FAchkräftemangel : Spanier machen Berufsausbildung in Schleswig

In den nächsten drei Jahren werden 17  junge Spanier zu Bauzeichnern, Augenoptikern oder Rohrleitungsbauern ausgebildet.
In den nächsten drei Jahren werden 17 junge Spanier zu Bauzeichnern, Augenoptikern oder Rohrleitungsbauern ausgebildet.

17 Spanier beginnen im September eine handwerkliche Ausbildung in Schleswig. Viele Bewerber aus Deutschland gab es für die Stellen nicht, weshalb die Betriebe nur allzu froh über die Zugänge von der iberischen Halbinsel sind.

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18. Juni 2014, 12:00 Uhr

Die Handwerksbetriebe im Kreis Schleswig-Flensburg stehen vor einem Problem: Es fällt ihnen immer schwerer, ihre Ausbildungsstellen zu besetzen. „Und es wird von Jahr zu Jahr schwieriger“, sagt Marc Peter Schulte, der beim Schleswiger Heizungs- und Sanitärbetrieb Egon Johannsen die Auszubildenden betreut. Erst vor kurzem sprang ihm ein Azubi im ersten Lehrjahr ab. „Viele kommen einfach nicht mit dem Wechsel von der Schule ins Berufsleben zurecht“, sagt er. Deshalb hat sich sein Unternehmen für die Teilnahme an dem Projekt „Moin Zamora“ entschieden. Dabei sind jetzt, auf Initiative des Berufsbildungszentrums (BBZ) 17 junge Spanier in die Schleistadt gekommen, um in der Region eine klassische Berufsausbildung zu absolvieren.

„Die Idee entstand durch ein Projekt der Bundesagentur für Arbeit“, sagt BBZ-Leiter Hans Hermann Henken. Bei „The Job of My Life“ bekamen EU-Bürger im Alter zwischen 18 und 35 Jahren die Chance, eine Berufsausbildung in einem anderen EU-Staat zu durchlaufen. „Für uns ist das gut, denn das deutsche Ausbildungssystem wird in Europa sehr geschätzt“, sagt Henken. Mehr noch: Für Kreishandwerksmeister Hans-Christian Langner ist es sogar „die beste Ausbildung der Welt“.

Die hiesige Jugend schätze das aber nicht genug, was parallel zur demografischen Entwicklung einer der Hauptgründe für den drohenden Fachkräftemangel im Kreis sei. „Deswegen sind junge Spanier für uns interessant“, erklärt Ausbildungsleiter Marc Peter Schulte, dessen Unternehmen seinem spanischen Auszubildenden nun unter anderem die Reisekosten und eine Wohnung bezahlt. Im Gegensatz zur deutschen Jugend würden die Spanier eine Ausbildung wohl nicht unbedingt nach kurzer Zeit wieder abbrechen, weil es aus ihrer Sicht kaum eine bessere Zukunfts-Perspektive gebe. „Die Zusammenarbeit mit ausländischen Fachkräften ist der Anpfiff zu einer neuen Dimension des Handwerks“, betont Langner, der die Gruppe am Montagabend im BBZ offiziell begrüßt hatte.

Für eine erfolgreiche Bewerbung bedurfte es derweil keine besonderen Qualifikationen. Interessanter waren für die Verantwortlichen bei der Kreishandwerkerschaft eher die bereits gesammelten Berufserfahrungen. „Auch die Sprachkenntnisse waren zum Teil irrelevant“, erklärt Rüdiger Weiß, der für die Bewerber-Auswahl verantwortlich war. Die 17 Gäste besuchten seit März einen Sprachkurs, der nun in Schleswig bis zum Ausbildungbeginn im September fortgesetzt wird. Dabei sollen auch handwerkliche Fachbegriffe erlernt werden.

„Wir wollen eine Willkommenskultur schaffen und die Spanier hier wirklich ankommen lassen“, sagt Weiß. Man wolle nicht den Eindruck erwecken, sie als Gastarbeiter zu holen. Deshalb bekommen sie 818 Euro Gehalt pro Monat. Die Spanier sind mit diesem Deal zufrieden: „Ich will die mir hier gebotene Chance einfach nutzen“, sagt zum Beispiel Javier Margazo-Pintado. Die Ausbildungsverträge, die er und seine Mitstreiter im August unterschreiben, beinhalten eine Klausel, die ihnen bei gutem Zeugnis eine Weiteranstellung verspricht. Arbeitslos würden diese 17 jungen Spanier am Ende sicherlich nicht mehr sein, sagt Weiß.

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