Funkamateure in Süderbrarup : Signale aus dem Ferkelstall

Sie sind drei von rund 70 Mitgliedern des Funkamateur-Ortsverbandes und treffen sich regelmäßig in ihrer Clubstation: Rolf Heide (von links), Emil Johannsen und Wolfgang Kraack.
Sie sind drei von rund 70 Mitgliedern des Funkamateur-Ortsverbandes und treffen sich regelmäßig in ihrer Clubstation: Rolf Heide (von links), Emil Johannsen und Wolfgang Kraack.

Die Süderbraruper Funkamateure leben ihr Hobby seit 40 Jahren.

shz.de von
11. Januar 2018, 12:22 Uhr

Im Sauenstall von Emil Johannsen in Scheggerott, wo einst Ferkel das Licht der Welt erblickten, werden seit über drei Jahrzehnten Funksignale in alle Welt ausgesendet und empfangen. Emil Johannsen – einst Bürgermeister und Amtsvorsteher – ist ein leidenschaftlicher Funkamateur und sein Hof beherbergt die Clubstation der Süderbraruper Funkamateure. Seit 1968 mischt der 86-Jährige mit dem Rufzeichen DK4LI bei den Funkamateuren mit. „Das hält jung“, sagt er. Als er 65 wurde, hängte er die Landwirtschaft an den sprichwörtlichen Nagel.

Seit 1978 Mitglied der Süderbraruper Funkamateure (DARC) ist Wolfgang Kraack, Funker-Rufzeichen DL3LAB. Der 63-jährige Kraack ist seit zehn Jahren Vorsitzender des Clubs, der seit immerhin 69 Jahren besteht. Der Rentner war einst Schlosser, ist in seiner Heimatgemeinde Kronsgaard stellvertretender Bürgermeister und stellvertretender Wehrführer.

70 Süderbraruper Mitglieder
 

Dritter im Bunde der häufigen Gäste in der Clubstation ist der 62-jährige Rolf Heide (DL1VH) aus Kappeln, von Beruf Ingenieur für Nachrichtentechnik und zudem Schleswig-Holsteins Distriktsvorsteher und damit zuständig für rund tausend Funkamateure. Für die 70 Süderbraruper Mitglieder im Alter zwischen 20 und 91 Jahren ist die Clubstation regelmäßiger Treffpunkt. Die meisten von ihnen haben aber zu Hause auch eigene Funkstuben.

Bei den deutschen Clubmeisterschaften mit jeweils rund 600 teilnehmenden Mannschaften, die jährlich ausgetragen werden, landen die Süderbraruper stets unter den ersten Zehn. Drei Mal wurden sie sogar Sieger – und zwar 1987, 1996 und 2001. Für das vergangene Jahr rechnen sich Kraack, Johannsen und Heide Rang fünf aus. 2381 Punkte haben sie bereits auf ihrem Club-Konto – die Auswertung des zweistündigen Weihnachts-Contests steht allerdings noch aus. Die Teilnahmebedingungen besagen, dass für die Meisterschaft insgesamt zehn Wettbewerbe durchzuführen sind – das ist für 2017 erledigt.

Doch für dieses Jahr geht es bereits weiter mit Wettbewerben. Noch in diesem Monat steht eine sogenannter Zehn-Meter-Wettbewerb in Telefonie und Telegrafie auf dem Programm. Und schon jetzt wird sich gedanklich auf die folgenden Wettbewerbe vorbereitet. Dazu gehören im Juni und September die Fielddays am Lyskjärsee in Scheggerott. Dann sind die Mitglieder nonstop 24 Stunden im Einsatz.

Kontakte mit Gleichgesinnten

Zum Wettbewerb gehören zudem vier UKW-Contests – einer davon ist „Marconi“ gewidmet und damit einem Italiener, der Ende des 19. Jahrhunderts lebte und als Funkpionier gilt. Bei zwei 48-Stunden-Contests „Worked all Europe“ (WAE) zählen die Kontakte, die mit Gleichgesinnten außerhalb Europas hergestellt werden können. Und in diesem Punkt haben die Süderbraruper Funkamateure seit zwei Jahren ein Problem – bedingt durch Störungen im Stromnetz der Clubstation. Das führt dazu, dass es beim Empfangen so klingt, als ob nebenan ein Motorrad oder Rasenmäher auf vollen Touren läuft.

Außerdem steigt in diesem Jahr der weltweite Wettbewerb WRTC – Worked Radio Team Championship, der am 14. und 15. Juli erstmals in Deutschland, unweit der Lutherstadt Wittenberg, ausgetragen wird. An dem 24-stündigen Contest werden 65 Zweier-Teams aus aller Welt teilnehmen. Für die Süderbraruper steht fest, dass sie dabei sein werden – allerdings nicht als aktive Funker, sondern unterstützend in der Logistik.

Ursel Köhler

 

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