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Schleswig : Sensations-Fang in der Schlei: Jörn Ross geht ein Stör ins Netz

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Jörn Ross ist seit 36 Jahren Fischer. Aber was ihm am Dienstag ins Netz ging, war auch für ihn eine Premiere.

Seit 36 Jahren ist Jörn Ross jetzt schon als Berufsfischer auf der Schlei unterwegs. Was aber am Dienstag in seinem Stellnetz in der Großen Breite vor Geel zappelte, war auch für ihn als erfahrenen alten Hasen eine echte Premiere: Denn einen Stör hatte er bislang noch nicht an Land gezogen. Entsprechend überrascht war Ross, als ihm das 84 Zentimeter lange Exemplar entgegen blickte. „Ich habe mich natürlich erstmal gefreut – aber auch gleich bei der Fischereiaufsicht in Kappeln angerufen. So genau wusste ich auch nicht, was ich mit ihm machen sollte.“

Denn weltweit gelten fast alle der rund 20 verschiedenen Störarten als stark gefährdet. Besonders in Europa stehen die Fische kurz vor dem Aussterben. Denn sowohl ihr wohlschmeckendes Fleisch als auch der von ihnen erzeugte Kaviar sind sehr begehrt. „Diese Tiere stehen bei uns auf der Roten Liste ganz oben. Man kann sagen, dass sie hierzulande ähnlich geschützt sind wie die Nashörner in Afrika“, sagt Uwe Hartmann von der Oberen Fischereibehörde im Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) in Flintbek. Er selbst will von einem Sensations-Fang zwar nicht sprechen, sagt aber auch, dass Störe in deutschen Gewässern äußerst selten ins Netz gehen. Laut Statistik seien es zwischen 1995 und Ende 2013 „jedes Jahr ein oder mehrere Exemplare“.

Entsprechende Meldungen aus der Schlei sind jedoch weder Hartmann noch Ross aus den vergangenen Jahren oder gar Jahrzehnten bekannt. „Aber der Stör kann im Brackwasser der Ostsee gut überleben. Hier findet er viel zu fressen“, sagt Hartmann, der nur spekulieren kann, woher das Tier stammt: Einerseits gebe es im Auftrag des Bundesamtes für Naturschutz ein Wiederansiedlunsgprojekt für den baltischen Stör in der Ostsee. Andererseits könnte das Tier, das nicht markiert (und damit nicht registriert) war, aus einer Aquakultur entwichen sein. „So oder so: Ich gehe davon aus, dass es in Zukunft öfter vorkommt, dass Störe in der Ostsee als Beifang mit ins Netz gehen“, glaubt Hartmann.

Das wiederum würde Jörn Ross freuen. Er hat seinen 2,8 Kilo schweren Stör wieder in die Freiheit entlassen. Zuvor allerdings war Sönke Kraack von der Fischereiaufsicht zu ihm aufs Boot gekommen und hat Fotos gemacht und die Daten von dem seltenen Schlei-Gast registriert.

 

 

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erstellt am 09.Apr.2015 | 07:46 Uhr

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