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Landestheater : Sinfonischer Herbst-Reigen mit Bruckner und Strauss

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

shz.de von
erstellt am 25.Okt.2015 | 19:02 Uhr

Auch in dieser Spielzeit wird die Reihe „Musik erklärt“ fortgesetzt. Darin wird der Hintergrund der Werke beleuchtet, die bei den Sinfoniekonzerten des Landestheaters auf dem Spielplan stehen. Musikdramaturgin Anne Sprenger erläutert das erste Sinfoniekonzert der Spielzeit 2015/2016: Das Schleswig-Holsteinische Sinfonieorchester feiert seinen 95. Geburtstag und begeht dieses Jubiläum mit zwei klanggewaltigen Meisterwerken: Richard Strauss‘ Tondichtung „Don Juan“ und Anton Bruckners 7. Sinfonie eröffnen den sinfonischen Reigen dieser Saison. Beide sind in den 80er-Jahren des 19. Jahrhunderts entstanden, beide Komponisten verehrten Wagner, und doch sind sie in ganz unterschiedlichen Klangwelten angesiedelt.

1889 war Richard Strauss gerade 25 Jahre jung, und als frisch ernannter Weimarer Kapellmeister hatte er die dortigen musikalischen Zügel praktisch allein in der Hand. Bislang ist nur eine Tondichtung von ihm bekannt: „Aus Italien“. Die zweite, die er nun präsentiert, beschert ihm den großen Durchbruch: „Don Juan“. Er verließ damit den Dunstkreis einflussreicher Kollegen und machte sich daran, seine eigene Klangsprache zu entdecken. Kompositorische Vorbilder wie Wagner waren bereits bekannt dafür gewesen, vertrautes Fahrwasser zu verlassen, doch was gewagte Harmonien, Instrumentationen und Orchesterfarben betraf, setzte Strauss noch eins drauf – und polarisierte damit gehörig: Von Beifallsstürmen bis zu entrüsteten Protesten reichte die Palette der Publikumsreaktionen.

Bei „Don Juan“ sollen selbst hartnäckige Strauss-Kritiker eingestanden haben, dass diese sinfonische Dichtung ein Geniestreich war. Überschwänglich, kraftvoll – die jugendliche Energie des Komponisten ist unüberhörbar. Die Figur des leidenschaftlichen, maßlosen Don Juan wird in all ihren Facetten durchleuchtet, und Strauss lässt verschiedene Frauentypen aufs Parkett treten. Mal schwärmerisch-hingebungsvolle, mal leidenschaftliche, mal sentimentale Damen kreuzen den Weg des Schwerenöters.

Vom Draufgängertum war Anton Bruckner privat weit entfernt. Sein Lehramtsstudium mündete in demütigenden Erfahrungen als Schulgehilfe, er galt als Sonderling, und auch mit den Frauen wollte es nicht so recht klappen: Seine Angebetete wandte sich mit der Begründung, er sei zu „bäuerisch“, linkisch und überdies „so narrisch angezogen“ von ihm ab.

Bruckner befürchtete, an dieser Zurückweisung seelisch zugrunde zu gehen und glaubte möglicherweise selbst nicht mehr so recht an den Erfolg, doch die Komposition seiner Sinfonien verhalfen ihm mit der suggestiven Kraft ihrer Themen und den faszinierenden, scheinbar unendlichen Melodien letztlich zu weltweitem Ansehen, insbesondere die siebte.

Kein anderes seiner Werke war zu seinen Lebzeiten so erfolgreich. Noch heute gehört sie zu den bewegendsten Stücken des Konzertrepertoires. Das Adagio, der zweite Satz, ist wohl jener, der aufgrund seines Entstehungshintergrundes stets die größte Aufmerksamkeit bekommt: Bruckner begann ihn unter dem Eindruck einer düsteren Vorahnung, dass sein Vorbild Richard Wagner bald sterben würde, und beendete ihn, als sich diese Befürchtung bewahrheitet hatte. Bescheiden wie Bruckner war, wies er die Verantwortung des Erfolges dieser Sinfonie von sich: Das Kopfthema des ersten Satzes habe ihm im Traum ein Freund diktiert, ein anderes habe ein Hahn jeden Morgen auf dem Misthaufen gekräht.

Die Konzertdaten: Donnerstag, 29. Oktober, 20 Uhr, Husum, Nordsee-Congress-Centrum; Freitag, 30. Oktober, 19.30 Uhr, Stadttheater Rendsburg; Dienstag, 3. November, 19.30 Uhr, A. P. Møller Skolen, Schleswig; Mittwoch, 4. November, Deutsches Haus Flensburg.

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