Erdbeeren aus Böel : Selbst pflücken macht am meisten Spaß

Das geht ratzfatz: Volker Kraack pflückt immer gleich vier Kilo Erdbeeren.
Foto:
1 von 2
Das geht ratzfatz: Volker Kraack pflückt immer gleich vier Kilo Erdbeeren.

Die Erdbeerernte kann auch zum Gemeinschaftserlebnis werden.

shz.de von
04. Juli 2015, 07:10 Uhr

Unübersehbar ist die Erdbeerzeit auf ihrem Höhepunkt. Kaum ein Gourmet hat es unterlassen, sich in den letzten Tagen mit den roten Edelfrüchten zu verwöhnen. Nach einem Einstiegshoch sind auch die Preise auf dem Vorjahresniveau, und bewusste Verbraucher kaufen ihre Erdbeeren bei heimischen Erzeugern. Diese bieten sie in Verkaufsständen – gerne in Erdbeerform – an der Straße an.

Und nicht wenige Endverbraucher holen sich ihre Früchte direkt vom Feld. Eines dieser Felder befindet sich in Böel. Auch hier steht ein Verkaufsstand. Doch wird nur selten Ware im Körbchen verkauft. „Die meisten Käufer pflücken selbst“, erklärt Verkäufer Frank. Für ihn ist der Preis das Argument. Denn ein Kilo Erdbeeren, das abgepackt 6,50 Euro kostet, erhält der Selbstpflücker für 2,50 Euro.

Und das ist leicht verdientes Geld, hat Hans-Werner Michelsen aus Struxdorf festgestellt. Denn für die drei Kilogramm, die er mitnimmt, hat er sich nach eigener Angabe gerade einmal eine Viertelstunde lang bücken müssen. Den Discountern erteilt er eine rüde Absage: „Erdbeeren hole ich mir vom Feld. Das haben wir früher schon als Kinder gemacht.“ Auch beim Genuss ist er puritanisch. Die Erdbeeren werden mit Milch und Zwieback oder als Beilage zum Eis gegessen.

Volker Kraack ist zum vierten Mal in diesem Jahr zum Pflücken da. Jeweils vier Kilogramm nimmt er mit. „Das geht ratzfatz, dann ist der Korb voll“, hat er festgestellt. Und die Erdbeeren schmeckten „dreimal so gut wie aus dem Geschäft“. Nach dem Pflücken bleibt er meist noch. Denn er kennt die Leute hinter dem Tresen und die meisten anderen Pflücker. „Man trifft sich und schnackt miteinander“, erzählt er.

Für Erika Hornecker aus Süderbrarup ist das pädagogische Element wichtig. Sie kommt mit Ehemann Dieter und ihren Enkeln zum Pflücken. Anschließend wird Marmelade gekocht. „So lernen die Enkel den Ursprung des Lebensmittels kennen und nehmen einen gesunden Brotaufstrich mit nach Hause“, meint sie.

Für Verkaufsbetreuerin Silvia Böttger ist Erdbeerpflücken eine lustbetonte Freizeitbeschäftigung. „Wer es zum ersten Mal macht, ist überrascht, wie viel Spaß es macht“, hat sie beobachtet. Der Vormittag sei „Rentnerzeit“. „Die treffen sich hier und reden viel miteinander. Manchmal bilden sich auch kleine Gruppen, die schon fast Vereinscharakter haben.“

Am Nachmittag kommen überwiegend Mütter mit Kindern. Naschen ist während des Pflückens durchaus erlaubt. „Die Kinder haben hinterher mehr im Bauch als im Körbchen – und noch mehr im Gesicht“, lacht Silvia Böttger. Für die Mütter sei es eine Zeit ohne Stress. Man ist in der Natur, weit weg vom Straßenverkehr. Das Gelände auf hunderte Meter hinweg einzusehen. Und mit viel Glück kann man auch mal einen Hasen oder ein Reh beobachten. Es gibt sogar Mütter, die eine Decke und einen Picknickkorb mitbringen.

Und Kindern gegenüber ist man großzügig. „Sie sind die Kunden von morgen“, verrät Böttger. In einer besonderen Aktion hat der Betrieb die beiden benachbarten Kindergärten eingeladen. Die Kinder dürfen kostenlos so viel naschen wie sie wollen und nachher sogar noch ein Schälchen mit nach Hause nehmen. „Aber nur, wenn sie die Erdbeeren selbst gepflückt haben“, erklärt die Verkaufsleiterin kategorisch.



zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen