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Vor der Landtagswahl : SN-Leser löchern die Kandidaten

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Sachliche und abwechslungsreiche Diskussion mit Wahlkreis-Vertretern von acht Parteien: Inhaltliche und persönliche Unterschiede werden deutlich.

Kostenfreie Kita-Plätze, Grunderwerbssteuer, Windkraft-Anlagen und Abschiebestopp nach Afghanistan – fast das gesamte Spektrum der Landespolitik kam vor, als sich die Landtagskandidaten im Wahlkreis 5 am Donnerstagabend den Fragen der SN-Leser stellten. Rund 120 Bürger waren in den Saal des „Hohenzollern“ gekommen. Sie nutzten die Gelegenheit, mehr als zwei Stunden lang nicht nur über Inhalte zu diskutieren, sondern sich auch eine persönlichen Eindruck von den Bewerbern zu verschaffen. Acht Politiker saßen auf dem Podium. Johannes Callsen (CDU), Birte Pauls (SPD), Peter Wittenhorst (Grüne), Carsten-Peter Brodersen (FDP), Anke Schulz (SSW) und Uwe Schröder (Linke) sind die Direktkandidaten ihrer Parteien im Wahlkreis, der neben den Städten Schleswig und Kappeln auch die Ämter Haddeby, Südangeln, Süderbrarup, Kappeln-Land und Geltinger Bucht umfasst. Piraten-Kandidat Michael Kröger hatte auf die Einladung der SN nicht reagiert. Für ihn war die nordfriesische Kandidatin Friederike Mey erschienen. Die AfD hat in diesem Wahlkreis keinen Kandidaten, seitdem der ursprünglich aufgestellte Jörg Zemke im Streit mit der Partei zurückgezogen hatte. An seiner Stelle war der AfD-Kreisvorsitzende Frank Hansen – der auf Listenplatz 8 für den Landtag kandidiert.

Zemke war dennoch im Saal – und meldete sich aus dem Publikum heraus mit einer Frage zum Arbeitsmarkt-Zugang für Behinderte zu Wort, mit der er offenbar gezielt Hansen in Bedrängnis bringen wollte.

Zwischenfälle löste die Anwesenheit des AfD-Manns ansonsten aber nicht aus. Polizei und Sicherheitskräfte waren vor Ort. SN-Redaktionsleiter Alf Clasen, der den Abend moderierte, hatte zu Beginn der Veranstaltung um Verständnis für die Taschenkontrollen am Eingang gebeten. In jüngster Zeit war es immer wieder vorgekommen, dass militante AfD-Gegner Veranstaltungen gestört hatten, an denen Vertreter dieser Partei beteiligt waren.

An diesem Abend aber stand die sachliche Diskussion im Mittelpunkt. Der CDU-Landtagsabgeordnete Johannes Callsen präsentierte sich als Sachwalter der Schleiregion und setzte Themen wie den Neubau der Brücke in Lindaunis und die Ansiedlung von Betrieben im neuen Gewerbegebiet Schleswig-Schuby. Seine SPD-Kollegin Birte Pauls betonte als langjährige Krankenschwester ihre Kompetenz in der Pflegepolitik.

Nach menschlichem Ermessen wird entweder Callsen oder Pauls das Direktmandat im Wahlkreis gewinnen. Im Laufe des Abends war zu erkennen, dass die Kandidaten der übrigen Parteien mit ihrer Außenseiterrolle durchaus unterschiedlich umgehen. Piratin Mey erklärte offen, dass die Erststimme für ihre Partei praktisch keine Rolle spiele und man einzig um Zweitstimmen werbe. Auch Peter Wittenhorst (Grüne) und Carsten-Peter Brodersen (FDP) machen deutlich, dass sie zwar engagierten Wahlkampf für ihre Parteien machen, aber nicht das Ziel haben, selbst in den Landtag einzuziehen. Uwe Schröder (Linke) sagte, ihm sei zwar klar, dass er das Direktmandat wohl nicht gewinnen werde, dennoch wolle er möglichst viele Erststimmen holen. Anke Schulz vom SSW rechnet sich zwar auch keine Chancen auf das Direktmandat aus, steht auf der Landesliste aber immerhin auf Platz 6. Sie legte ihren Schwerpunkt ebenso wie Uwe Schröder auf die Bildungspolitik. Wittenhorst war vor allem beim Thema Windkraft-Ausbau gefragt

Die Besucher stellten präzise Fragen und erhielten meist auch klare Antworten. Die Unterschiede wurden zum Beispiel beim Thema Grunderwerbssteuer deutlich: Die Vertreter der Regierungsparteien verteidigten den aktuelle Steuersatz von 6,5 Prozent mit Verweis auf die schwierige Haushaltslage des Landes. FDP-Mann Brodersen forderte, den Kauf der ersten selbstgenutzten Immobilie von der Grunderwerbssteuer zu befreien, Frank Hansen (AfD) will die Steuer komplett abschaffen.

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erstellt am 29.Apr.2017 | 07:28 Uhr

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