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Schleswiger Nachrichten

12. Dezember 2017 | 14:02 Uhr

Schleswig : Sind die Ladenmieten zu hoch?

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Mit „Vero Moda“ und „Loft-in“ schließen in den kommenden Wochen erneut zwei größere Läden in der Innenstadt.

von
erstellt am 22.Jan.2016 | 07:39 Uhr

Es ist offenbar mehr als nur ein Gerücht: Im Februar wird die Schleswiger Filiale der Modekette „Vero Moda“ im Stadtweg schließen. Am anderen Ende der Ladenstraße zeichnet sich ein ähnliches Szenario ab. Hier wird die Boutique „Loft-in“ bereits Ende dieses Monates aufgegeben – der von der Fläche her mit Abstand größte Laden am Kornmarkt. Damit erhöht sich, wie so oft im Winter, die Zahl der Leerstände in Schleswigs Innenstadt spürbar.

Wenn man nach den Gründen für diese Entwicklung sucht, landet man schnell beim Thema Ladenmieten. Denn die sind, so die einhellige Meinung in der Stadt, deutlich zu hoch. „Die Preise, die da aufgerufen werden, passen meist nicht zu dem, was man an Erträgen in Schleswig erwirtschaften kann“, sagt I.D.-Sievers Geschäftsführer Klaus-Peter Jeß als Vorsitzender der Interessengemeinschaft Ladenstraße (IGL). Laut seinen Beobachtungen gehören immer mehr Geschäftsflächen großen Immobiliengesellschaften, die in Hamburg, Berlin oder gar dem Ausland ansässig sind. „Bei denen ist offenbar noch nicht angekommen, wie die Situation hier in Schleswig tatsächlich ist“, glaubt Jeß.

Stadtmanager Rüdiger Knospe stößt ins selbe Horn: „Wenn man die gängigen Preise hört, fragt man sich schon: Wisst Ihr eigentlich, wo wir hier sind? Das ist oft bar jeglicher Realität.“ Man habe dieses Problem längst in Politik und Verwaltung erkannt. Allein die Handhabe fehle. Dennoch arbeite er an einem Leerstandskatalog und versuche auch, mit Vermietern direkt ins Gespräch zu kommen, so Knospe.

Auch im Fall von „Vero Moda“ scheinen die Gründe für einen Rückzug aus Schleswig an zu hohen Preisvorstellungen gelegen zu haben. Zwar wollten weder die Mitarbeiter vor Ort noch ein Vertreter der dänischen Muttergesellschaft AHPK auf Anfrage Stellung zu dem Thema nehmen. Laut SN-Informationen ist ein Verbleib in der Stadt allerdings daran gescheitert, dass sich Mieter und Vermieter bei den Verhandlungen über eine weitere Zusammenarbeit nicht einigen konnten (der alte Mietvertrag läuft offenbar aus). Gleiches soll auch bei der Schließung des „Loft-in“ eine Rolle gespielt haben. Allerdings waren dessen Betreiber ebenfalls nicht zu einer Stellungnahme bereit.

Torsten Hansen kann die Diskussion über zu hohe Mietpreise in Schleswig gut nachvollziehen. Bis 2013 war er in der Ladenstraße mit dem Geschäft „Herrenausstatter an der Schlei“ ansässig, ist dann nach Eckernförde umgezogen. Zwar habe dieser Schritt nicht unmittelbar mit zu hohen Preisen in Schleswig zu tun. „Aber ich zahle in Eckernförde jetzt spürbar weniger und habe gleichzeitig eine höhere Kundenfrequenz.“ Zudem habe er durch die in Eckernförde geltende Bäderregelung auch noch umgerechnet einen Monat mehr Umsatz. „Da stimmt dann ganz offenbar das Verhältnis zwischen Schleswig und Eckernförde nicht, was die Ladenpreise angeht.“ Eine anfangs von ihm angedachte Rückkehr an die Schlei hat Hansen inzwischen auch deshalb zu den Akten gelegt.

Die größten Sorgen bereiten weiterhin die beiden Enden der Ladenstraße. Am Kornmarkt (Richtung Gallberg) fehlen in erster Linie große Frequenzbringer, wie Geschäfte mit hoher Anziehungskraft genannt werden. Auf der anderen Seite zieht die Nachbarschaft zur Ruine des ehemaligen Hertie-Kaufhauses die umliegenden Geschäfte mit runter. Dennoch werden gerade dort ungewöhnlich hohe Mieten aufgerufen. Beispiel: Für den Laden in der ehemaligen Post, in dem bis vor Jahren „C  &  A-Kids“ untergebracht war, werden für 297 Quadratmeter 4750 Euro Kaltmiete fällig. Im Haus gegenüber, dort wo zuvor die „Backfactory“ war, kosten 522 Quadratmeter rund 7050 Euro monatlich.

Auch für Immobilienmakler Rolf Jacobsen ist das „in einigen Fällen eindeutig zu viel“. Dennoch hält er es für zu kurz gedacht, wenn Geschäftsaufgaben allein an einer zu hohen Miete festgemacht werden – gerade bei kleineren Inhaber-geführten Läden. „Wenn es am Ende daran scheitert, dass man statt 800 Euro 1000 Euro Miete zahlen muss, dann sehe ich da eher ein wirtschaftliches Problem.“

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