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Kampf gegen Windräder : Sorge um die Vogelwelt am Treenetal

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Armin und Clara Marx wehren sich bislang vergeblich gegen den geplanten Windpark der Nachbargemeinden. „Der Naturschutz wurde nicht geprüft“, sagen sie und sorgen sich um Singschwäne und die vielen anderen Vögel, die im Treenetal zu Hause sind.

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erstellt am 23.Dez.2013 | 07:47 Uhr

Ihr Grundstück in Esperstoft haben Armin Marx und seine Ehefrau Clara nach ihren Vorstellungen naturnah gestaltet: Rund um das Haus leuchten im Sommer die Blüten zahlloser Pflanzen, auf der Wiese, die an den Ufersaum der Treene grenzt, dürfen Wildblumen wachsen. Von dort aus kann der Blick schweifen – über das Treenetal hinüber nach Treia sowie Ahrenviölfeld und Boldelum in Nordfriesland. Im Winter rasten dort Singschwäne in großer Zahl und viele andere Vogelarten. Das könnte bald ein Ende haben, fürchtet das Ehepaar Marx, denn neben den Windkrafträdern, die sich bereits fern am Horizont drehen, sind weitere in Bau. Im Treenetal. Armin und Clara Marx sind empört.

Zunächst sei die Fläche Ipland gar nicht als Windeignungsgebiet vorgesehen gewesen, schildert Marx die Ereignisse. Erst nach Intervention der Bürgermeister aus den drei am Windpark beteiligten Gemeinden sei das Areal in die Liste der geeigneten Flächen aufgenommen worden. 300 Bürger hätten dem Plan zugestimmt, führt Marx weiter aus, alle nur aus Treia, Ahrenviölfeld und Boldelum. Die Menschen in Esperstoft, das zur Gemeinde Silberstedt gehört, und vor deren Nase die Windräder sich drehen werden, habe niemand gefragt.

Dabei gebe es viele gute Gründe gegen das Vorhaben, findet der aktive Angler und engagierte Umweltschützer. Also fertigte er im Rahmen des Ausweisungsverfahrens von Windenergie-Eignungsgebieten 2012 eine Stellungnahme, die insgesamt zehn Punkte umfasste. Darin führte er unter anderem an, dass in dem Gebiet seltene Vogelarten ihren Lebensraum haben, darunter Kraniche, Weißstörche und Singschwäne. „300 Singschwäne sind den ganzen Winter über hier“, sagt Marx. Sie rasteten am Wasser und auch auf der Maisfläche, auf der die Windräder entstehen.

Außerdem kreuzen sich, laut Marx, in dem Gebiet zwei Vogelzuglinien. Deshalb sei das Gebiet auch als Flora-Fauna-Habitat (FFH) von großer Bedeutung. In dem fraglichen Gebiet seien außerdem Seeadler, Wiesen- und Rohrweihen, Kraniche, Störche,Wanderfalken und viele weitere Tiere zu beobachten.

Doch die Einwände fanden keine Berücksichtigung. Das vereinfachte Verfahren, das bei der Genehmigung der Windkraftanlagen in Ipland Anwendung findet, bezeichnet er deswegen als undemokratisch, denn Grundrechte würden ausgehebelt. Es werde nicht einmal ordentlich geprüft. „Die Freihaltung des Treenetales ist als Ziel im Regionalplan aufgeführt, die Abweichung vom Ziel wurde nicht begründet. Der Naturschutz, besonders der Vogelschutz, wurde nicht geprüft.“

Dabei basiere die Ausweisung des Gebietes Ipland als Windeignungsgebiet auf einem Fehler, meint Marx: Bei der Übertragung der ausgewiesenen Flächen auf neue Karten sei eine Fläche, die direkt an das Naturschutzgebiet Ahrenviölfeld angrenzt, nicht berücksichtigt worden. Dieser Bereich sei für das Netzwerk von Naturschutzflächen, das nach FFH-Richtlinie gefordert wird, von großer Bedeutung. Ursprünglich in den Plänen zu finden, ist diese Fläche in neueren Planungsunterlagen nicht mehr verzeichnet. Das hätte zu einer Verweigerung der Genehmigung führen müssen, sagt Marx.

Dieser Einschätzung widerspricht Nicola Kabel, Pressesprecherin des Ministeriums für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume: Das Windeignungsgebiet befindee sich außerhalb des FFH-Gebietes 1322-391, Treene Winderatter See bis Friedrichstadt und Bollingstedter Au sowie außerhalb des Naturschutz- und FFH-Gebietes 1421-304 ,Ahrenviölfelder Westermoor’. Der im Windkrafterlass festgelegte Mindestabstand von 300 Metern werde eingehalten. Hinsichtlich der natur- und artenschutzfachlichen Belange sei eine Beteiligung der unteren Naturschutzbehörden der Kreise Schleswig-Flensburg und Nordfriesland erfolgt. „Die Unteren Naturschutzbehörden haben weder weitere Unterlagen nachgefordert, noch im Verfahren Bedenken bezüglich des Vorhabens vorgetragen. Eine Umweltverträglichkeitsprüfung war nach Prüfung nicht erforderlich“, teilt Kabel mit. Die artenschutzrechtliche Prüfung habe zudem ergeben, dass das Vorhaben weder in einem Vogelzugkorridor mit ausgeprägter Leitlinienwirkung, noch in einem Gebiet mit hoher Bedeutung als Rastgebiet liegt, so Kabel.

Die Bedeutung der Fläche für den Naturschutz bewertet Marx indes anders. Er ist verzweifelt. „Alle unsere Argumente auf FFH, Kranich, Weißstorch und Singschwäne werden nicht untersucht.“ Eine FFH-Prüfung entfalle mit der Begründung, das Gebiet sei zu weit entfernt. Dabei hat er beobachtet, dass die Singschwäne zwischen den Maisäckern der Windeignungsfläche und der Überschwemmungsflächen im Treenetal hin und her fliegen.

Mittlerweile ist Marx resigniert, denkt sogar daran, sein Haus zu verkaufen. Über seine Beschwerde beim Petitionsausschuss des Landes wurde bislang noch nicht entschieden. Ein Rechtsanwalt hat ihm und dem BUND davon abgeraten, eine Normenkontrollklage, mit der das gesamte Verfahren überprüft würde, anzustrengen. Im Fall eines Sieges wäre das gesamte Genehmigungsverfahren hinfällig. „Dann könnten überall Windkraftanlagen gebaut werden“, sagt Marx. Das will er auf keinen Fall. Nun besteht noch die Möglichkeit zu prüfen, ob der BUND bei einer Umweltverträglichkeitsprüfung zu beteiligen gewesen wäre und die Genehmigung deshalb rechtswidrig ist.

Wenn es nicht zu dieser Prüfung kommt, will Marx sein gesamtes Umweltengagement an den Nagel hängen. „Wir Bürger in Esperstoft wurden gelinkt. Es ist bitter, feststellen zu müssen, dass die ganze anstrengende ehrenamtliche Tätigkeit nichts bringt.“

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