Freiwillige Feuerwehr Freienwill : Seit 75 Jahren bei der Feuerwehr – und die Uniform sitzt noch

„Die Uniform brauche ich noch“: August Andresen (2.v.l.) wurde für 75 Jahre Mitgliedschaft in der Feuerwehr ausgezeichnet.
„Die Uniform brauche ich noch“: August Andresen (2.v.l.) wurde für 75 Jahre Mitgliedschaft in der Feuerwehr ausgezeichnet.

August Andresen wurde 1943 Mitglied der Feuerwehr. Mit 91 Jahren ist noch lange nicht Schluss.

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06. Juli 2018, 16:35 Uhr

Freienwill | Einmal im Jahr lädt die Freiwillige Feuerwehr Freienwill (Kreis Schleswig-Flensburg) noch ihre Altersriege zur Übung ein. „Aber mit Üben ist da nicht mehr viel“, sagt August Andresen, „meistens wird nur gegrillt und geschnackt. Aber das ist auch gut so.“ Wenn die Feuerwehr ruft, ist August Andresen sofort dabei. Er wird dann aus dem Haus Tannenhof in Sörup abgeholt – und steht wenig später fast zwangsläufig im Mittelpunkt seiner Kameraden. Nicht nur, weil er lange Wehrführer war, Ehrengemeindewehrführer und inzwischen 91 Jahre alt ist. Er ist auch seit 75 Jahren Mitglied der Truppe, die für ihn so etwas wie eine zweite Familie ist.

„Ich bin 1943 in die damalige Feuerwehr Kleinsolt-Kleinwolstrup eingetreten. Die Männer waren ja alle im Krieg, also mussten die Jungen ran“, sagt er. Die Karriere bei der Feuerwehr und die Tischlerlehre im väterlichen Betrieb schienen zunächst von kurzer Dauer zu sein, denn auch der junge August Andresen wurde noch eingezogen. Nach einem Jahr Krieg in Russland und kurzer Gefangenschaft kehrte er zurück nach Kleinwolstrup. 1954 übernahm er die Tischlerei. Er baute vornehmlich Treppen, ruinierte sich mit der Arbeit an Fußböden seine Knie – und war immer Feuerwehrmann.

Auf dem Kopf schwarz angemalte Wehrmachtshelme

In den ersten Jahren nach dem Krieg mit minimaler Ausrüstung. Wenn es brannte, kamen die Retter in Alltagskleidung, auf dem Kopf schwarz angemalte Wehrmachtshelme und als Ausrüstung eine Handpumpe. „Später hatten wir einen Hänger. Und weil der Kaufmann ein Auto mit Anhängerkupplung hatte, konnten wir schon einiges mitnehmen“, erzählt August Andresen. Noch besser wurde es, als die Gemeinde einen gebrauchten VW-Bus spendierte, der in Eigenleistung feuerwehrgerecht ausgebaut wurde.

Für den selbstständigen Handwerker gab es damals viel zu tun – aber wenn Alarm ausgelöst wurde, hatte immer die Feuerwehr Vorrang. „Rock und Stiefel hingen immer an der Garderobe, da musste ich nur reinschlüpfen.“ Das Auslösen des allgemeinen Alarms war sogar Familiensache. „Dann ist meine Frau immer zu einem Nachbarn gerannt, auf dessen Haus die Sirene stand. Da hat sie dann auf den Knopf gedrückt.“

Seine Frau ist inzwischen verstorben. Mit seinen beiden Kindern, beide im Rentenhalter, und der älteren Schwester, die noch jede Woche aus einem benachbarten Altenheim zu Besuch vorbeikommt, pflegt August Andresen noch regelmäßig Kontakt. Dennoch sagt er: „Die Feuerwehr war mein Leben.“ Genauer wäre sicher: „Die Feuerwehr ist mein Leben.“

Feuerwehr-Uniform passt noch immer

Immer noch schwärmt er vom Zusammenhalt der Kameraden, vom Engagement für das Dorf, von den vielen Lehrgängen, die er besucht hat, und erinnert sich noch an den Großbrand in der Flensburger Brauerei, bei der seine Wehr zu den Löscharbeiten gerufen wurde. Und er ist dankbar dafür, dass seine Kameraden ihn nicht vergessen haben. Das schafft Verbundenheit.

Als der Umzug ins Altenheim anstand, stellte er unmissverständlich klar, dass die Feuerwehr-Uniform mit musste. „Die brauche ich noch“, sagte er. Einfach in Zivil zu den Versammlungen gehen? Das kommt für ihn nicht in Frage. „Und die passt immer noch. Eine Zeit lang wurde es ziemlich eng, aber seitdem esse ich abends nichts mehr.“ Die Disziplin ist auch im Alter noch vorhanden.

Die Nieren sind zwar nicht mehr in Ordnung und die Knie schmerzen häufig – aber das akzeptiert August Andresen. Wenn er erzählt, strahlen seine Augen. „Es ist, wie es ist. Man muss das Beste daraus machen. Ich bin zufrieden.“ Diese Sätze wiederholt er immer wieder – und sie sind nicht einfach so dahingesagt. August Andresen strahlt Humor und Vitalität aus. Er lobt nicht nur die Kameraden, sondern auch das Leben im Haus Tannenhof. „Ich bin zufrieden“, sagt er noch einmal auf dem Weg auf die sonnige Terrasse.

Und er freut sich jetzt schon auf die nächste Übung.

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