Erst Soldat, dann Urlauber : Seit 50 Jahren verliebt in Schleswig

Heino Brockhage (72) mit dem Fotoalbum, in dem er zahlreiche Bilder von seiner Soldatenzeit in Schleswig aufbewahrt.
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Heino Brockhage (72) mit dem Fotoalbum, in dem er zahlreiche Bilder von seiner Soldatenzeit in Schleswig aufbewahrt.

Heino Brockhage verbrachte seinen Wehrdienst in der Kaserne auf der Freiheit – und kehrt seitdem immer wieder an die Schlei zurück.

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31. August 2018, 18:31 Uhr

Luftsprünge machte Heino Brockhage nicht gerade, als er Anfang 1966 erfuhr, wo er seinen Wehrdienst absolvieren sollte. Das Pionierbataillon 718 auf der Freiheit in Schleswig sollte es werden. „Mit dem Begriff Freiheit im Zusammenhang mit der Bundeswehr konnte ich damals nicht viel anfangen“, sagt er. Eineinhalb Jahre später, als er die Kaserne wieder verließ, war er schlauer – und verliebt. In Schleswig. So sehr, dass der Bremerhavener seither jedes Jahr zurückkommt an die Schlei. „Wir brauchen kein Mallorca, wir machen viel lieber in Schleswig Urlaub. Hier fühlen wir uns wohl, hier finden wir Ruhe“, sagt Brockhage, der seine Frau Karin längst mit dem Schleswig-Virus infiziert hat.

Rückblick: Im April 1966 kehrte Brockhage zum ersten Mal in seinem Leben dem wohlbehüteten Elternhaus den Rücken. Nun stand er als 19-Jähriger gemeinsam mit zahlreichen weiteren jungen Männern am Schleswiger Bahnhof und hatte keine Ahnung, was da auf ihn wartete. „Das erste Vierteljahr in der Ausbildungskompanie war hart und gewöhnungsbedürftig. Befehl, Gehorsam, Unterordnung aber auch kameradschaftliches Grunddenken beherrschten damals unseren Tagesablauf“, sagt der heute 72-Jährige. Die Stadt Schleswig hat er damals in erster Linie zu Fuß kennengelernt. Und zwar auf dem Weg zur Post und zurück. Denn da konnte man telefonieren. „Man meldete ein Ferngespräch nach Bremerhaven an, wartete dann auf einer Bank mit Gleichgesinnten und wurde dann in einer Einzelkabine durchgestellt“, erinnert er sich. Erschwert wurde diese Prozedur dadurch, dass seine Eltern kein eigenes Telefon hatten und dann zu verabredeten Zeitpunkte in ein Geschäft in der Nachbarschaft gehen mussten, um mit ihrem Sohn sprechen zu können.

Das ist nur eine von unzähligen Anekdoten, die Brockhage mit seiner Schleswiger Bundeswehrzeit verbindet – und die zusammen den Grundstein dafür legten, dass er bis heute an der Stadt hängt. „Ich bin Schleswig sehr dankbar für die vielen schönen Erinnerungen. Etwa mein erster Heiligabend, den ich nicht mit meinen Eltern verbracht habe.“

Stattdessen musste er damals Dienst schieben in dem kleinen Wachhaus am Eingang zum Kasernengelände. Dass dies inzwischen abgerissen wurde, hält er für einen Fehler. Insgesamt habe „meine Freiheit“, wie er betont, inzwischen ein Gesicht bekommen, das ihm nicht gefällt. Die modernen Bauten, die allein der Gewinnmaximierung dienten, würden seinen Geschmack nicht treffen. Seine Liebe zu Schleswig hält aber auch das aus. „Es gibt ja noch den Holm, den Dom und so viele andere schöne Ecken.“ Und nicht zuletzt möge er den Menschenschlag, den man nur hier antreffen würde. „Die Leute sind immer freundlich und offen. Das fällt schon auf“, sagt Brockhage, der unter anderem Buchautor und Schiffsexperte ist und sich selbst als „Vortragskapitän“ bezeichnet. Natürlich segelt er auch selbst gern. Das hat er übrigens vor 50 Jahren gelernt – auf der Schlei.

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