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Schleswiger Nachrichten

15. Dezember 2017 | 12:01 Uhr

Rendsburg : So sieht die Zukunft nach Hertie aus

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Investorengruppe präsentiert erstmals konkrete Pläne für Rendsburger Gebäudekomplex / Die Fertigstellung ist 2018 geplant

Als sich die Investoren für das Pressefoto am Altstädter Markt in Rendsburg aufstellten, blieben sofort Passanten stehen. Gebannt blickten sie auf die ausgerollten Architektenentwürfe der künftigen Fassade des ehemaligen Kaufhauses. Logisch, kein Bauvorhaben interessiert die Rendsburger brennender. Was wird aus dem Hertie-Schandfleck?

Jetzt gibt es konkrete Antworten und Bilder. Zwei der drei Unternehmer aus dem nördlichen Schleswig-Holstein präsentierten Einzelheiten des Großprojekts. Sie wollen den Komplex in ein Seniorenheim mit anliegendem Supermarkt und weiteren Geschäften umwandeln. Die Gesamtkosten bezifferten sie mit elf bis zwölf Millionen Euro. Hinzu kommt der Kaufpreis für die Immobilie selbst. Er soll nach unbestätigten Informationen rund eine Million Euro betragen haben. Öffentliches Geld fließt nicht. Die Hausherren bezahlen alles aus eigener Tasche. Bauantrag wurde am Montag eingereicht. Ab dem Sommer 2017 soll der Teilabriss beginnen. Bereits im Frühjahr starten die vorbereitenden Arbeiten. Alle Gebäudeteile, die nicht von statischer Bedeutung sind, werden entfernt. „Wir rechnen mit zwölf bis 14 Monaten Bauzeit“, sagte der Architekt Werner Schaffer, Vater von John Schaffer, einem der Investoren (Planungs- und Beteiligungsgesellschaft Schaffer). Die anderen sind der Flensburger Bauunternehmer Herrmann Höft und Pflegeheim-Betreiber Matthias Martensen (Nordfriesland).

Hält die Troika den Marschplan ein, könnten die ersten von 80 Bewohnern des Alten- und Pflegeheims noch im Jahre 2018 einziehen. Auf drei Etagen mit zusammen 4300 Quadratmetern Fläche entstehen ausschließlich Einzelzimmer. Zur Einrichtung, die vermutlich „Marktresidenz“ heißen wird, zählen zwei Dachterrassen. Eine öffnet sich zum Altstädter Markt, die andere zur rückwärtigen Seite, mit Blick an der Marienkirche vorbei bis zur Obereider. Nur Bewohner und deren Besucher haben Zutritt. „Die Menschen im Pflegeheim brauchen Freiräume, die es im Erdgeschoss nicht gibt“, erläuterte Schaffer.

Der unmittelbar am Altstädter Markt liegende Abschnitt bekommt einen Arkadengang. Von hier aus können Geschäfte mit 400 Quadratmetern Gesamtfläche betreten werden. Vergeben sind die Einheiten noch nicht. Auch ein Betreiber des Supermarktes, der den Großteil des Erdgeschosses einnimmt, wird noch gesucht. Der Eingang zum Markt befindet sich in der Straße Stegen – genau an der Stelle, wo auch das Hertie-Kaufhaus bis zur Schließung im August 2009 seine Kunden empfing. Das Seniorenheim bekommt ein eigenes Entreé. Es liegt am Durchgang zur Marienkirche. Die Verbindung zwischen dem Gotteshaus und dem Marktplatz wird um zwei Meter verbreitert. Die Investoren kommen damit einem vielfach geäußerten Wunsch von Bürgern nach.

Insgesamt wirkt der neue Komplex nicht mehr so klobig. Auf „fünf Prozent weniger Volumen“ schätzte Architekt Werner Schaffer die Schrumpfung. Die Fassade der Zukunft besteht aus rötlichem und, vorwiegend rund um die Fenster, beigefarbenem Klinker. Das Penthouse-artige Obergeschoss wird grau verkleidet.

Hauseigene Parkplätze für Besucher des Altenheims gibt es nicht. Sie müssen mit dem Parkhaus in der Nienstadtstraße vorlieb nehmen. 16 noch zu errichtende Stellflächen im ehemaligen Hertie-Untergeschoss stehen ausschließlich für Mitarbeiter und betriebliche Zwecke der Pflegeeinrichtung zur Verfügung. Vom Stegengraben wird eine Zufahrt in das kleine Parkhaus geschaffen. Eine Herausforderung ist die Nähe zu den umliegenden Gebäuden und zur Fußgängerzone. Die Arbeiter müssen das Kaufhauswrack bis auf den tragenden Beton entkernen und die Fassade abreißen, ohne dass Passanten zu Schaden kommen und die Fußgängerzone lahmgelegt wird. „Wir sind bemüht, so sensibel wie möglich vorzugehen“, versprach Schaffer. Es werde aber nicht ohne Staub und Lärm abgehen.

Mit dem Totalumbau des Hertie-Hauses ist es in den kommenden beiden Jahren nicht getan. Auch das direkte Umfeld soll in Rendsburg erneuert werden. Aus der Städtebauförderung des Landes liegen 1,4 Millionen Euro auf einem Treuhandkonto bereit. Das Geld war ursprünglich für den Kauf der Immobilie vorgesehen – bei einem Erwerb durch die Stadt. Jetzt soll es nach Angaben von Bauamtsleiter Frank Thomsen verwendet werden, um den Altstädter Markt und den Durchgang zur Marienkirche umzugestalten. Auch diese Arbeiten sollen bereits im kommenden Jahr beginnen. „Ziel ist, der Altstadt nur eine Großbaustelle über 14 Monate zu bescheren“, teilte Thomsen mit.

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