Im Fjordarium erwischt : Spanner in der Umkleidekabine

Im Fjordarium in der Friedrich-Ebert-Straße hat der Angeklagte auch ein Kind nackt fotografiert.
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Im Fjordarium in der Friedrich-Ebert-Straße hat der Angeklagte auch ein Kind nackt fotografiert.

Ein 39-Jähriger fotografierte und filmte im Schleswiger Schwimmbad heimlich andere Badegäste.

shz.de von
16. Januar 2018, 12:00 Uhr

„Das ist einfach nur erschreckend“, sagte der Staatsanwalt zum Abschluss der Verhandlung gestern im Amtsgericht zu dem Angeklagten, der ohne Strafverteidiger erschienen war. „Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs“ lautete die Anklage, die der 39-Jährige anstandslos hinnahm.

Im Januar des vergangenen Jahres und im November 2016 hatte er in den Umkleidekabinen des Schleswiger Schwimmbads heimlich Fotoaufnahmen mit seinem Handy gemacht. In einem weiteren Fall hatte er zudem Videoaufnahmen gemacht. Was dabei besonders schwer ins Gewicht fällt: Auf einem der Videos ist auch ein unbekleidetes Kind zu sehen. Nicht, dass es schon schlimm genug sei, dass der Angeklagte Frauen ohne ihres Wissens aufgenommen habe. Aber der Umstand, dass auch ein Kind involviert gewesen sei, sei besonders gravierend, erklärte der Richter.

Zeugen hatten den Beschuldigten angezeigt, woraufhin die beiden Handys, auf denen sich das Bild- und Videomaterial befand, beschlagnahmt wurden. Auf einem der Telefone fanden die Beamten mindestens 24 Bilder, die im Umkleidebereich des Schwimmbades aufgenommen wurden und Frauen mit freiem Oberkörper beziehungsweise völlig unbekleidet zeigten. Auf dem zweiten Handy wurden mehrere Videos gefunden. Die Aufnahmen hatte der Angeklagte zum Teil durch ein Loch in der Kabinenwand gemacht. Zudem hatte er sein Handy in einem Socken versteckt, um heimlich filmen zu können.


Der Angeklagte ist weggezogen

Nachdem die Anklageschrift verlesen wurde, hatte der 39-Jährige die Gelegenheit, sich zu den Vorwürfen zu äußern. Er gebe zu, dass er die Aufnahmen gemacht habe, und ihm sei die Sache äußerst unangenehm, erklärte er. Das sei auch der Grund, warum er aus Schleswig weggezogen sei. Da er sich gleich geständig zeigte, mussten die Zeugen keine Aussagen mehr tätigen. „Seien Sie froh, dass Sie sich und uns das hier ersparen“, mahnte der Staatsanwalt.

Der Angeklagte wurde zu einer Bewährungsstrafe von sechs Monaten verurteilt (die Bewährungszeit wurde auf drei Jahre festgelegt). Zudem muss er eine Strafe von 1500 Euro an den Verein Pro Familia zahlen sowie die Kosten des Gerichtsverfahrens tragen.

Der Verurteilte ist kein unbeschriebenes Blatt: Mit insgesamt 16 Eintragungen hat er schon einiges auf dem Kerbholz, unter anderem Diebstahl und Betrug. Er habe damals einfach sein Leben nicht auf die Reihe bekommen, lautete nun ein Erklärungsversuch. Warum genau er die Aufnahmen machte, blieb sein Geheimnis.

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