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Kleingärtnerverein feiert Jubiläum : Seit 70 Jahren Kropps „grüne Lunge“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

46 Parzellen bieten Lebensraum für Mensch und Natur sowie einen Ort für mögliche Integration.

In Kropp könnten Kinder noch sehen, dass Gemüse nicht bei Aldi oder Lidl angebaut werde, sagte Hans-Dieter Schiller anlässlich des 70. Geburtstags des Kleingartenvereins. „2017 ist das Jahr der Jubiläen“, fuhr der Vorsitzende des Landesverbands der Gartenfreunde fort – am Wochenende zuvor sei er in Büsum gewesen. Nun war Kropp an der Reihe, wo 50 Gäste zur Feier im Gesellschaftshaus „Tanz und Spaß“ gekommen waren.

Wie andernorts sei die Kropper Kleingartenanlage nach dem Zweiten Weltkrieg aus der Not heraus entstanden, erzählte der Vereinsvorsitzende Harald Böwes. Angesichts der schlechten Versorgungslage und vieler Flüchtlinge aus den deutschen Ostgebieten waren die kleinen Anbauflächen für Obst und Gemüse sehr wichtig. Am 25. März 1947 folgte der Eintrag ins Vereinsregister als „Kleingartenbauverein Kropp und Umgebung“. Gründungsväter waren der Vorsitzende Hermann Mumme, Stellvertreter Willi Wallatis und Kassenwart Fritz Szepanski. Die letzten beiden Ämter haben heute Bernd Jessen und Klaus-Dieter Schimmack inne.

„1951 hatte der Verein 135 Mitglieder“, so Böwes. Diese stattliche Zahl sei danach nie wieder erreicht worden. Anfangs gab es übrigens zwei Kleingärten: 59 Parzellen auf der „Schlethkoppel“ zwischen Süderstraße und Hufeisenweg, 32 im Bereich der heutigen Schulkoppel. Bereits in den 60er-Jahren waren sie wieder Geschichte, da die Gemeinde Platz benötigte und an gleicher Stelle ein Wohngebiet sowie die Bundeswehrsiedlung baute. Es entstand eine neue Kleingartenanlage zwischen der Straße „Im Busch“ und „Möhlensoll“.

1985, der Name lautete inzwischen „Kleingartenverein Kropp“, mussten die Parzellen erneut einem Neubaugebiet weichen, dem Blumenviertel. Auf einer 14  100 Quadratmeter großen Fläche zwischen „Rosenstraße“ und „Im Busch“ wurde die neue, bis heute bestehende Kleingartenanlage mit 46 Parzellen angelegt. „Zurzeit sind alle verpachtet, drei Interessenten stehen auf der Warteliste“, sagte der Vorsitzende nicht ohne Stolz. Denn viele Kleingärten im Land haben mit sinkender Nachfrage zu kämpfen.

Kropps Bürgermeister Stefan Ploog hob eine weitere Leistung des Vereins hervor: Mehr als ein Drittel der 50 Mitglieder hat einen Migrationshintergrund. „Ohne Aufhebens leisten Sie einen Beitrag dazu, Menschen aus Armenien, Polen, Russland, Syrien und der Türkei zu integrieren“, sagte er. Zudem gratulierte er zum zweiten Platz, den die Kropper im landesweiten Wettbewerb „Garten Total“ um die schönste Kleingartenanlage erreicht hatten.

War der Kleingarten nach dem Krieg eine „unverzichtbare Quelle des Überlebens“, habe sich das Bild gewandelt, meinte Martin Carstens, Vorsitzender des Kreisverbandes Schleswig-Flensburg. „Heute möchten Menschen Selbsterzeugtes essen, weil es schmeckt“, erklärte er. Zudem helfe die Pflanzenvielfalt der Gärten gerade Bienen, denen die Monokultur der Landwirtschaft schaden würde. „Die Kleingartenanlage bietet Lebensraum für Mensch und Natur“, meinte Hans-Dieter Schiller.

Während die Ehrengäste Geschenke mitbrachten, darunter den Zuschuss für einen Bollerwagen, den sich der Verein für den Generator anschaffen möchte, gingen sie selber auch nicht leer aus. „Wir sind durch die Gärten gegangen und haben gesammelt“, präsentierte Harald Böwes frisches Gemüse als „kleine Wegzehrung“. Man wolle die grüne Lunge Kropps pflegen, so dass sich auch Spaziergänger weiter an ihr erfreuen könnten, schloss er.

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