ein Roboter verlesen können.“ Wer so etwas nicht trennen könne, sei selber schuld.

Einem möglichen Parteiausschlussverfahren sehe sie gelassen entgegen, sagte Kerstin Hansen, die selbst die Positionen der AfD „nicht per se als schlecht“ einstuft. Man müsse doch innerhalb einer Partei auch unterschiedliche Meinungen aushalten können. „Aus Bayern kenne ich das nicht, dass das Politische immer gleich ins Private geht“, ergänzte die gebürtige Bayerin.

Unterdessen hat Kerstin Hansen Anfang Juni im eigenen SPD-Ortsverein einen Abwahlantrag überstanden. Nur drei Mitglieder seien gegen sie als Vorsitzende gewesen. „Alle anderen haben den Antrag abgelehnt.“

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