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Schleswiger Nachrichten

16. Dezember 2017 | 23:45 Uhr

Lollfuss : Sie wollen das alte Theater retten

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Abriss ist längst beschlossene Sache – jetzt melden sich Baufachleute und sagen: „Das Haus lässt sich mit ganz wenig Aufwand sanieren.“

shz.de von
erstellt am 20.Feb.2014 | 08:30 Uhr

Schleswig Er war nicht drin im Gebäude. Man lässt ihn nicht – aus Sicherheitsgründen. Die Decke könnte ihm auf den Kopf fallen. Dennoch ist Karl-Heinz Nielsen sich sicher: „Das Theater ist nicht einsturzgefährdet.“ Während sich die Ratspolitiker streiten,  ob sie das neue Theater auf dem Hesterberg bauen sollen oder im Lollfuß, haben viele Bürger die Hoffnung noch nicht aufgegeben, ihr geliebtes altes Stadttheater zu retten. Rund 100 Menschen – überwiegend im Rentenalter – folgten gestern Nachmittag Nielsens Einladung zu einem Rundgang um das seit zweieinhalb Jahren gesperrte Gebäude.

Immer wieder unterbrochen vom Lärm der Jageler Tornados im Landeanflug, rief der Architekt seine Thesen in die Menge: „Wenn Sie sich die Fassade anschauen, sehen Sie ganz normale kleine Alltagsschäden.“ Oder: „Wenn ich einem privaten Bauherren in solch einem Fall raten würde, sein Haus abzureißen, würde der mich sofort in die Schlei jagen.“

In der Ratspolitik spielt die Frage, ob das Gebäude vielleicht doch noch zu retten ist, schon seit Monaten keine Rolle mehr. Dort streitet man sich nur noch, ob das neue Bühnenhaus wie geplant auf dem Hesterberg stehen soll oder vielleicht doch wieder im Lollfuß. Wenige Stunden vor Nielsens Auftritt hatte Bürgermeister Arthur Christiansen die Beschlussvorlage veröffentlicht, über die die Ratsversammlung am nächsten Donnerstag abstimmen soll. Darin macht er deutlich, dass aus seiner Sicht kein Weg mehr am Hesterberg vorbei führt. Ein Neubau im Lollfuß sei unter anderem „aus zeitlichen und finanziellen Gründen“ nicht mehr zu realisieren. Es sei „bedauerlich, dass eine Machbarkeitsstudie zum Standort Lollfuß nicht parallel zum Standort Hesterberg beauftragt worden ist“. Die Beschlussvorlage nennt einige neue Details zur Finanzierung. So habe das Land „nachdrücklich erklärt“, der Stadt mögliche Mehrkosten bei der Schadstoffsanierung des bisherigen Volkskunde-Museums auf dem Hesterberg „von der Hand zu halten“. Bei der neuen Zusage aus Kiel, mögliche Steuermehrbelastungen zu übernehmen, ist der bevorstehende Abriss des alten Theaters längst eingepreist: Sollte die Stadt das Grundstück im Lollfuß mit Gewinn vermarkten – also nach Abzug der Abrisskosten – werden diese Einnahmen vom Zuschuss wieder abgezogen.

Jedoch hat Christiansen am vergangenen Wochenende erstmals einen kritischen Statiker ins alte Theater gelassen. Der Ingenieur, der namentlich nicht genannt werden möchte, teilt die Auffassungen von Karl-Heinz Nielsen. Gegenüber den SN sagte er nach seinem Rundgang durchs Gebäude: „Das Theater können Sie mit ganz wenig Aufwand innerhalb von drei Monaten wieder bespielbar machen.“  Warum andere Experten zu einem anderen Ergebnis gelangen, sei ihm unerklärlich. „Möglicherweise sind da irgendwelche anderen Interessen im Spiel“, sagte er.

Er schlägt vor, nun einen Prüfingenieur zu Rate zu ziehen, der nicht aus Schleswig kommt und unabhängig von allen Einflussgruppen in der Stadt arbeitet. Der Bürgermeister hat angekündigt, diesen Vorschlag aufzugreifen – „unabhängig von der Beschlusslage zum Bau des Theaters auf dem Hesterberg“.

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