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Pilotprojekt : Schultafeln haben bald ausgedient

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Auf dem Scheersberg wurden Wege aufgezeigt, wie iPads und Apps fester Bestandteil des Unterrichts werden könnten

Die gute alte Tafel im Klassenzimmer hat ausgedient. „Die Kreide-Zeit ist vorbei“, bestätigte der Pädagoge Friedrich Koch aus Barsbüttel, Initiator eines Pilotprojekts zur Vernetzung von schulischer und außerschulischer Lernerfahrung unter Verwendung von iPads, Tablets, Apps und anderen digitalen Errungenschaften. In der Internationalen Bildungsstätte Jugendhof Scheersberg informierten sich zum ersten Mal 60 Teilnehmer aus ganz Schleswig-Holstein, darunter Skeptiker, Fans und Neugierige, über die Chancen, die diese neuen elektronischen Alleskönner via Internet zu bieten vermögen.

Nach den Worten von Friedrich Koch werden die iPads über kurz oder lang auch den Einsatz von Schulcomputern überflüssig machen, denn die erst vor drei Jahren auf den Markt gekommenen neuen Geräte seien robuster, schneller und wesentlich effektiver. Zu den Visionen der Befürworter des Einsatzes von iPads in den Schulen gehören die papierlose Abiturprüfung und die pädagogische Organisation des Unterrichts.

Jugendbildungsreferent Ingo Mertins (Scheersberg) legte dar, dass beispielsweise erkrankte Schüler in ihrem Bett dank des „Tablets“ unmittelbar am Unterricht in ihrer Klasse teilnehmen könnten – so, als wären sie dabei. Fertige Hausaufgaben könnten in eine digitale „Wolke“ übertragen und danach in der Schule für alle sichtbar auf eine Leinwand projiziert werden. Allerdings, merkte ein Teilnehmer kritisch an: „Man kann mit den iPads alles machen, und das ist das Problem.“

Mertins selbst zeigte in einer der zehn Arbeitsgruppen auf, dass man mit dem flachen Wunderding Kurzfilme drehen, schneiden und vertonen kann. Selbst das Komponieren eigener Musikstücke ist möglich. Darüber hinaus bieten Lernplattformen wie „its learning“ mit ihren Programmen neue Möglichkeiten zum Erlernen von Fremdsprachen oder beim Lösen kniffliger Matheaufgaben.

Im Jugendhof zeigten Schüler aus der niedersächsischen Waldschule Hatten den anwesenden „Neueinsteigern“, wie sie in der iPad-Welt mit der Bedienung zurecht kommen. Die Tablets sind zwar bei privater Anschaffung über 300 Euro teuer, doch Schulen können sie leasen. In solchen Fällen werden die jungen Nutzer jährlich nur mit etwa fünf Euro belastet.

Nach Ansicht von Experten ist die anfängliche iPad-Euphorie wegen „unerfüllbarer Erwartungen“ getrübt worden, es habe sogar eine Frust-Phase gegeben. Doch inzwischen hätten die Nutzer einen realistischen Mittelweg eingeschlagen.

Vorbehalte gebe es für das „neue Lernen“ offensichtlich auch noch im schleswig-holsteinischen Bildungsministerium, sagt Initiator Friedrich Koch. Im nördlichsten Bundesland seien bislang nur einige „Inseln“ – wie die Universität Flensburg und einige Gymnasien – zu finden, in denen man sich mit dem digitalen Lernen befasst. „Wir wollen vom Scheersberg aus der Politik ein Signal geben“, unterstreicht der Wegbereiter.

Und weiter: „Schleswig-Holstein darf von dieser Entwicklung nicht abgehängt werden. Die großen weißen Flecken müssen weg.“ Dabei verweist Koch auf das in dieser Beziehung fortschrittliche Nachbarland Niedersachsen, wo sich bereits 80 hauptamtliche Medienberater um das mediale Netzwerk kümmern und auch in der Lehrerfortbildung neue Akzente setzen. Dort hat die Zukunft schon begonnen.

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erstellt am 01.Okt.2013 | 12:15 Uhr

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