Domschule Schleswig : Sofas und Tische aus Euro-Paletten

Das Team von „Euromöbel Nord“ mit Lehrer Werner David (3. von links) und Wirtschaftspate Peter Sokollik (rechts).
Das Team von „Euromöbel Nord“ mit Lehrer Werner David (3. von links) und Wirtschaftspate Peter Sokollik (rechts).

Oberstufenschüler gründen Projektfirma – und kümmern sich selbst um Herstellung, Marketing und Investorensuche.

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17. Januar 2015, 07:35 Uhr

Ihr Platz ist für gewöhnlich das Warenlager der Baustofffirma Dethleffsen in Treia, wo sie nach Gebrauch bisher entsorgt wurden. Neuerdings finden sie ihren Weg in immer mehr Wohn- und Jugendzimmer: als Sofa, Couchtisch oder Regal. Die Rede ist von Euro-Paletten. Zwölf Schüler der Domschule haben im Rahmen ihres Unterrichtsfaches Wirtschaft und Politik eine Firma gegründet, die aus Paletten Möbel herstellt – und erfolgreich vermarktet. Eine erste Bilanz ihres Unternehmens mit Namen „Euromöbel Nord“, kurz EMN, präsentierten die Zwölftklässler jetzt auf ihrer Jahreshauptversammlung in der Aula ihrer Schule.

Nach den Sommerferien habe sie ihr Wipo-Lehrer Werner Dawid direkt ins kalte Wasser geworfen, sagte Laura Funke stellvertretend für ihre Mitschüler. „Ich wollte den Jugendlichen das Vertrauen geben, dass sie es alleine schaffen“, erklärte der Lehrer. Dies geschehe zwar in einem geschützten Raum, jedoch seien die Probleme wie interne Konflikte sehr realistisch. Er wolle so den Unternehmergeist in den Jugendlichen stärken, ergab doch erst kürzlich eine Umfrage, dass gerade unter den 14- bis 34-Jährigen die Selbstständigkeit ein schlechtes Ansehen habe, ergänzte er. Während sich ihr Lehrer also bewusst zurück hält, werden die Jungunternehmer durch die „Junior GmbH“ unterstützt. Die gemeinnützige Organisation gehört zum Verbund des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln und führt Schüler praxisnah in die Wirtschaftswelt ein. Im Falle der Domschüler heißt das konkret: „Sie checken unsere Finanzen, wir führen Steuern an ,Junior’ ab und geben ihnen unsere Protokolle“, erklärt Marten Rucha, der Vorstandsvorsitzende von EMN. Wenn das Schuljahr zu Ende ist, wird die Firma aufgelöst. Auch das gehört zu den Regeln.

Das vorgegebene Motto „Learning by doing“ haben die zwölf Domschüler schnell verinnerlicht. Zunächst recherchierten sie mögliche Produkte, und als Marten Rucha die Idee zum Bau von Möbeln aus Euro-Paletten hatte, ging es ganz schnell: „Wir suchten uns einen Namen und meldeten unsere Firma bei ,Junior’ an“, so Kundenbetreuerin Laura Funke. Sobald die Prototypen von Regal, Tisch und Sofa fertig waren, landeten sie auf Werbeflyern und „wir betrieben Marktforschung“, fuhr sie fort. Sie befragten wildfremde Menschen nach Gesamturteil und Preisvorstellung. Das Ergebnis: Das Sofa kostet 150 Euro, der Tisch 170 Euro und das Regal 30 Euro. Die Lounge bestehend auf Sofa und Tisch gibt es für 300 Euro. Mit dieser Vorleistung im Gepäck ging es auf die Suche nach Investoren. Insgesamt haben sie 56 Anteilsscheine verkauft und so über 500 Euro eingenommen, erklärten die Schüler nicht ohne Stolz.

Unter den Investoren sind viele Eltern wie Anja Rucha, die Mutter des Vorstandsvorsitzenden: „Meine Tochter hat zu Weihnachten bereits ein Regal bekommen und wir überlegen noch, einen Tisch zu bestellen“, sagt sie. Regina Neumann ist der Beweis, dass unter den Anteilseignern auch Interessenten sind, die mit der Domschule nichts zu tun haben. Kira Stoltmann, die Vorsitzende der Marketingabteilung, hatte ihr von dem Projekt erzählt und „ich fand, das hört sich interessant an und unterstütze es“. Damit wolle sie auch würdigen, dass die Jugendlichen die ganze Arbeit neben der Schule machen. Um die ihnen anvertrauten Gelder gut zu verwalten, haben die Schüler als Wirtschaftspaten Peter Sokollik an ihrer Seite, Firmenkundenbetreuer der Nord-Ostsee-Sparkasse.

Mittlerweile haben sich die jungen Leute ein Netzwerk an Förderern aufgebaut. Dazu zählt das Architekturbüro Lorenzen-Silbernagel im Friedrichsberg, das als Produktionsstätte dient. Bei den Arbeiten stehen ihnen ausgebildete Tischler zur Seite, erklärte mit Vincent Christoph der Vorsitzende aus dem Bereich Produktion. Mittlerweile übernehmen die Schüler den Großteil der Arbeiten – Schleifen, Lackieren und Schrauben – wann immer es die Schule zulässt. Dabei werde nicht ins Blaue hinein produziert, sondern nur auf Bestellung: „Derzeit befinden sich ein Tisch und eine Lounge in Produktion“, sagte Christoph.

>Informationen über die Schülerfirma im Internet unter www.facebook.com/euromoebelnord

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