Lollfußer Schützengilde : Schweißtreibende Traditionspflege

Majestäten unter sich: Der scheidende Lollfußer König Wolfgang Schulz („Wolfgang der Gelassene“), eingerahmt von Torsten Winkelmann („Torsten der Starke“; links) von der Altstädter St. Knudsgilde und Jan Ehlers („Jan der Treffsichere“) von der Friedrichsberger Schützengilde. Die drei Gilden feiern ihre Schützenfeste Jahr für Jahr abwechselnd.
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Majestäten unter sich: Der scheidende Lollfußer König Wolfgang Schulz („Wolfgang der Gelassene“), eingerahmt von Torsten Winkelmann („Torsten der Starke“; links) von der Altstädter St. Knudsgilde und Jan Ehlers („Jan der Treffsichere“) von der Friedrichsberger Schützengilde. Die drei Gilden feiern ihre Schützenfeste Jahr für Jahr abwechselnd.

Gildefrühstück findet unter erschwerten Umständen statt. Morgen wird der Nachfolger von „Wolfgang dem Gelassenen“ gekürt.

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06. Juli 2015, 12:55 Uhr

Tradition verpflichtet – und kann dabei manchmal ganz schön belastend sein. So wie für die Brüder und Gäste der Lollfußer Schützengilde, die sich gestern am späten Vormittag bei brütender Hitze zum traditionellen Gildefrühstück trafen. Schon vor Beginn der Veranstaltung auf der Schützenkoppel lief den Teilnehmern in ihren dunklen Anzügen der Schweiß in Strömen, im Festzelt mussten die ausliegenden Programmhefte als Fächer herhalten. Nach zwei Stunden und 15 Minuten, der Räucherfisch und die Rahmsuppe von grünen Erbsen waren als erste zwei Gänge inzwischen verzehrt, hatte der 1.    Ältermann Horst-Jürgen Waldmann dann ein Einsehen mit den 260 Anwesenden – und ordnete Anzugserleichterung an. Die Jacketts durften abgelegt werden.

Die Lollfußer Schützengilde von 1699 hat sich auch im 316. Jahr ihres Bestehens der Tradition verpflichtet, will dabei aber keineswegs nur rückwärtsgewandt sein. „Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind in ihrer Entwicklung aufeinander bezogen. Das Eine ist ohne das Andere nicht möglich“, betonte Ältermann Waldmann in seiner Rede. Er spannte den Bogen vom Ende des Zweiten Weltkriegs über das Zusammenwachsen Europas, das ein friedliches Zusammenleben ermögliche, bis hin zur aktuellen Flüchtlingsproblematik. „Viele Menschen kommen zu uns und suchen Hilfe und Schutz“, sagte Waldmann. Er wünsche sich, dass möglichst viele von ihnen ein Zuhause-Gefühl entwickeln für den Ort, an dem sie zufällig gelandet sind.

Ein Stück Heimat ist für die Schützenbrüder und -schwestern zweifellos die Gilde. „Das Miteinander, das familiäre Zusammenwirken der Gildemitglieder untereinander, das gegenseitige Unterstützen sind wichtige Merkmale, um Gilde leben zu können“, meinte der 2. Ältermann Jörg Rohde. Diesen Worten konnte sich die scheidende Majestät Wolfgang Schulz („Wolfgang der Gelassene“) nur anschließen. Für ihn, der vor drei Jahren den Vogel abgeschossen hatte, und seine Frau Monika gehe eine „herausragend schöne Zeit des Majestätsseins“ zu Ende. „Gilde ist Gemeinschaft, ist Zusammensein, ist Gespräch – mal ernsthaft, mal auch nur Juxerei – aber daraus erwächst auch gegenseitige Hilfe“, sagte der pensionierte Berufsoffizier Schulz. Für seine Rede erntete der vielen Gildebrüdern zuvor eher weniger bekannte gebürtige Saarländer lang anhaltenden, kräftigen Applaus.

Morgen Abend wird auf der Gilde-eigenen Schützenkoppel – „Schleswigs schönste Höhen“, wie gestern mehrfach nicht zu Unrecht betont wurde – der Nachfolger von „Wolfgang dem Gelassenen“ gekürt. Bereits seit Sonnabend wird auf einzelne Teile des Holzvogels geschossen.

Ach ja, nicht nur die Schützenbrüder kamen gestern traditionsgemäß zum Speisen zusammen. Im Nachbarzelt trafen sich am Nachmittag die Schützenschwestern zur Kaffeetafel. Aber die durften in luftiger Sommerkleidung erscheinen und hatten es somit um einiges leichter als ihre Männer.

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