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Schleswiger Nachrichten

18. Dezember 2017 | 17:50 Uhr

Windkraft : Schwertransport als Nachtspektakel

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Hunderte Schaulustige begleiteten am Straßenrand den Mega-Windkraft-Konvoi auf der B 199. Für die 68 Kilometer von Dagebüll nach Handewitt brauchte der Transport von Windkraft-Bauteilen sechseinhalb Stunden.

Sie sind bis zu 43 Meter lang, bis zu 7,5 Meter hoch und teilweise fast 300 Tonnen schwer, die Bauteile für neue Windkraftanlagen im Windpark Handewitt. Dort sollen in den kommenden Wochen mehrere Anlagen mit einer Gesamthöhe von 180 Metern entstehen. Mit dem Schiff wurden die gigantischen Elemente der 6,2 Megawatt-Anlagen in den Fährhafen Dagebüll geliefert, von da aus geht es auf dem Landweg weiter an den endgültigen Bestimmungsort. In der Nacht zu gestern machte sich der erste Konvoi auf den Weg. Dabei musste neben den Elementen für die Türme auch das gigantische Travohaus, an dem auch die Nabe für die Windflügel befestigt wird, transportiert werden, das größte und schwerste Element von allen.

Damit die Fahrzeuge mit ihren überdimensionierten Ausmaßen auch sicher am Ziel ankommen, bedurfte es umfangreicher Vorbereitungen entlang der rund 68 Kilometer langen Wegstrecke. „Diese Transporte sind aufgrund diverser Vorgaben wie Maße, Gewicht oder Ladung begleitpflichtig und somit wird vom Gesetzgeber eine polizeiliche Begleitung vorgeschrieben“, berichtet Matthias Glamann, Pressesprecher der Polizeidirektion Flensburg. Spezialunternehmen waren schon Tage vor dem Start des ersten Transports mit Umbauten entlang der Strecke beauftragt, so wurden beispielsweise in den Gemeinden Handewitt oder Schafflund ganze Verkehrsinseln entfernt oder Kreisverkehre geöffnet, um eine reibungslose Durchfahrt zu ermöglichen.

Nachdem am frühen Mittwochmorgen die ersten Elemente nach sechseinhalb Stunden Fahrt in Handewitt eingetrofffen waren, machte sich in der Nacht zu gestern gegen 22 Uhr der zweite Konvoi, bestehend aus fünf Fahrzeugen, auf den Weg nach Handewitt. Aufgrund technischer Probleme – ein zunächst 17 Meter hohes Element musste noch auf die maximale Transporthöhe von 7,5 Metern reduziert werden, – begann der Transport zwei Stunden später als geplant, doch mittlerweile kannte man die Strecke und ihre Tücken, und so wurde die Verspätung schnell aufgeholt.

„Es gibt entlang der Wegstrecke einige neuralgische Punkte, an denen der Konvoi nur langsam entlangfahren kann“, erläutert Glamann. Abgestimmt und koordiniert werden mussten in der Nacht zu Freitag auch weitere Transporte, denn es kamen dem Dagebüller Konvoi von der A 7 bei Handewitt mehrere kleinere Schwertransporte entgegen, die rechtzeitig umgelenkt wurden. Auch ein Wildunfall mit einem Lkw sorgte kurzzeitig für Behinderungen auf der B 199 bei Stadum. Polizei und Begleitunternehmen konnten aber schnell wieder für eine freie Strecke sorgen. Trotz der späten Stunde säumten hunderte Schaulustige die Strecke zwischen Dagebüll und Handewitt, viele wollten sich die Ausmaße der Transporte aus nächster Nähe ansehen.

Spediteure und Verantwortliche der Polizei zeigten sich in der Nacht zu gestern hochzufrieden. Reibungslos und ohne Zwischenfälle passierte der Konvoi eine Ortschaft nach der anderen. „Die Spediteure und Begleitunternehmen sind sehr gut organisiert und man erkennt die exakte Planung im Vorfeld“, lobt Glamann. Kleinere Bäume wurden beschädigt, Äste fielen herab, aber dies sind einkalkulierte und überschaubare Schäden. Dennoch wurde es an einigen Stellen ziemlich eng. An der Auffahrt zum Handewitter Kirchberg blieb zu beiden Seiten nur ein halber Meter zu Hauswänden. Die Steigung verlangte den Maschinen für die bis zu 270 Tonnen schweren Transporte hörbar alles ab, Stehenbleiben war in dem Bereich keine Option.

Um 2.30 Uhr war der Spuk vorbei, der Konvoi hatte seinen Bestimmungsort erreicht, Feierabend für die Besatzungen von vier Streifenwagen und die Begleitfahrzeuge. Mitarbeiter eines Garten- und Landschaftsbauunternehmens waren noch einige Zeit mit dem Aufbau der Verkehrsschilder und Straßenlaternen beschäftigt, ehe auch sie ihre Arbeit getan hatten. Auf den Straßen zwischen Dagebüll und Handewitt kehrt nun erstmal wieder Ruhe ein, bis Dienstag, denn in den folgenden Wochen müssen noch Dutzende weitere Transporte diesen Weg zurücklegen, bis die Windparks im Kreis Schleswig-Flensburg die Bauteile für die neuen Windkraftanlagen erhalten haben. Dann beginnt das ganze Prozedere von vorn.

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