zur Navigation springen

Schleswig : Seltene Krebse gedeihen in der Schlei

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der europäische Edelkrebs ist vom Aussterben bedroht – die Holmer Fischer aber finden ihn immer häufiger in ihren Netzen.

von
erstellt am 20.Apr.2017 | 16:53 Uhr

Jörg Nadler kann sie nicht mehr hören – die Meldungen von der schlechten Wasserqualität in der Schlei. Der Holmer Fischer ist sich sicher: Der Schlei geht es gut – und sie wird von Jahr zu Jahr sauberer. In den Händen hält er zwei Edelkrebse. Sie sind für ihn der Beweis dafür, dass er richtig liegt mit seiner Einschätzung. „Der europäische Edelkrebs reagiert sehr sensibel auf Gewässerverschmutzung“, sagt Nadler. Vor 14 Jahren ging ihm zum ersten Mal ein solcher Krebs ins Netz. Das war im Mündungsgebiet der Füsinger Au – und damals war dieser Fang eine echte Seltenheit. Doch die Krebse wurden von Jahr zu Jahr mehr. Inzwischen findet er fast in jeder Woche Exemplare in seinen Netzen – und das nicht nur an der Füsinger Au, sondern auch vor Fahrdorf und vor dem Gelände der ehemaligen Zuckerfabrik.

Nadler setzt jeden Krebs zurück ins Wasser. Denn die Tiere sind streng geschützt. Sie stehen auf der Roten Liste – und zwar in der Kategorie 1 („Vom Aussterben bedroht“). Die einstmals in fast ganz Europa verbreiteten Krebse sind so selten, dass manche Fachleute Nadler anfangs nicht glauben wollten, dass er wirklich echte europäische Edelkrebse fängt. Könnten es nicht auch amerikanische Flusskrebse sein? Die sehen so ähnlich aus – und reagieren weit weniger empfindlich auf Wasserverschmutzung. Sie waren seit Ende des 19. Jahrhunderts in Europa angesiedelt worden – und hatten Krankheiten übertragen, an denen viele der heimischen Krebse eingegangen sind.

Jörg Nadler aber war sich von Anfang an sicher. Der Fischer kannte diese Krebse aus seiner Lehrzeit am Niederrhein, als er an einem Auswilderungsprojekt beteiligt war. Schließlich fand er einen Wissenschaftler des Thünen-Instituts, dem bundeseigenen Forschungszentrum für Landwirtschaft und Fischerei. Der Wissenschaftler entnahm einem der von Nadler gefangenen Krebse eine Genprobe und testete sie. Das Ergebnis war eindeutig: Es war ein echter europäischer Edelkrebs.

Wenn Jörg Nadler heute Vormittag mit seinem Boot wieder vor der „Strandhalle“ festmacht, um direkt von Bord frische Heringe zu verkaufen, dann kann es sein, dass er auch wieder in einem Bottich ein oder zwei dieser Krebse dabei hat. Anschließend wird er sie wieder zurückbringen an die Stelle, an der er sie gefangen hat. Seinen Kunden präsentiert er die Krebse gern. Denn viele von ihnen, sagt er, seien verunsichert von den Berichten über Faulschlamm und Badeverbote. „Es gibt auch andere Indikatoren dafür, dass die Wasserqualität besser wird“, sagt Nadler. „Zum Beispiel die zunehmende Sichttiefe.“ Tatsächlich senkt die Überdüngung aus der Landwirtschaft – das größte Problem der Schlei – zwar den Sauerstoffgehalt. Industrieabwässer werden aber praktisch gar nicht eingeleitet. Alle Untersuchungen bestätigen regelmäßig, dass man die in der Schlei gefangenen Fische bedenkenlos verzehren kann.

Jörg Nadler hofft, dass eines Tages auch die Flusskrebse, die er fängt, auf dem Teller landen können. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Die Tiere müssen sich noch gewaltig vermehren, ehe sie von der Roten Liste gestrichen werden können. Wie er sie dann zubereiten würde, das weiß Nadler schon. „Ich habe zu Hause alte schwedische Kochbücher mit sehr leckeren Krebsrezepten.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen