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Bergenhusener Original : Seit Jahren ohne Stromanschluss: „Ohne Strom to leven, is nich schlimm“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Hans Ingwersen ist von Beruf Stromwärter - aber sein Haus hat keinen Stromanschluss. Sein Fernseher läuft trotzdem.

shz.de von
erstellt am 02.Mai.2017 | 18:06 Uhr

Für Hans Ingwersen beginnt der Tag etwas anders als bei anderen Menschen. Nach einer heißen Dusche die Kaffeemaschine anstellen, Butter, Käse, Wurst und frische Milch aus dem Kühlschrank holen und dann während des gemütlichen Frühstücks die neuesten Nachrichten im Radio verfolgen - so läuft das nicht auf dem Bauernhof im Bergenhusener Ortsteil Külken (Kreis Schleswig-Flensburg). Hans Ingwersen lebt nämlich ohne Stromanschluss.

Der 63-Jährige besitzt einen 25 Hektar großen Bauernhof und hält in Ammenkuhhaltung 72 Rinder. Im Sommer weiden diese auf den Dauergrünflächen. „Einen Spatenstich tief und ich stoße auf Grundwasser“, so Ingwersen, der hauptberuflich als Stromwärter beim Eider-Treene-Wasserverband beschäftigt ist. Das kombinierte Wohn- und Stallgebäude brannte im Jahre 1900 ab und wurde zwei Jahre später wieder aufgebaut. Sein Vater Thomas Ingwersen erwarb den Hof in dem Jahre 1962. „Ein Telefonanschluss war vorhanden“, erinnert sich der 63-Jährige. Als sein Vater sich um einen elektrischen Stromanschluss bemühte, hieß es lapidar von der Schleswag, dem damaligen Energieversorger, es sei für die Leitung ein Eigenanteil von 100.000 Mark hinzublättern. Diese Summe konnte er nicht aufbringen. Strom war seitdem kein Thema mehr im Haus.

Heute bewohnt Ingwersen drei Räume. Beheizt werden die von einem Ofen von der Küche aus, der mit Holz befeuert wird. In Küche und Wohnzimmer befinden sich zudem mit Gas betriebene Lampen. „An einem Heiligabend war plötzlich das Gas alle, und wir haben uns mit Kerzenlicht beholfen“, erinnert sich der Hausherr. In diesem Zusammenhang berichtet er auch von seinem mühsamen Fußweg zur Bergenhusener Schule: „Dreieinhalb Kilometer musste ich bei Regenwetter den Pfützen übersäten Weg gehen.“

Hier kommt die gute alte Brotschneidemaschine  zum Einsatz.

Hier kommt die gute alte Brotschneidemaschine  zum Einsatz.

Foto: lat
 

Ganz von der Außenwelt abgeschnitten ist Ingwersen allerdings nicht. Er hat sogar einen kleinen Fernseher Um den in Betrieb zu nehmen, wird er an eine Autobatterie geklemmt. Aber auf den Fernseher ist Ingwersen nicht wirklich angewiesen. „Ich genieße einfach die weite Natur und habe mit meinen Tieren genug Abwechslung“, schwärmt er. Die Rinder benötigen viel Zeit. „Ich habe einen eigenen Brunnen und muss jeden Tag zwei Stunden das Notstromaggregat anwerfen, um den Druckkessel mit Wasser zu befüllen.“

Das Wasser schmecke leicht salzig, aber „es ist einwandfrei und wird auch von mir genutzt“. Die Abwässer werden von einer Fachfirma entsorgt. Auch an dem Gebäude und seinem Maschinenpark ist dauernd etwas zu tun. „Mein Handy wird von der Autosteckdose aufgeladen, und wenn leer, dann leer“, so sein Resümee.

Eines muss er sich aber eingestehen: Seine Lebenspartnerin lebt in Bergenhusen und ist nicht gewillt, nach Külken zu ziehen. „Ich besuche sie regelmäßig und lasse dort meine Batterien aufladen“, bekundet er. Aber ihre kleinen Enkelkinder sind gern auf dem Bauernhof. „Die können sich in meinem Wohnzimmer austoben und ich brauch’ keine Angst zu haben, dass sie in eine Steckdose greifen“, schmunzelt Ingwersen.

Freunde haben ihm zu Weihnachten eine Kuhglocke geschenkt. „Die muss ich noch draußen neben der Haustür anschrauben, damit ich hören kann, wenn Besuch kommt“, betont er. „Ohne Strom to leven, is nich schlimm“, lautet das Fazit von Hans Ingwersen, „dat givt so veel Elend op de Welt und so lang ick gesund bin, bliev ick hier.“

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