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Kreisverwaltung Schleswig : So krank macht der Behörden-Job

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Zahl der Fehltage in der Kreisverwaltung geht zurück – doch in einigen Abteilungen bleibt sie besorgniserregend.

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erstellt am 07.Sep.2015 | 13:31 Uhr

Schleswig | Es ist längst nicht immer ein angenehmer Job, den die Mitarbeiter des Fachdienstes 6 (Regionale Integration) in der Kreisverwaltung zu verrichten haben. In der Betreuung der Hartz-IV-Empfänger etwa geht es oft um existenzielle Fragen. „Dabei kommt es durchaus mal zu konfliktreichen Gesprächen“, sagt Fachbereichsleiter Stephan Asmussen. „Die Beratungssituation kann für die Mitarbeiter sehr belastend sein. Und das ist nicht immer gut für die Gesundheit.“

Tatsächlich weist der Fachbereich 6 laut Personalentwicklungsbericht für das vergangene Jahr mit 8,1 Prozent (2013: 8,0 Prozent) eine überproportional hohe Fehlzeitenquote auf. Für die gesamte Kreisverwaltung konnte die Quote 2014 indes weiter gesenkt werden und lag bei 5,5 Prozent. Von den jüngst berichteten Zuständen in den Verwaltungen der großen Städte Lübeck (8,9 Prozent Krankenstand), Kiel (8,04) und Neumünster (6,07), wo aufgrund der Überlastung des Personals auch schon Öffnungszeiten eingeschränkt werden mussten, ist die Kreisverwaltung ein gutes Stück entfernt. Für die Stadt Flensburg wurde in der betreffenden Studie des Deutschen Städtetages ein Krankenstand von 5,9 Prozent ermittelt.

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Dass die Zahl der Krankheitstage weiter abgenommen hat, liegt nach Angaben von Kreis-Sprecherin Martina Stekkelies auch am Erfolg des „Betrieblichen Gesundheitsmanagements“. Dieses war 2011 eingeführt worden, nachdem die Fehlzeitenquote mit 7,5 Prozent einen alarmierenden Höchststand erreicht hatte. Seitdem wurden die Mitarbeiter sensibilisiert und motiviert, mehr für die eigene Gesundheit zu tun. Im November 2012 fand der erste Gesundheitstag im Kreishaus statt. Es folgten Aktionstage wie der Männergesundheitstag (2013) und der Frauengesundheitstag (2014). Für den kommenden November ist ein Tag zur psychischen Gesundheit geplant.

Und doch bleibt die Ausfallzeit in einigen Abteilungen besorgniserregend. Nicht nur im Fachbereich 6, sondern auch in der zum Fachbereich 2 (Ordnung und Recht) zählenden Straßenverkehrsbehörde. Die Fehlzeitenquote in dieser 46 Köpfe zählenden Abteilung schnellte im vergangenen Jahr von 9,6 auf 13,5 Prozent hoch, insgesamt verzeichnete der Fachbereich 2 eine Quote von 7,0 Prozent (2013: 5,5 Prozent). Sprecherin Stekkelies macht dafür das hohe Kundenaufkommen verantwortlich. „Schon vor Dienstbeginn bilden sich oft Schlangen vor der Tür zur Kfz-Zulassungsstelle.“ Der Job für die Mitarbeiter sei nicht nur stressig. Durch den Kundenkontakt steige auch das Risiko, sich mit Grippe- oder Erkältungsviren zu infizieren. Zu berücksichtigen sei allerdings, dass einige Langzeiterkrankte die Fehlzeitenquote in die Höhe trieben, erläutert Stekkelies.

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Auch Stephan Asmussen verweist auf die Auswirkungen der Langzeiterkrankungen. 17 seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien im vergangenen Jahr teilweise über Monate ausgefallen. Längst nicht jede Erkrankung sei auf Stress am Arbeitsplatz zurückzuführen – manche aber eben doch. Dass viele langjährige Mitarbeiter unter den Langzeiterkrankten seien, spricht nach Ansicht von Asmussen dafür, dass die Belastung in der Behörde auf Dauer eben doch sehr hoch ist, speziell im Jobcenter. Der interne Umstrukturierungsprozess in der Verwaltung und die Unsicherheit, ob der Kreis weiter Optionskommune und damit für die Betreuung von Langzeitarbeitslosen zuständig bleibt, hätten sich ebenfalls negativ auf die Belegschaft ausgewirkt.

Die Fluktuation im heute 250 Mitarbeiter zählenden Fachbereich 6 sei in den vergangenen vier Jahren sehr hoch gewesen, so Asmussen. Allerdings auch, weil man viel zusätzliches Personal eingestellt habe. Die Sie lag im Bereich der Regionalen Integration laut Personalentwicklungsbericht im vergangenen Jahr bei 9,1 Prozent (gesamte Kreisverwaltung: 4,9 Prozent). Aus Sicht von Experten sollte die Fluktuationsquote die Fünf-Prozent-Marke eigentlich nicht überschreiten, um eine gewisse Stabilität in einer Behörde zu gewährleisten.

Inzwischen griffen die neuen Strukturen, habe sich die Stimmung unter den Mitarbeitern gebessert, so Asmussen. „Wir sind auf einem guten Weg“, ist er überzeugt, dass der Krankenstand in diesem Jahr auch in seinem Fachbereich sinken werde. Zumal einige Langzeiterkrankte in Ruhestand gegangen seien oder sich in andere Abteilungen hätten versetzen lassen.

Grundsätzlich hat die Kreisverwaltung jedoch mit einer Überalterung ihrer Beamten und Angestellten zu kämpfen. So stellen die über 50-Jährigen die größte Gruppe unter den Bediensteten dar – mit entsprechenden Auswirkungen auf den Krankenstand. Sprecherin Stekkelies: „Rang 1 ist Ergebnis unserer Altersstruktur – Rücken-, Muskel-, und Skelett-Erkrankungen.“

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