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Fitness in den Dörfern : Schwitzen mit dem Zumba-König

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Latino-Tänze, Fitness und Fröhlichkeit: Mario Ogando aus der Karibik bietet in zahlreichen Dörfern seine Kurse an. Der 50-Jährige hat Zumba im Blut – und will damit am liebsten niemals aufhören.

shz.de von
erstellt am 21.Jan.2014 | 07:45 Uhr

Wenn eine Tanzlehrerin aus Flensburg in den 90er Jahren nicht in die Dominikanische Republik gereist wäre, im „Riu Palace“ in Punta Cana keine Salsa-Stunde bei Mario Ogando genommen und sich dabei nicht in den lebensfrohen Mittelamerikaner verliebt hätte, dann wäre das „Zumba“ bei uns im Kreis jetzt wohl nicht so originell vertreten. Nach einigen Jahren in der tropischen Ferne, in der Hauptstadt Santo Domingo, nahm jene Dame, die inzwischen Bente Jensen de Ogando heißt, ihre große Liebe mit nach Flensburg. „Ich habe Zumba im Blut, und ich mache das, bis ich nicht mehr kann“, sagt der durchtrainierte 50-Jährige, den man leicht auf Mitte 30 schätzen könnte. „Mueve la pompa …wenn kleine Dörfer große Partys feiern“, mit Sätzen wie diesen lockt Ogando, der in der Karibik als Tanzlehrer, Tänzer, Fitness-Trainer und Choreograph arbeitete, Menschen in seine Kurse, ob in Flensburg, Sillerup, Glücksburg, Gelting, Husby oder Streichmühle.

Hinter dem exotisch klingenden Wort mit den fünf Buchstaben steckt ein Konzept, das in den 90er Jahren in Kolumbien erschaffen wurde und Fitness-Übungen vor allem mit lateinamerikanischen Tänzen kombiniert. Ogando macht vor – und alle machen’s nach. Er arbeitet mit den Sportvereinen vieler Gemeinden zusammen, steht deshalb meist bei lauter Latino-Musik in einer Sporthalle, ganz oben auf einem Podest. „Dann können alle meine Füße besser sehen“, erklärt er. Zumba bestehe zu 30 Prozent aus Fitness-Übungen und zu 70 Prozent aus Tanzen: Ob Salsa, Reggaeton oder Merengue – Tänze wie diese fließen in sein Programm ein, „das ist wie für mich gemacht“, sagt er. „Salsa kenne ich, seit ich ein Baby war. Wo ich herkomme, wächst man mit Musik auf.“

Als Jugendlicher hat Ogando in seiner Heimat als Handwerker gearbeitet, doch das sei gar nicht sein Ding gewesen. Mit 17 besuchte er zum ersten Mal eine Tanzschule – und seitdem hat er nie damit aufgehört. „Es ist mein Traumjob, mein Leben ist das Tanzen.“ Ogando hat auch eine Ballett-Ausbildung, beherrscht außerdem Afro- und Modern-Dance. Einen Aspekt des „Zumba“ schätzt er besonders: die Gemeinschaft. „Das ist die Idee der Erfinder. Es hat sich weltweit eine richtige Zumba-Gemeinschaft entwickelt.“ Aber auch in den Kursen zähle das Zusammengehörigkeitsgefühl ungemein. „Es ist mehr als nur Sport, und das macht Zumba so erfolgreich. In jeder Stunde herrscht eine ganz besondere, fröhliche Atmosphäre.“ Kein Wunder, denn die Hüfte kreist scheinbar im Dauer-Modus, der Po wackelt, die Arme stehen nie still – der ganze Körper ist in Action, ums Schwitzen kommt man auf keinen Fall herum.

Von der Karibik aus wollten Ogando und seine Frau eigentlich nach Gran Canaria, dort als Tanzlehrer arbeiten, „aber daraus wurde nichts“, erzählt Ogando. Also ging es in ihre Heimat Flensburg. Er lernte Deutsch, machte seine Zumba-Trainer-Scheine in Braunschweig und Hamburg. Ein guter Zumba-Trainer, sagt Ogando, müsse viel üben. „Ich trainiere jeden Tag – und ich höre immer die Musik.“ Vor allem müsse man die Teilnehmer animieren und führen können, „auch die, die nie zuvor getanzt oder trainiert haben“. Der größte Unterschied zu Aerobic: „Da sieht man gleich, dass es eine Übung ist, aber Zumba ist wie Tanzen, mit mehr Leichtigkeit, viel fließender.“ Man realisiere fast nicht, dass man ein Workout mache, baue aber Muskeln auf, verbessere die Kondition und verbrenne Fett. Jeder könne es machen. „Meine älteste Teilnehmerin ist über 70“, schwärmt er nahezu.

Ogando gibt zwar auch noch Salsa-Kurse, konzentriert sich aber voll und ganz auf Zumba, „weil ich damit viel erfolgreicher bin. Zumba ist zurzeit einfach der Renner“. Seine erste Stunde gab er 2011 in einem Fitness-Studio in Flensburg. 2001, als er nach Flensburg kam, wo er seitdem lebt, war Zumba so gut wie unbekannt. Er und seine Frau arbeiteten nur als Tanzlehrer, in Bente Jensen de Ogandos „Mobiler Tanzschule“. Heute ist Zumba in aller Munde, „und wir gehen hin, wo die Leute sind, von Ort zu Ort“, betont Ogando. In noch so kleinen Dörfern gibt er seine Power-Kurse. „Das finde ich sehr abwechslungsreich, eine feste Tanzschule wollten wir nie.“ In Husby stellte er 2013 seinen persönlichen Rekord auf: 92 Menschen besuchten seine Zumba-Stunde.

Ogando stammt aus einer armen Familie, sah das Tanzen in seiner Heimat seinerzeit als einzige Möglichkeit, etwas zu erreichen. „Ich habe sehr viele Jahre Tanzunterricht gegeben – aber ich habe nie so viele Leute in einem Raum gehabt wie beim Zumba.“




>Infos zu den Kursen (10er-Karte 75 Euro):

www.facebook.com/ZumbaFitnessMitMarioOgando


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