Sende-Schluss und Herzens-Rettung

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23. Februar 2013, 03:59 Uhr

Es ist inzwischen mehr als zehn Jahre her, da regte sich regelmäßig Bürgerprotest, wenn die Telekom oder Mannesmann wieder irgendwo einen Handy-Funkmast aufstellten. Anwohner fürchteten gesundheitsgefährdende Strahlung. Das Thema ist aus der Mode gekommen. Seit fast jeder ein Handy in der Tasche hat, wird höchstens noch protestiert, weil kein Funkmast in der Nähe und der Empfang schlecht ist. Im Lollfuß aber regte sich jetzt Widerstand wie in alten Zeiten. Die Firma Vodafone erneuerte ihren Mast auf dem Bühnenturm des Stadttheaters. Eine Allgemeinärztin, die nebenan ihre Praxis hat, und ein aufmerksamer Patient meldeten sich bei uns. Der neue Mast, sagten sie, sende besonders kräftig und mit der neuen LTE-Technik, die in Verdacht stehe, Krebs auszulösen. Wir fragten uns: Was will Vodafone mit einem nagelneuen Sender auf einem Gebäude, das sowieso bald einstürzt? Vodafone hat den Platz auf dem Theater bis ins Jahr 2023 gemietet. Im Sommer kommen die Abrissbagger. Die Stadtverwaltung beruhigt: Der Vertrag mit Vodafone enthält eine Klausel, nach der er aus einem "wichtigen Grund" vorzeitig gekündigt werden kann.

Vom Thema Strahlung hören wir vielleicht trotzdem noch mal. Vodafone wird sich gewiss ein neues Plätzchen für seinen Funkmast suchen.

Ob das alte Martin-Luther-Krankenhaus dafür in Frage kommt oder ob es auch abgerissen wird, wenn der Neubau an der St. Jürgener Straße steht, das weiß noch niemand. Dass dort nicht alles zum Besten bestellt ist, darüber wird viel geredet in der Stadt, und wir berichten auch immer wieder darüber. Das ist keine Miesmacherei, wie es einige der Verantwortlichen bei Helios manchmal empfinden, es ist einfach kritischer Journalismus und damit eine der wichtigsten Aufgaben einer Zeitung. Dass wir seltener darüber berichten, dass Menschen krank ins Krankenhaus kommen und es wenig später gesund wieder verlassen, ist keine böse Absicht. Es liegt einfach daran, dass das jeden Tag vorkommt und deshalb aus unserer Perspektive keinen großen Nachrichtenwert hat. Die Perspektive der Betroffenen freilich ist eine ganz andere, und deshalb geben wir an dieser Stelle gerne wieder, was uns Jutta Clausen aus Süderfahrenstedt erzählte, als sie gestern in der Redaktion anrief. Sie erlitt im vergangenen Herbst einen Herzinfarkt. Schon wenige Minuten später stand der DRK-Rettungswagen vor ihrer Tür. Die Sanitäter kümmerten sich liebevoll um sie und fuhren sie ins Krankenhaus. Drei Tage lag sie auf der Intensivstation - wieder liebevoll umsorgt von Schwestern und Ärzten. Nach zwei Wochen konnte sie das Krankenhaus verlassen. "Für mich ist das wie ein zweiter Geburtstag", sagte Jutta Clausen und fragte uns, ob die Zeitung so etwas nicht auch einmal berichten könne. Wir können! Gern geschehen.

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