Gartenstrasse in Schleswig : Sie wollen die Obstwiese erhalten

Auf dieser Obstbaumwiese  zwischen Moltkestraße und Gartenstraße sollen drei Doppelhäuser entstehen. Das Ehepaar Bärbel und Uwe Mitransky betrachtet – wie die anderen Anwohner auch – das Projekt mit großer Skepsis.
Auf dieser Obstbaumwiese zwischen Moltkestraße und Gartenstraße sollen drei Doppelhäuser entstehen. Das Ehepaar Bärbel und Uwe Mitransky betrachtet – wie die anderen Anwohner auch – das Projekt mit großer Skepsis.

Anwohner sperren sich gegen Pläne für Wohnbebauung ´zwischen Garten- und Moltkestraße. Doch der Bauausschuss zeigt sich aufgeschlossen.

shz.de von
19. Mai 2015, 15:34 Uhr

Sie ist schwer zu finden – die versteckt liegende Obstbaumwiese in Schleswigs Stadtmitte, wo frühjahrsgemäß gerade alles blüht und zwitschert. Nur über eine schmale Zufahrt von der Moltkestraße aus lässt sich das Idyll erreichen. Es grenzt unmittelbar an die rückwärtigen Gärten von etwa elf Anwohnern der Moltkestraße und der Gartenstraße und liegt quasi wie ein Central Park dazwischen.

Doch die idyllische Ruhe trügt. Seit Jahren ist die Obstbaumwiese immer wieder ein Streitthema im Bauausschuss, und zwar dann, wenn neue Pläne für eine Bebauung vorgestellt werden.

Denn der Eigentümer möchte seine 3000 Quadratmeter große Wiese als Baugebiet veräußern, damit Stadtwohnungen dort errichtet werden können. In dem Fall müssten die meisten der 30 alten Obstbäume Platz machen für die Neubauten. Vorgesehen sind nach dem letzten Stand der Dinge drei Doppelhäuser mit insgesamt sechs Wohneinheiten. Doch dagegen laufen die Anwohner Sturm. Das begann schon 2013, als die ersten Pläne mit damals noch 14 Stadtwohnungen vorgestellt wurden. Seither präsentieren die Projektbetreiber zwar abgespecktere Versionen, dennoch sperren sich einige der Anwohner grundsätzlich gegen eine Bebauung an der sensiblen Stelle. Andere wiederum gehen mittlerweile zu Kompromisslösungen über. So wie das Ehepaar Bärbel und Dr. Uwe Mitransky.

„Dort, wo jetzt unsere Gartenbank steht, von der aus man auf die herrlichen alten Apfelbäume in der Wiese schaut, würde nach der geplanten Bebauung nur einen Meter entfernt ein Carport stehen“, erläutert Bärbel Mitransky. Sie ist von Beruf Architektin sowie Autorin von Fachbüchern und drängt – falls der Eigentümer weiterhin die Vermarktung seines Wiesengrundstücks beabsichtigt – auf eine sensiblere Grundstücksaufteilung als bisher vorgesehen. Darüber ist sie auch mit dem Projektbetreiber, dem Nübeler Bauherrn Claus Becker, im Gespräch. Sie hat sozusagen einen Gegenentwurf zu seinen Plänen erarbeitet. Denn Becker, Inhaber eines Baugeschäfts, hatte bereits in der jüngsten Bauausschuss-Sitzung erläutert, wie er sich die Bebauung auf der Wiese vorstellen könnte. „Allerdings sind diese Pläne noch nicht konkret“, sagte er. Zunächst wolle er sondieren, wie die Meinung im Bauausschuss sei, um zu entscheiden, ob er überhaupt weiter in das Projekt einsteigen werde. Während ihm daraufhin die Mitglieder des Bauausschusses signalisierten, er könne detaillierte Pläne vorlegen, damit diese in einen Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan mündeten, machten Anwohner, die in die Sitzung gekommen waren, ihren Unmut deutlich. Bauausschuss- Vorsitzender Klaus Bosholm (SPD) betonte jedoch, dass später im Rahmen des Bauleitverfahrens jeder Anwohner Gelegenheit bekomme werde, Bedenken gegen das Projekt geltend zu machen. Der Vorgänger von Bauherr Becker, ein Bauunternehmer aus Süderbrarup, war schon 2013 aus dem Projekt ausgestiegen, nachdem er seine Konzepte mehrfach hatte revidieren müssen. Vor diesem Hintergrund ist der geplante Bauumfang auf der Obstbaumwiese immer weiter zusammengeschrumpft: von zunächst 14 Stadtwohnungen auf zwölf, dann auf zehn und schließlich auf nun sechs Wohnungen. „Auf dieser Obstwiese herrschen schwierige Baugrundverhältnisse“, wirft Uwe Mitransky ein. Und: „Wie sollte denn da ein Bauherr bei kleineren Wohneinheiten noch auf seine Kosten kommen. Das alles rechnet sich doch gar nicht.“ Beide weisen zudem auf die einzig vorhandene schmale Zufahrt zur Wiese hin – „viel zu schmal für jedes Feuerwehrauto“, sagen sie.

Derweil kündigt Britta Gutknecht von der Bauamtsleitung im Rathaus gegenüber den SN an, sie wolle nun angesichts der Diskussion das versteckte Wiesengrundstück selbst in Augenschein nehmen.

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