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Schleswiger Nachrichten

21. August 2017 | 20:41 Uhr

Schleswig : Schwierige Suche nach Schulleitern

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Gleich fünf Schulen steht im Sommer ein Führungswechsel bevor – aber nur am BBZ ist die Nachfolge bereits geregelt.

Hans Hermann Henken kann im Sommer beruhigt in den wohlverdienten Ruhestand gehen. Denn seine Nachfolge an der Spitze des Berufsbildungszentrums (BBZ) ist geregelt. Kirsten Lemke, die dort bislang unter anderem das Qualitätsmanagement verantwortet, wird zum neuen Schuljahr die Leitung der mit rund 4000 Schülern größten Bildungseinrichtung der Stadt übernehmen. „Das macht mich sehr froh“, sagt Henken, „denn ich möchte, dass die Schule gut weitergeführt wird.“ Und dafür sei eine ausreichende Einarbeitungszeit erforderlich. Denn das BBZ mit seinen 325 Mitarbeitern sei von der Größe her mit einem mittelständischen Betrieb vergleichbar. Deshalb habe man die Stelle bereits im Oktober ausgeschrieben. Kirsten Lemke sei die einzige Bewerberin gewesen, sagt Henken, der das BBZ seit 1999 leitet. Dass sie ihren Hut in den Ring werfen würde, sei allgemein bekannt gewesen und habe potenzielle Konkurrenten wohl von einer Bewerbung abgehalten.

Während am Berufsbildungszentrum also alles in trockenen Tüchern ist, gestaltet sich die Personalsuche andernorts schwieriger. In der Schleswiger Bildungslandschaft steht in diesem Sommer das große Stühlerücken an. Mit Domschule, Lornsenschule, Schule Nord und Peter-Härtling-Schule bekommen gleich vier weitere Einrichtungen einen neuen Leiter beziehungsweise eine neue Leiterin.

Nach dem BBZ am weitesten ist die Lornsenschule. Dort wählt der Schulleiterwahlausschuss Anfang Juni einen Nachfolger von Erdmut Fox, die das Gymnasium nach dann fünfeinhalb Jahren noch vor dem Eintritt in den Ruhestand auf eigenen Wunsch vorzeitig verlässt.

Weniger reibungslos verläuft der Generationswechsel an den anderen drei betroffenen Schulen, wo bereits die zweite beziehungsweise sogar dritte Ausschreibungsrunde (Schule Nord) läuft, weil bislang zu wenig qualifizierte Bewerbungen eingegangen sind. An der Peter-Härtling-Schule gilt es, den Posten der langjährigen Leiterin Heidemarie Koch neu zu besetzen. Sie tritt mit Ablauf des Schuljahres ebenso in den Ruhestand wie Domschul-Direktor Georg Reußner. „Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich das Verfahren bis ins nächste Schuljahr hineinzieht“, sagt Reußner über die Suche nach seinem Nachfolger. Dann würde zunächst sein Stellvertreter Karlheinz Einsle Schleswig-Holsteins ältestes Gymnasium kommissarisch leiten.

Und auch an der Schule Nord wird Heike Thiessen wohl länger als gedacht kommissarisch Leiterin bleiben. Sie hatte diese Funktion Anfang März nach dem Tod von Margitta Koerner übernommen. Die Chefin der Grundschule am Schützenredder war wenige Monate vor ihrem Ruhestand verstorben.

Ist die Leitung einer Schule nicht mehr interessant genug, wenn sich das Ausschreibungsverfahren so lange hinzieht? Manch ein Amtsinhaber klagt darüber, dass im Laufe der Jahre immer mehr (administrative) Aufgaben hinzugekommen sind. „Der Posten ist nicht attraktiver geworden“, findet etwa Georg Reußner, der die Domschule seit 1999 leitet. Viele Lehrer-Kollegen schrecke das ab.

Landesweit habe sich die Zahl der vakanten Führungsstellen in den vergangenen Jahren jedoch nicht signifikant verändert, erklärt Thomas Schunck, Sprecher des Kieler Bildungsministeriums. Dass eine Schulleiter-Position ein zweites, drittes oder gar viertes Mal ausgeschrieben werden müsse, komme immer wieder vor. Ob sich ein Lehrer für den Karrieresprung entscheide, hänge von vielen Faktoren ab und sei individuell zu betrachten. Auf jeden Fall, so Schunck, müssten Interessierte für sich die Frage beantworten, ob sie sich eher als Pädagoge oder als Manager fühlen. Denn für einen Schulleiter trete das reine Unterrichten in den Hintergrund.

„Und die Frage der Bezahlung spielt natürlich auch eine Rolle“, führt Schunck weiter aus. Die Stelle des Oberstudiendirektors an der Domschule zum Beispiel wird nach A  16 besoldet. Zum Vergleich: Der Mittelstufen- oder Oberstufenleiter an einem Gymnasium bekommt immerhin auch schon A  15– trägt aber weniger Verantwortung als sein Vorgesetzter.

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erstellt am 17.Mai.2017 | 07:15 Uhr

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