Kibis im Lollfuss : Seit 30 Jahren ein Rettungsanker

Anja Richter-Peill (l.) und Sabine Bogner (r.) freuen sich mit Birgitt Uhlen-Blucha vom Paritätischen Wohlfahrtsverband (Träger der Einrichtung) auf den Tag der offenen Tür, der am Europäischen Tag der Nachbarn stattfindet. Diese sind entsprechend ganz besonders eingeladen.
Anja Richter-Peill (l.) und Sabine Bogner (r.) freuen sich mit Birgitt Uhlen-Blucha vom Paritätischen Wohlfahrtsverband (Träger der Einrichtung) auf den Tag der offenen Tür, der am Europäischen Tag der Nachbarn stattfindet. Diese sind entsprechend ganz besonders eingeladen.

Die Selbsthilfe-Kontaktstelle Kibis feiert ihren runden Geburtstag am Freitag mit einem Tag der offenen Tür.

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23. Mai 2018, 07:00 Uhr

Am Anfang, sagt Sabine Bogner, hätten insbesondere viele Mediziner kritisch beäugt, was da im Lollfuß 48 ins Leben gerufen wurde. Ein Gebäude, in dem Selbsthilfegruppen Ansprechpartner und ein Zuhause finden? Das hatte es bis dahin nicht gegeben. Und wieso sollte man den Menschen dort besser helfen können als in einer Praxis? Inzwischen hat sich die Einstellung komplett geändert. Heute werden Betroffene oft vom Arzt direkt verwiesen an Kibis – der Kontakt-, Informations- und Beratungsstelle im Selbsthilfebereich. Diese ist längst zu einer Institution in Schleswig geworden. Am Freitag nun feiert sie ihr 30-jähriges Bestehen mit einem Tag der offenen Tür.

Angefangen hat es im Rahmen eines Modellprojektes des Bundesfamilienministerium im Jahr 1988 mit 30 Gruppen. Alkoholkranke Menschen, Rheumapatienten oder solche, die sich nach einem Schlaganfall mit anderen Betroffenen austauschen wollten, fanden sich hier unter der Trägerschaft des Paritätischen Wohlfahrtverbandes zusammen. „Inzwischen hat sich das Spektrum deutlich erweitert“, sagt Bogner, die von Anfang an als Organisatorin dabei war. Aktuell betreut die Kontaktstelle rund 120 Selbsthilfegruppen im gesamten Kreisgebiet. Allein 32 davon treffen sich regelmäßig im Haus im Lollfuß 48. In den 30 Jahren unterstützte Kibis bislang 266 Gruppen beim Aufbau und der Betreuung, bei der Öffentlichkeitsarbeit oder bei gruppenspezifischen Problemen. Im Schnitt nehmen 13 Personen an den Treffen teil. „Es ist für mich auch nach all den Jahren noch immer erstaunlich, wie viel Kraft sich die Menschen gegenseitig geben können“, sagt Bogner, die den Austausch von Gleichgesinnten nach wie vor für ein gutes Mittel hält, um Probleme zu lösen. Längst stünden dabei nicht mehr nur medizinische Themen im Mittelpunkt, sondern auch gesellschaftliche wie etwa Einsamkeit.

Aus der Selbsthilfe-Kontaktstelle hat sich im Lollfuß im Laufe der Zeit noch viel mehr entwickelt: 2007 wurde hier unter dem Namen „Tilo“ (Treff im Lollfuß) ein Mehrgenerationenhaus eingerichtet, dessen Herzstück das Café bildet. Viele Teilnehmer aus Selbsthilfegruppen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr voll arbeitsfähig sind, engagieren sich hier ehrenamtlich. Hinzu kommen zahlreiche regelmäßige Angebote wie etwa das Repair-Café, das Sonntagsfrühstück mit Live-Musik oder die Treffen des Schleswiger Tauschrings. „Hier treffen sich Jung und Alt, ganz unterschiedliche Menschen aus allen Schichten kommen hier zusammen. Das macht dieses Haus so lebendig“, sagt Bogners Kollegin Anja Richter-Peill. Beide sind – nicht nur mit Blick auf die guten Besuchszahlen – überzeugt davon, dass im Lollfuß 48 seit 30 Jahren eine echte Erfolgsgeschichte geschrieben wird. „Am Anfang wurden wir belächelt. Gerade dem Mehrgenerationenhaus haben viele keine Chance gegeben. Inzwischen wissen wir: Es funktioniert“, schwärmt Bogner.

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