Schleswig : Schwimmen auf der Freiheit?

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Das Team Vivendi schlägt den Schleswiger Kommunalbetrieben einen Tausch vor: Kostenloses Grundstück im Stadtteil auf der Freiheitgegen Baurecht. Jetzt werden alle Optionen geprüft.

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12. April 2013, 09:59 Uhr

Schleswig | An der Schlei wird Freitag wichtiger Besuch erwartet. Wirtschaftsminister Reinhard Meyer wird sich ab 12.30 Uhr zwei Stunden lang im neuen Stadtteil Auf der Freiheit aufhalten. Thema ist die Besichtigung des Konversionsprojekts sowie die "Erörterung (von) Förderungsmöglichkeiten". Eingeladen dazu wurde er von den geschäftsführenden Gesellschaftern der Projektentwicklungsgesellschaft Team Vivendi, Volker Schlüschen und Dr. Jürgen Wernekinck.

Schon im Vorfeld hat der Ministerbesuch für ein Aufhorchen gesorgt - bei etlichen Ratsmitgliedern, aber auch bei Bürgermeister Thorsten Dahl. Manche fragen sich: Was will der Minister auf der Freiheit? Warum werden Rat und Verwaltung nicht eingebunden? Volker Schlüschen kann da eine Klarstellung geben: "Es geht uns um eine generelle Präsentation des Projekts. Wo gibt es Ansätze zu einer Förderung? Wir wollen die Fortschritte demonstrieren, aber auch zeigen, was wir noch geplant haben. Jedenfalls ist ein möglicher Standort der künftigen Schwimmhalle auf der Freiheit kein zentrales Thema."

Darf Bürgermeister Dahl zum Minister Meyer?

Auch Dr. Jürgen Wernekinck betont, dass "keinerlei Affront" gegenüber den Vertretern der Stadt beabsichtigt sei. Der Termin sei durch Vermittlung von Jost de Jager, dem früheren Wirtschaftsminister, zustande gekommen, und zwar erst nach seinem Rücktritt als CDU-Landeschef. Ob Bürgermeister Dahl, sozusagen protokollgerecht, noch nachträglich zum Ministerbesuch eingeladen wird, stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest.

Doch jenseits aller Zukunftsmusik: Wer derzeit in Schleswig über Baumaßnahmen auf der Freiheit spricht, gelangt sehr schnell zum Thema "Schwimmhalle". Das liegt auch daran, dass in dem kürzlich öffentlich vorgestellten Gutachten "zum Ausbau des Gesundheitsstandorts Schleswig" sehr deutlich der Neubau mit dem Platz an der Schlei verkoppelt wird. Auf Seite 101 seiner Expertise schreibt der Flensburger Fachhochschulprofessor Roland Trill: "Die gegenwärtige Diskussion (um das Stadtbad) sollte dazu führen, dieses auf dem Gelände ’Auf der Freiheit’ zu bauen."

Renovierung, Neubau und neuer Standort werden geprüft

Ob dieser Empfehlung gefolgt wird, ist allerdings noch lange nicht sicher. So stehen die Konsequenzen aus dem Trill’schen "Konzept" am 18. April in einem vom Schleswiger IHK-Resident Stefan Wesemann angeschobenen Gesprächskreis zur Diskussion; daran teilnehmen wird auch Ex-Damp-Chef und Gesundheitsexperte Dr. Carl Hermann Schleifer, der Schleswig durchaus Chancen im 2. Gesundheitsmarkt (Gesundheits-Tourismus) einräumt und den Neubau der Schwimmhalle für einen "möglicherweise wichtigen Baustein" hält.

Derzeit werden von den städtischen Kommunalbetrieben unter Geschäftsführer Wolfgang Schoofs immer noch "alle drei Optionen" geprüft: Renovierung, Neubau an altem Standort und Neubau auf der Freiheit. Die nach der Kommunalwahl mutmaßlich neu zusammengesetzte Ratsversammlung könnte auf der Basis der gesammelten Fakten frühestens Anfang September darüber entscheiden.

Erstmal kommt die alte Mühle

Quer durch alle Fraktionen zieht sich der Trend, für einen Neubau zu votieren. Die in den SN aufgezeigten Baumängel, aber auch das große Risiko bislang noch nicht entdeckter Schäden legen dieses Votum nahe. Der Standort "Freiheit" findet ebenfalls Sympathie - außer in der SPD-Fraktion, die sich für die bisherige Lokalität stark macht.

Unterdessen hat auch Team Vivendi den Ball "Schwimmhalle" aufgefangen. Am 8. April ging bei Schoofs ein bemerkenswertes Angebot der Freiheits-Entwickler ein, nachdem beide Seiten bereits am 12. März ein Sondierungsgespräch hatten. In dem Brief schlägt Team Vivendi diesen Tausch vor: Für die kostenfreie Überlassung eines Grundstücks von 3900 Quadratmetern zum Bau der Schwimmhalle würde man ein Baurecht am Schleiufer westlich der geplanten Mühle erhalten. Dieses Angebot muss noch nachgebessert werden, bevor sich die Kommunalbetriebe damit befassen: 5000 Quadratmeter sind wohl die Mindestgröße. Zudem sollen mit einem Boden-Gutachten Unwägbarkeiten am potenziellen Standortausgeschlossen werden.

Dabei gibt es auch klare Fakten auf dem großen Konversionsgelände. Dazu zählt, dass am Montagmorgen die Tieflader aus Holland anrollen, bepackt mit den Bauteilen für die Windmühle am Ufer der Schlei.

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