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AWO Schleswig : Sonderschichten zwischen Kleiderbergen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Immer mehr Flüchtlinge, immer mehr Spenden: Die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Kleiderkammer haben viel zu tun.

Nicht nur auf den ersten Blick wirkt die Szenerie ein wenig chaotisch: Auf etlichen Tischen türmen sich ganze Haufen von Kleidung auf. So groß, dass man die Möbelstücke darunter nur noch erahnen kann. Daneben stehen Kartons und Säcke, aus denen ebenfalls unzählige Ärmel und Hosenbeine herausquellen. Dazwischen wiederum drängen sich Menschen. Ein älteres Ehepaar, ein Mann mit einem Säugling auf dem Arm, eine sechsköpfige Familie, eine verschleierte alte Dame mit Gehstock. Das Stimmengewirr, das von ihnen ausgeht, ist mindestens genau so bunt wie die Klamottenberge: Man hört Arabisch, Türkisch, Serbisch, Deutsch. „Hier ist mal wieder der Bär los“, bringt es Gertrud Detjens auf den Punkt.

Die 75-Jährige ist eine von mehreren ehrenamtlichen Helfern, die bei der Awo die Kleiderkammer betreuen. So auch gestern. Zwischen 100 und 150 Menschen kommen da in die beiden Räume in der Bahnhofstraße 16, um sich mit Kleidung einzudecken. Normalerweise öffnet dieser etwas andere Basar nur einmal im Monat. Diesmal aber gibt es einen Zusatztermin. Aus zweierlei Gründen: Einerseits kommen immer mehr Flüchtlinge. Andererseits bringen aber auch immer mehr Menschen aussortierte Kleidung als Spenden zur Awo – was sich dort wiederum auf die begrenzten Lagerkapazitäten auswirkt. „Früher haben wir die Sachen alle 14 Tage sortiert. Heute machen wir das zwei oder drei Mal pro Woche. Aber es ist toll, dass so viele Menschen helfen wollen“, meint Else Lübker.

Die 69-Jährige ist bereits seit acht Jahren in der Kleiderkammer als Helferin im Einsatz. Dank dieser Erfahrung behält sie auch gestern immer den Überblick – obwohl das Team an diesem Tag unterbesetzt ist, wie sie sagt. „Mit der Kommunikation ist es zwar nicht immer so leicht. Viele Flüchtlinge kommen aber mit ihren Lotsen. Und die meisten Leute verstehen auch alleine ganz schnell, wie das hier funktioniert.“ Tatsächlich sind die Regeln einfach: Ein T-Shirt kostet 50 Cent, ein Pullover einen Euro. Schuhe gibt es für zwei Euro pro Paar und eine Jacke für 2,50 Euro. Wer möchte, bekommt für wenig Geld auch ein kleines Frühstück. Gitte Köster, Karin Rohde und Heike Stange sorgen für frischen Kaffee und belegte Brötchen.

Dafür aber hat Fred Bösenthal keine Zeit. Der Busdorfer, der selbst auch in der Flüchtlingshilfe aktiv ist, hat zu Hause mit seiner Frau „Klamotten aussortiert“ und nun zwei prall gefüllte blaue Säcke im Schlepptau. „Ich hatte in der Zeitung gelesen, dass die Kleiderkammer heute auf hat. Da habe ich mich spontan auf den Weg gemacht“, sagt er.

Sowohl die Mitarbeiter als auch die Kunden der Kleiderkammer freut dieses Engagement. „Das ist gut hier“, sagt dann auch Mohammed Hamoni und lächelt. Der Syrer wohnt seit drei Monaten mit Frau und Sohn in Schleswig.

 

 

 

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erstellt am 09.Okt.2015 | 12:00 Uhr

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