Schleswig : So wird der Urlaub barrierefrei

Mit der neuen Broschüre: (von links) Marie-Sophie Krabbenhöft und Max Triphaus von der Ostseefjord Schlei GmbH sowie der Seniorenbeirats-Vorsitzende Hans-Uwe Stern.
Mit der neuen Broschüre: (von links) Marie-Sophie Krabbenhöft und Max Triphaus von der Ostseefjord Schlei GmbH sowie der Seniorenbeirats-Vorsitzende Hans-Uwe Stern.

Ostseefjord Schlei, Rotarier und Seniorenbeirat sammeln in einer Broschüre behindertengerechte Angebote.

shz.de von
19. Mai 2018, 07:00 Uhr

Eigentlich ist es erstaunlich, dass es in Schleswig eine solche Broschüre bisher noch nicht gab: „Zeit für Urlaub ohne Barrieren in Schleswig“ heißt das 20-seitige, soeben erschienene Heft im Querformat und wendet sich speziell an Touristen mit Handicap. Immerhin leben in Deutschland laut Statistik rund zehn Millionen Menschen mit Behinderungen, von denen ein wachsender Anteil auf Urlaubsreisen geht. Mit der professionell gestalteten und reich bebilderten Broschüre schließt die Ostseefjord Schlei GmbH (OFS) in Zusammenarbeit mit dem Schleswiger Rotary-Club und dem hiesigen Seniorenbeirat eine Lücke.

Vorreiter an der Schlei war vor einigen Monaten bereits Kappeln mit einem ähnlichen Projekt, dem die OFS großen Erfolg bescheinigt. Barrierefreier Tourismus sei seit Jahrzehnten ein Thema, erklärte OFS-Geschäftsführer Max Triphaus.

In der Projekt-Arbeitsgruppe arbeitet Hans-Uwe Stern mit, der zugleich Vorstandsmitglied beim Rotary-Club und Vorsitzender des Seniorenbeirats ist. Die Grundidee der Initiative sei es, dass in der Beweglichkeit eingeschränkte Menschen ihren Urlaub anders planen müssen. „Dazu braucht man Infos aus erster Hand“, betont Stern.

Dazu sei er persönlich die in Frage kommenden Wege abgelaufen und habe jemanden mit Rollstuhlerfahrung zu Rate gezogen. Nach seiner Meinung schaffe die Beschäftigung mit dem Thema „Barrierefreiheit“ auch eine weitere Sensibilisierung in der Bevölkerung.

Schwerpunkte der Broschüre sind die Unterkünfte, die rollstuhlgerechten Gastronomiebetriebe sowie Ausflugsziele und Schleischifffahrten mit Angeboten für Menschen mit Handicap. Die Zahl der Reisenden, für die Barrierefreiheit wichtig ist, wachse beständig, erläuterte Projektleiterin Marie-Sophie Krabbenhöft. Eine der großen Hürden für die Teilhabe von Menschen mit Handicap am Tourismus sei der Mangel an belastbaren und umfassenden Informationen über barrierearme Angebote. „Hier hat der Seniorenbeirat mit seinen Erfahrungen wertvolle Anregungen und Hinweise beigesteuert.“ Die OFS hatte Fragebögen an mehr als 250 Anbieter in Stadt und Umgebung geschickt.

Neben Tabellen mit barrierefreien Hotels, Ferienwohnungen, Restaurants und Cafés findet sich auch ein Stadtplan, der barrierearme Spazierwege sowie rollstuhlgerechte Parkplätze und Toiletten anzeigt – allerdings sind in dem Plan die Kennzeichnungen für ältere Augen etwas schwer zu entziffern. Hinzukommen gut leserlich Angaben über Busse oder Taxis, die für Rollstuhlfahrer geeignet sind. Auch Vorschläge zu Ausflügen in Schleswig und Umgebung für Gehbehinderte katalogisiert der Leitfaden: Da sind die großflächigen Königswiesen, und es fehlt der St.Petri-Dom nicht, verbunden mit dem Hinwies auf eine Hebebühne im Kirchenraum für Rollstuhlfahrer; oder Schloss Gottorf, das Wikingermuseum Haithabu und das Danevirke-Museum mit den Hilfsmöglichkeiten für behinderte Menschen. Unter anderem stehen auch das Fjordarium-Sportbad, der Freizeitpark Tolkschau oder der Tierpark Gettorf – sogar mit Blindenleitsystem - auf der Angebotsliste.

Die Broschüre mit einer Auflage von 2500 Exemplaren liegt kostenfrei in den Touristinformationen in Schleswig, Kappeln und Süderbrarup aus und ist über die Website www.ostseefjordschlei.de erhältlich. Der Zugang zur Touristinfo in Schleswig ist derzeit noch nicht barrierefrei. Gehbehinderter können mittels Klingeln Hilfe holen.

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