Aus der SN-Jugendredaktion : Schwierige Gespräche im Altenheim

Schüler und Senioren trafen sich zu einer Gesprächsrunde im Speisesaal.
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Schüler und Senioren trafen sich zu einer Gesprächsrunde im Speisesaal.

Beim Besuch der Klasse 8a der Domschule im „Feierabendhaus“ wurden Jung und Alt nur langsam miteinander warm.

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05. Juni 2014, 07:43 Uhr

„Das Herz eines Boxers“ – so lautet der Titel eines Jugendbuches von Lutz Hübner, mit dem sich die 8a der Domschule mit ihrem Deutschlehrer Robert Keil in den vergangenen Wochen auseinander gesetzt hat. Doch was hat das mit ihrem Besuch im Altersheim zu tun, mag sich manch einer fragen? Auf den zweiten Blick wird klar, dass es genau darum in dem Buch geht: Zwei Generationen kommen miteinander in Berührung. Der jugendliche Straftäter Jojo muss nämlich Sozialstunden im Altersheim ableisten und lernt dort den desillusionierten und ehemaligen Boxer Leon kennen.

So standen die Schüler nun also im lichtdurchfluteten Speisesaal im „Feierabendhaus“ in der Lutherstraße, um in dem von der Leiterin Elke Levin organisierten Treffen mit den betagten Damen und Herren ins Gespräch zu kommen und sich somit in die Lage ihres Roman-Protagonisten hineinzuversetzen. Eine der ersten Fragen, die Klassensprecher Jan Felix stellte, war, ob ein solcher Besuch denn etwas Neues für die Herrschaften sei. In der Antwort, dass es in der Vergangenheit Dialoge mit nur jeweils zwei Schülern gab und einzig über Themen wie die Hitlerzeit oder die persönliche Vergangenheit gesprochen wurde, schwang eine gewisse Erwartungshaltung mit: Offenbar sehnten sich die Senioren nach anderen Fragen von Seiten der Schulklasse. Trotzdem kam das Gespräch im Folgenden nicht wirklich in Gang. Beide Seiten schienen sich ein wenig suspekt zu sein – was auch daran lag, dass die Schüler ihren vor längerer Zeit erstellten Fragenkatalog nicht mehr parat hatten.

Deshalb musste ihr Lehrer im Verlauf dieser Begegnung immer wieder an die Schüler appellieren, eigene Fragen zu entwickeln, nachdem er selbst die Älteren beispielsweise nach Dingen gefragt hatte, die sie von den Jugendlichen unterscheiden. In diesem Zusammenhang fiel auch der Begriff Smartphone. Dazu bemerkte Pensionist Herr Marten ganz trocken, „dass die Zeit viel zu schnell vergeht, als dass man sich überhaupt mit solchen Dingen beschäftigen kann“. Auf eine der wenigen Fragen von Schülerseite, nämlich ob es denn auch vegetarisches Essen gebe, reagierten die Älteren eher ein bisschen verstört – ein Beispiel für die Differenzen zwischen den Generationen. Dementsprechend lauteten die Antworten: „Vegetarier müssen sich anpassen“ und „Fleisch ist doch das beste Gemüse“.

Als erneut eine Art Leerlauf herrschte, erkannte sich der über 80-jährige Herr Marten mit seiner empathischen Art in der Situation der Schüler wieder und war erstaunt darüber, wie ähnlich er sich doch als Jugendlicher verhalten hatte – ein Moment der Gemeinsamkeiten, der für die Schüler Anstoß war, sich endlich ein wenig aus der Deckung zu wagen – und so kam man letztendlich doch noch auf den Zweiten Weltkrieg zu sprechen.

Schließlich fragten die Schüler die Senioren, was denn deren Beschäftigungsmöglichkeiten seien. Dabei stellte sich heraus, dass die älteren Damen und Herren ihre Situation durchaus unterschiedlich bewerten. So bemerkte die äußerst kommunikativ auftretende Ingrid Lilienthal, dass „bei Weitem nicht alles gut“ sei in der Einrichtung, aber dass man dennoch durchaus zufrieden sein könne. Andere hingegen beklagten den Mangel an Pflegepersonal. Doch dass die meisten Senioren dank Sitzgymnastik und Gedächtnistraining nicht die ganze Zeit nur stumpfsinnig herumsitzen, wie es bei dem Boxer Leon aus ihrem Buch der Fall ist, wurde den Schülern am Ende schon klar. Nach dem Schlusswort von Robert Keil, der mit seiner moderierenden Funktion zwischen Jung und Alt das Gespräch immer wieder belebte, wenn nicht gar an sich riss, bekam die Seniorenrunde von den Schülern eine Domschulchronik als Dankeschön überreicht – wobei sich der Deutschlehrer auch hier das letzte Wort nicht nehmen ließ.

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