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Schleswiger Nachrichten

12. Dezember 2017 | 15:44 Uhr

Zu viel Dünger : So leiden die Flüsse und Seen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Ergebnisse der jüngsten Bestandsaufnahme sind erschreckend: Nicht ein Gewässer im Kreisgebiet ist ökologisch in einem guten Zustand. Vor allem der Maisanbau für Biogasanlagen gilt bei Experten als Belastungsquelle.

von
erstellt am 30.Mai.2014 | 07:45 Uhr

Keines der Gewässer im Kreisgebiet ist in einem akzeptablen Zustand. Das geht aus einer Bestandsaufnahme hervor, die Holger Steen vom Fachdienst Wasserwirtschaft im jüngsten Regionalentwicklungsausschuss vorstellte. Als größten Belastungsfaktor machen Experten die Landwirtschaft aus. Insbesondere der massive Ausbau von Biogasanlagen und intensive Düngung hinterlassen in Bächen, Seen und Küstengewässern unerwünschte Spuren.

Maßstab für die Beurteilung der Gewässer ist die Wasserrahmenrichtlinie (WRRL), die vor 14 Jahren in Kraft gesetzt wurde und für das Jahr 2015 folgende Ziele beschreibt: guter chemischer und ökologischer Zustand natürlicher Gewässer, guter chemischer Zustand und ein gutes ökologisches Potenzial erheblich veränderter und künstlicher Gewässer und ein guter Zustand des Grundwassers. Ein Jahr vor Erreichen der Ziellinie fällt das Zwischenfazit verheerend aus: Kein Fließgewässer erfüllt derzeit die Vorgaben der WRRL, zudem: Kein See und kein Küstengewässer ist in einem guten Zustand.

Für das Grundwasser gilt: Im Einzugsbereich der „Gebietseinheit Schlei/Trave“ – im Kreis also insbesondere Angeln – gelten etwa 30 Prozent der Grundwasserquellen, im Bereich „Eider/Treene“ – also Geest – sogar 80 Prozent als gefährdet.

Vor allem der flächendeckende Eintrag von zu viel Nährstoffen (Nitrat und Phosphor) belastet die Flüsse und Auen im Kreisgebiet. Dadurch tritt ein vermehrter Algenwuchs auf, was wiederum zu Trübung, Sauerstoffmangel und schließlich zu Veränderungen der Pflanzenwelt (Flora), nicht selten auch zu Fischsterben führt. Insbesondere die Werte für Phosphor aus der Landwirtschaft seien flächendeckend zu hoch, so die Experten der Wasserwirtschaft.

Im Bereich der Langballigau werden hohe Werte für Ammonium und Phosphat gemessen. Steen: „Hier werden zeitnah Gespräche über die Verbesserung von Kläranlagen geführt werden müssen. Das wird sicher nicht ganz billig.“ Hausabwässer sind indes nur ein kleines Problem im Vergleich mit den Belastungen aus der Landwirtschaft. Ihnen wird von Experten ein Anteil von über 80 Prozent am Gesamtproblem zugeschrieben. Im Kreis Schleswig-Flensburg kommt der hohe Anteil an Maisanbau hinzu. Er ist mitverantwortlich dafür, dass im Landesvergleich der meiste Wirtschaftsdünger verwendet wird (154 kg/Hektar, zum Vergleich Herzogtum Lauenburg: 63 kg/Hektar).

Ist ein Gewässer erkennbar belastet, kann dies durchaus auch wirtschaftliche Folgen haben. So musste nach Angaben Steens beispielsweise das Deutsche Milchkontor (DMK) seine Betriebskläranlage mit hohem Aufwand mit einer Filtrationsanlage versehen, um einen Erweiterungsbau in Nordhackstedt genehmigt zu bekommen. Grund: die hohe Vorbelastung des nahen Schafflunder Mühlenstroms mit Phosphaten.

Und weil Bäche und Flüsse am Ende immer ins Meer fließen, bleiben auch die Küsten nicht von den Belastungen verschont. 70 Prozent aller Messwerte an Stationen mit Wassertiefen von mehr als 15 Metern weisen schlechte oder ungenügende Werte auf. Um einen nach den WRRL-Kritierien guten Zustand der Küstengewässer zu erreichen, müssten aus Expertensicht die Einträge an Stickstoff und Phosphor mindestens um 40 Prozent in der Nordsee sowie um 25 Prozent in der Ostsee (Geltinger Bucht, Flensburger Förde) reduziert werden.

Die Einträge aus der Landwirtschaft schaden auch dem Grundwasser: Neben Einträgen von Pflanzenschutzmitteln, aus Deponien und beispielsweise undichten Heizöltanks sind es vor allem die Nitratwerte, die Fachleute alarmieren. Schon jetzt gefährden hohe Nitratgehalte die Wasserversorgung aus Eigenversorgungsanlagen. In Einzelfällen müssen Brunnen bereits geschlossen werden. Öffentliche Wasserwerke fördern allerdings aus tieferen Schichten, die noch nicht mit steigenden Werten belastet sind.

Die Forderungen an die Landwirtschaft, die sich aus Sicht des Kreises daraus ergeben, sind klar: Einhaltung der Anforderungen an die Lagerung von Wirtschaftsdüngern beziehungsweise Silage, Einhaltung der Düngeverordnung, Einhaltung von Gewässer-Randstreifen und Erosionsschutz sowie die Etablierung Gewässer schonender Fruchtfolgen. Das Problem: Auch für die Überwachung ist der Kreis zuständig, und dies ist schon bei den inzwischen rund 145 Biogasanlagen im Kreisgebiet nicht mehr gewährleistet. Steen: „Eine effektive Überprüfung aller Anlagen ist personell derzeit nicht zu schaffen.“

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